Clubhouse-Talk Chancen von E-Auto-Newcomern: „Wird ein Miteinander geben“

Redakteur: Svenja Gelowicz

Die Elektromobilität bietet Einstiegsmöglichkeiten für Start-ups und andere Unternehmen. Welche Chancen dabei Newcomer haben, warum Fördermittel nicht allen Start-ups helfen und welche Rolle Design spielt.

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Microlino: Der E-Auto-Newcomer will Fahrzeuge für Städte in den Markt bringen.
Microlino: Der E-Auto-Newcomer will Fahrzeuge für Städte in den Markt bringen.
(Bild: Microlino)

E-Autos sind längst keine Exoten mehr im Straßenverkehr. In den Markt mit der Elektromobilität drängen neben den etablierten Autobauern auch Quereinsteiger und Start-ups. Über Chancen und Herausforderungen hat „Next Mobility“ am Dienstagabend auf der neuen Live-Podcast-Plattform „Clubhouse“ mit Managern aus Start-ups sowie Mobilitätsexperten diskutiert.

Viele Unternehmen schielen bei Elektroautos auf die hohen Subventionen durch die Politik. Doch gerade umweltfreundliche Fahrzeuge profitieren nicht unbedingt von diesen.

Der Mitgründer des Zwergstromer-Start-ups Microlino, Merlin Ouboter, blickt dabei auf die Unterschiede bei den Fahrzeugklassen. Denn der Microlino fällt in die Leichtelektromobil-Klasse L7E und damit aus dem Umweltbonus. „Stattdessen werden Elektro-SUVs gefördert, deren Batterie allein so schwer ist wie unser gesamtes Fahrzeug“, kritisiert der Unternehmensgründer.

Christian Jung, Technikchef beim Elektro-Start-up Fox E-Mobility, sieht auch Verbesserungspotenzial bei den Finanzierungsformen von Start-ups in Europa. Er und sein Team wagen daher direkt einen Börsengang – und hoffen auf eine Fangemeinde für das geplante Fahrzeug namens Mia. „Wir wollen neben klassischen Großinvestoren auch andere für die Idee zu begeistern.“

E-Auto-Design: Der Vergleich mit der Pferdekutsche

Um Fans zu gewinnen, spielt für Newcomer das Design eine große Rolle. Die Batterietechnologie bietet völlig neue Möglichkeiten für das Aussehen von Fahrzeugen. Für Ouboter von Microlino sehen viele Fahrzeuge von etablierten Autobauern zu aggressiv aus. „Wir machen keinen schlechten Job, wenn wir da mehr Freundlichkeit hineinbringen.“ Und auch Jung glaubt, dass sich die Emotionen beim Fahrzeugkauf immer mehr in Richtung Nachhaltigkeit und Stadttauglichkeit bewegen. In Sachen Design wählt er den Vergleich der Pferdekutsche. Die ersten Autos hätten dieser noch ähnlich gesehen – nur eben ohne Pferde. An einem ähnlichen Punkt stehe man nun bei Elektroautos.

Doch auch viele etablierte Hersteller haben mittlerweile ihre „Hausaufgaben gemacht“, sagt Peter Fintl, Leiter Technology and Innovation bei der Technologieberatung Altran. Die Produkte der OEMs werden zunehmend interessanter, das erschwere neuen Wettbewerbern den Markteintritt „von unten nach oben“. Für verschiedene Anwendungen wie Mikromobilität aber entstehen neue Nischen, in denen sich Start-ups gut platzieren können. „Das Fahrzeug muss zur Anwendung passen.“ Er rät jungen Unternehmen sich zu fragen, „wie viel Auto“ es wirklich sein muss.

„Wir spielen die Social-Media-Kanäle besser als manche OEMs“

Hans-Peter Kleebinder, Studienleiter CAS SMART Mobility Management an der Universität St. Gallen, sieht ebenfalls kleine Fahrzeuge mit neuen Anwendungsmöglichkeiten als gute Einstiegsmöglichkeit für Start-ups. „Es wird ein Miteinander geben. Wir brauchen mehr Vielfalt in allen Fahrzeugklassen“, sagte Kleebinder. Was Start-ups, aber auch Consumer-Marken wie Apple – die Gerüchte um ein Auto-Projekt der Kalifornier reißen nicht ab – besser als die deutschen Autobauer machen könnten, sei die Kundenbindung. Denn der Antrieb spielt künftig als Entscheidungskriterium beim Autokauf eine zunehmend geringere Rolle, ist der Mobilitätsexperte überzeugt. Microliono-Mitgründer Merlin Ouboter dazu: „Wir spielen die Social-Media-Kanäle besser als manche OEMs. Nicht weil wir mehr Budget haben, sondern weil wir authentisch sind.“

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