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Club-Mitgliedschaft statt Besitz: Mobilität für ein digitales Lebensgefühl?

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

In den 134 Jahren, seitdem Carl Benz und Gottfried Daimler die Automobilität entwickelt haben, hat sich eine Sache lange Zeit nicht verändert. Die Menschen wollen überwiegend ihre Autos besitzen und nicht mit Fremden teilen. Diese Denkweise, meint der chinesische Hersteller Lynk, der in diesen Tagen auf den europäischen Markt fährt, hat sich nun überholt.

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Natürlich will Lynk & Co nicht nur Mitgliedschaften in seinem Club verkaufen, sondern auch Autos absetzen.
Natürlich will Lynk & Co nicht nur Mitgliedschaften in seinem Club verkaufen, sondern auch Autos absetzen.
(Bild: Clipdealer)

„Die Automobilindustrie hält noch immer an einem Vertriebs- und Besitzsystem fest, das seit mehr als 100 Jahren existiert. Wir ändern das jetzt. Die heutigen Kunden schätzen Produkte, die ihren digitalen und sich ständig ändernden Lebensstil widerspiegeln“, erklärt Lynk & Co Chef Alain Visser bei der Vorstellung des neuen Mobilitätsangebot seines Unternehmens und des ersten Lynk & Co-Modells in Europa.

Bei dem Angebot können die Kunden eine Mitgliedschaft in einem Club (500 Euro pro Monat) für ein Fahrzeug erwerben. In dem Beitrag sind Wartung, Versicherung und eine Carsharing-Plattform enthalten. Die Mitgliedschaft kann jederzeit mit einer einmonatigen Frist gekündigt werden. Zeitgenossen, die nicht ständig ein Automobil benötigen, können eine kostenlose Mitgliedschaft abschließen und nur dann zahlen, wenn sie ein Auto ausleihen.

Mit dem Club – das ist ungewöhnlich für einen Automobilhersteller – sollen die Mitglieder die Zahl der Automobile auf den Straßen verringern, indem sie ihr Abo-Auto mit Freunden und Verwandten teilen. Denn schließlich, so Lynk & Co, wird das durchschnittliche Automobil pro Tag nur zu vier Prozent der Zeit bewegt. Über die Plattform lässt sich Mobilität deutlich nachhaltiger organisieren, glauben die Verantwortlichen der Marke. „Wir sind hier, um die Mobilität für immer zu verändern“, erklärt Visser selbstbewusst.

Um das Teilen weiter zu vereinfachen, entwickelte die Marke eine eigenständige Plattform, mit der Mitglieder die Buchungen organisieren können. Über ihre Smartphones können sie zudem einen digitalen Schlüssel an den Wagen schicken. „Wir bieten eine radikale Lösung für die neue digitale Generation, die Mobilität nach ihren Vorstellungen verlangt“, beschreibt Visser die Zielgruppe der Marke.

Natürlich will Lynk nicht nur Mitgliedschaften in seinem Mobilitätsclub verkaufen, sondern auch Autos absetzen. Die wiederum können online oder ganz analog in einem der Lynk-Clubs erworben werden. In ausgesuchten Märkten, verspricht die Marke, wird das Modell auch bis an die Haustür geliefert. Der erste Club öffnet demnächst in Amsterdam, gefolgt von Göteborg in Schweden. Weitere Orte in den sieben europäischen Kernmärkten werden in den kommenden Wochen bekannt gegeben, wenn Lynk auf Europa-Tour geht. Dabei verstehen die verantwortlichen ihre Clubs nicht als Verkaufsräume, sondern vielmehr als Treffpunkt der Lynk-Gemeinschaft.

Lynk & Co gehört zum chinesischen Geely-Konzern, dessen Besitzer Li Shufu größter Daimler-Aktionär ist und dem Marken wie Volvo, Lotus, Proton und London Taxi gehören. Zusammen mit ihren Club-Aktivitäten stellt die Marke auch ihr erstes Modell für den europäischen Markt vor. Der 01, ein Crossover, der leicht an den Porsche Macan erinnert, misst 4,54 Meter und kommt ausschließlich mit elektrifizierten Antrieben als Plug-in-Hybrid oder Vollhybrid auf den Markt. Die Verbrenner-Abteilung übernimmt ein 1,5 Liter-3-Zylindermotor, der bis zu 180 PS leistet. Die elektrische Reichweiter der Plug-in-Variante liegt nach Werksangaben bei 70 Kilometern.

Auch bei den Optionen verlässt Lynk die ausgetretenen Pfade der Industrie. „Ausstattungspakete gehören zu der alten automobilen Zeit und sind einfach viel zu komplex“, meint ein Unternehmenssprecher. Stattdessen ist beim 01 „jedes Extra Standard“. Am Ende muss der Kunde neben dem Antrieb nur noch die Farbe wählen, und auch das sollte leichtfallen, denn lediglich Blau oder Schwarz stehen zur Wahl. Henry Ford lässt grüßen.

Natürlich hat der 01 alle aktuellen digitalen und konnektiven Lösungen an Bord. Dazu gehören unter anderem der zentral platzierte große berührungsempfindliche Bildschirm, Online-Navigation, Apps, eine Kamera und eine eigene Cloud. Wartungshinweise kommen natürlich auch über die Cloud, sodass die Mitglieder stets bestens informiert sind. Der 01 wurde im von Geely und Volvo gemeinsam genutzten Entwicklungszentrum in Göteborg entwickelt und nutzt sogenannte Compact Modular Architecture (CMA), die auch beim Schwestermodell Volvo XC 40 eingesetzt wird. –ampnet–

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