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Elektroporsche „P1“ Der verschollen geglaubte erste Porsche der Welt ist wieder da

| Autor: Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Nach 116 Jahren ist der erste Porsche von 1898 wieder aufgetaucht und kann im Porsche-Museum in Stuttgart-Zuffenhausen bestaunt werden. Das „Egger-Lohner-Elektromobil Modell C.2 Phaeton“ von Ferdinand Porsche erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von rund 35 km/h und hatte eine Reichweite von 80 km.

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Weltpremiere zum fünften Geburtstag des Porsche-Museums: Der „P1 – die erste Porsche-Konstruktion der Welt.
Weltpremiere zum fünften Geburtstag des Porsche-Museums: Der „P1 – die erste Porsche-Konstruktion der Welt.
(Bild: Porsche)

Fragt man Autofreaks nach dem ersten Porsche, werden die meisten wohl den Typ 356 von 1948 nennen. Zwar gilt die Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG seitdem als einer der weltweit führenden Sportwagenhersteller, doch die Geschichte reicht noch viel weiter zurück: 1898 wurde das unter Mitarbeit von Ferdinand Porsche entstandene „Egger-Lohner-Elektromobil Modell C.2 Phaeton“ (P1) präsentiert. Nach 116 Jahren ist dieses unrestaurierte Fahrzeug wieder gefunden worden und bereichert nun die Sammlung des Porsche-Museums.

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Das „Egger-Lohner-Elektromobil Modell C.2 Phaeton“ rollte als eines der ersten zugelassenen Fahrzeuge Österreichs am 26. Juni 1898 über die Straßen Wiens. In alle wichtigen Bauteile soll Ferdinand Porsche das Kürzel „P1“ (für Porsche Nummer 1) eingeschlagen haben.

Zweifel an der Echtheit

Kaum hatte Porsche bekannt gegeben, dass das „Egger-Lohner-Elektromobil Modell C.2 Phaeton“ wieder aufgetaucht sei und im Porsche-Museum ausgestellt wird, kamen Zweifel an der Echtheit auf. Zum Hintergrund des „Scheunenfundes“: Das nun im Porsche-Museum ausgestellte „Egger-Lohner-Elektromobil Modell C.2 Phaeton“ (P1) befand sich bis 2009 im Technischen Museum Wien, wurde dann von einer nicht genannten Person erworben und später an Porsche weiterverkauft. Nach Aussagen eines gerichtlich zertifizierten Gutachters können die „P1“-Kennzeichnungen erst nach August 2009 angebracht worden sein, was auch Fotos belegen. So ist beispielsweise die in einem Gutachten von 2009 abgebildete Radmutter der vorderen rechten Felge nicht mit „P1“ gekennzeichnet, während auf einem Foto derselben Felge von heute deutlich „P1“ zu sehen ist. Aber auch wenn die Herkunft der „P1“-Kennzeichnungen ungeklärt ist, bestehen keine Zweifel an der Echtheit des im Porsche-Museum ausgestellten Fahrzeugs.

Bis zu 80 km Reichweite

Die Leistung des sehr kompakten und nur 130 kg schweren Elektroantriebs betrug 2,2 kW (3 PS) bei 500 U/min. Kurzfristig waren durch Überlastung sogar bis zu 3,7 kW (5 PS) möglich, womit das Fahrzeug bis zu 35 km/h erreichte. Die Fahrgeschwindigkeit konnte dabei mittels eines „Controller“ genannten Reglers in 12 Stufen gewählt werden. Der Fahrstrom kam aus einer 550 kg schweren Batterie mit 44 Zellen und einer Kapazität von 110 bis 120 Ah. Die Gesamtreichweite des Fahrzeuges betrug schon damals 80 km. Eine weitere Innovation war die Lohner-Wechselkarosserie, so dass der Wagen sowohl im Sommer als auch im Winter genutzt werden konnte.

Preiswettfahrt für Elektromobile im September 1899

Die erste Bewährungsprobe für den „P1“ wartete im September 1899 bei der Internationalen Motorwagen-Ausstellung in der deutschen Hauptstadt Berlin. Bereits zu dieser Zeit war der Wettbewerb der Antriebssysteme im vollen Gange. Dort wurde für den 28. September eine „Preiswettfahrt für Elektromobile“ über 40 km ausgeschrieben, um die Leistungsfähigkeit der Fahrzeuge zu testen.

Die Strecke stellte u.a. durch Steigungen hohe Ansprüche an die Teilnehmer. Ferdinand Porsche und sein „P1“ beendeten das Rennen mit drei Passagieren an Bord mit 18 Minuten Vorsprung als Erster. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer hatten das Ziel aufgrund von technischen Problemen nicht erreicht. Auch in der Wirtschaftlichkeitswertung siegte Ferdinand Porsche, denn sein „P1“ hatte im Stadtverkehr den geringsten Energiebedarf.

Fünf Jahre Porsche-Museum

Fünf Jahre nach seiner Eröffnung im Januar 2009 wird das Porsche-Museum seine Dauerausstellung mit dieser Konstruktion neu ausrichten. Neben dem neustrukturierten Aufbau der Bereiche Produkt- und Motorsportgeschichte leitet nun der „P1“ als zentrales Exponat in den ersten Teil der Ausstellung, den so genannten Prolog ein. Der „P1“ bildet als innovatives Fahrzeugkonzept künftig eine Brücke von der Vergangenheit bis hin zu Entwicklungen der Gegenwart, wie dem Porsche 918 Spyder. Als Technologieträger steht der 918 Spyder ganz in der Tradition, die bereits vor 116 Jahren mit dem „P1“ begründet wurde.

Das Porsche-Museum ist dienstags bis sonntags von 9.00 bis 18.00 Uhr geöffnet. Nähere Informationen stehen auf der Website des Porsche-Museums zur Verfügung.

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Über den Autor

Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Dipl.-Ing. (FH) Thomas Kuther

Redakteur, ELEKTRONIKPRAXIS - Wissen. Impulse. Kontakte.