Virtuelle Welten Chinas Autobauer experimentieren im Metaverse

Von Henrik Bork

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Erweiterte und virtuelle Realität im Cockpit – Chinas Autohersteller werben mit immersiven Erlebnissen. Das Metaverse ist in der chinesischen Autoindustrie angekommen.

Audi bietet seinen Kunden virtual-reality-Erlebnisse an.
Audi bietet seinen Kunden virtual-reality-Erlebnisse an.
(Bild: Audi)

Das Metaverse ist in der chinesischen Autoindustrie angekommen. Von Autopremieren in 3D, über AR und VR im Cockpit bis hin zu einer komplett virtuellen BMW-Fabrik für chinesische Autofans in Nordchina: Die Hersteller in der Volksrepublik umwerben junge Autokäufer mit neuen, „immersiven“ Erlebnissen.

Als Baidu und Geely kürzlich ihr autonom fahrendes Modell „ROBO-01“ vorstellten, fand die Präsentation auf der Metaverse-Plattform von Baidu statt. Bilder und Videos des neuen E-Autos waren zuerst in der virtuellen, nicht in der realen Welt zu sehen.

Junge chinesische Autokäufer, die fast mit dem Smartphone auf die Welt gekommen sind, zumindest aber seit ihrer Geburt nicht viel Zeit ohne die Dinger in der Hand verbracht haben, könnten solche Neuerungen zu schätzen wissen. Oder so ähnlich hofft man bei den Herstellern.

Metaverse: Einige Autohersteller hoffen auf Profit

„Seit Beginn des Jahres 2022 hat das Streben der Autobauer nach dem Metaverse von einem einfachen Konzept zu praktischen Aktionen hin verlagert“, schreibt das chinesische Autoportal Gasgoo. Die Anwendungen der neuen Technik, die eine Fusion der realen und Online-Welten verspricht und laut Mark Zuckerberg bald für alle von uns zum Hauptwohnsitz werden könnte, sind vielfältig. Einiges erinnert derzeit noch sehr an Spielereien. Anderes weckt bei den Anteilseigner der OEMs ernste Profitgelüste.

GAC Trumpchi, eine Marke des südchinesischen Autobauers, hat kürzlich eine Kooperation mit „Microsoft Xiao Ice“ begonnen, um einen virtuellen Beifahrer zu schaffen, der von seinen Kunden individuell angepasst werden kann und ihre emotionale Bindung zu dem Gefährt deutlich steigern soll. Dieses Konzept ist bereits von „Ida“ bekannt, der virtuellen Markenbotschafterin von FAW-Volkswagen oder dem „Metaverse Girl Axi“ im Automodell Omoda des chinesischen Herstellers Chery.

Meilen sammeln für die virtuelle Welt

Auch mit VR- und AR-Technik experimentieren verschiedene Hersteller – mit dem Ziel, den Autofahrern im Cockpit eine interaktive Erfahrung zu ermöglichen, die sie vielleicht schon von ihren Game-Konsolen daheim gut kennen. AR-HUD, also über die Windschutzscheibe projizierte „Head-up Displays“, in denen die Straße mit Daten aus der virtuellen Welt überlagert werden, hätten schon begonnen, „schrittweise den zentralen Kontrollbildschirm und Dashboard“ zu ersetzen, und dies gleich bei „mehreren Herstellern“, berichtet Gasgoo.

Der Autobauer SAIC Zhiji Auto hat Anfang dieses Monats eine eigene Metaverse-Plattform eröffnet, in der Kunden über „Mileage Mining“, einer Art Meilensammeln ähnlich den Vielflieger-Programmen von Fluggesellschaften, ihre Kilometer von der echten Strasse in Spielgeld im Metaverse verwandeln können. Künftig könnten solche Konzepte um virtuelle Testfahrten und das Bestellen von Autozubehör per 3-D-Brille um kommerziell wertvolle Dinge erweitert werden.

NFT-Bilder für BYD-Kunden

Auch BYD erprobt schon fleißig neue digitale Geschäftsfelder im Metaverse. Es hat digitale NFT-Bilder nur für Fahrer seiner E-Autos auf den Markt gebracht. Geely wiederum hat bereits rein digitale Konsumenten-Coupons namens „China Star Digital RMB“ im Angebot.

So richtig im Metaverse ausgetobt haben sich die IT-Ingenieure von BMW Brilliance im nordchinesischen Shenyang. Als dort im Juni die neue Lydia-Fabrik für den BMW i3 eröffnet wurde, ging gleichzeitig eine virtuelle „BMW iFactory“ im Metaverse online.

Als Avatar durch die BMW-Fabrik laufen

Echte BMW-Fans in China können dort in die Rolle verschiedener Avatare schlüpfen und interaktiv und spielerisch den gesamten Produktionsprozess eines BMW i3 erlernen, vom Biegen der Autoblechen über die Montage bis hin zur Farbauswahl im Paint Shop.

Ähnlich wie die wagemutigen Ankündigungen von Mark Zuckerberg stoßen viele dieser Aktivitäten von Autoherstellern in China derzeit noch auf Skepsis. „Metaverse für die Autoindustrie – echter Bedarf oder Gimmick“, überschrieb eine große Autozeitung kürzlich ihren Bericht zu dem Thema.

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Doch andere Marktbeobachter glauben, dass Chinas Autobauer gar keine andere Wahl haben, als schon jetzt mit dem zu experimentieren, was eine neue Generation von Autokäufern in fünf bis zehn Jahren selbstverständlich erwarten wird. (sp)

Über den Autor

Henrik Bork, langjähriger China-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Rundschau, ist Managing Director bei Asia Waypoint, einer auf China spezialisierten Beratungsagentur mit Sitz in Peking. „China Market Insider“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Vogel Communications Group, Würzburg, und der Jigong Vogel Media Advertising in Beijing.

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