Batterietechnik CATL: Lieferwagen fast so schnell laden wie tanken

Von Henrik Bork 5 min Lesedauer

CATL hat eine Batterie auf den Markt gebracht, die leichte Nutzfahrzeuge fast so schnell auflädt, wie ein Diesel betankt werden kann. In sechs Minuten und 48 Sekunden erreicht der neue Akku 80 Prozent seiner Kapazität, eine volle Ladung dauert acht Minuten und 56 Sekunden, wie das chinesische Autoportal Gasgoo berichtete.

CATL hat eine Batterie versprochen, die leichte Nutzfahrzeuge fast so schnell aufladen kann, wie sich ein Diesel betanken lässt.(Bild:  CATL)
CATL hat eine Batterie versprochen, die leichte Nutzfahrzeuge fast so schnell aufladen kann, wie sich ein Diesel betanken lässt.
(Bild: CATL)

Es ist die erste Traktionsbatterie für Nutzfahrzeuge, die schnelles Laden in der Kategorie „8C“ ermöglich. Das C steht für die Laderate. 8C bedeutet rein rechnerisch, dass sich eine Zelle in einem Achtel einer Stunde vollladen lässt. CATL hat das Produkt unter seiner Nutzfahrzeug-Marke Tianxing eingeführt, englisch „Tectrans“. Die Schnelllade-Version der „Tianxing II“ für leichte Nutzfahrzeuge werde von dem Batteriehersteller insbesondere über die schnelle Laderate vermarktet, berichtete das Autoportal. CATL spricht selbst von einer neuen Ära der „Parität zwischen Elektro und Kraftstoff“ in der Logistikbranche.

Schaut man auf die bisherigen Produkte der Marke Tianxing oder Tectrans, so ist die neue 8C-Batterie eine logische Weiterentwicklung. Im Juli 2024 hatte CATL diese Serie mit zwei Batterien der sogenannten L-Serie für den Logistikmarkt begonnen. Eine davon konnte damals 4C-Schnellladung. Anfang dieses Jahres kam dann die zweite Generation auf den Markt. Deren Kälte-Variante war Angaben von CATL zufolge die erste in Serie gefertigte Natrium-Ionen-Batterie für leichte Nutzfahrzeuge. Sie halte auch bei minus 40 Grad noch 90 Prozent ihrer Kapazität, hieß es bei der Markteinführung.

Nutzfahrzeugmarkt von großem Interesse

Mit dem neuen Akku signalisiert CATL, dass es sehr an einem Markt interessiert ist, der erst in letzter Zeit so richtig in Schwung kommt. Der Markt für Traktionsbatterien in Personenwagen gilt in China als weitgehend ausgereift. Das Wachstum bei den Neuzulassungen elektrischer Pkw hat sich verlangsamt. Bei den Nutzfahrzeugen dagegen beginnt die Elektrifizierung momentan erst so richtig und wächst sehr schnell.

Im Jahr 2025 wurden in China 871.000 elektrische Nutzfahrzeuge verkauft, 63,7 Prozent mehr als im Vorjahr, wie das Branchenportal Xinnengyuan Shangye Pinglun aufzeigte. Der Anteil der Stromer an allen neu verkauften Nutzfahrzeugen stieg von rund 2,7 Prozent im Jahr 2020 auf 26,9 Prozent im vergangenen Jahr.

Für die Batteriehersteller ist dieses Segment auch deshalb reizvoll, weil Lieferfahrzeuge mehr Batteriekapazität benötigen. Ein elektrischer Pkw trägt einen Akku von 40 bis 80 kWh. Ein schwerer E-Lkw für den regionalen Güterverkehr oder den Bergbau kommt auf 400 bis 600 kWh, und die Branche arbeitet schon an Paketen von 750 kWh und mehr als einer MWh. Ein einziger schwerer Elektro-Lkw erzeugt damit so viel Batteriebedarf wie zehn bis 15 Personenwagen.

Der Anteil elektrischer Nutzfahrzeuge werde 2026 die Schwelle von 36 Prozent überschreiten und der Absatz werde bei mehr als 1,1 Millionen Fahrzeugen liegen, prognostiziert Huang Hongliang, der bei EVE Energy den Inlandsvertrieb für Nutzfahrzeug-Batterien leitet.

Bei einer durchschnittlichen Kapazität von 300 kWh je Fahrzeug ergäbe das allein aus diesem Segment einen jährlichen Batteriebedarf von mehr als 300 GWh. Das ist mehr als die Hälfte aller Batterien, die 2023 in sämtlichen neuen Elektrofahrzeugen Chinas verbaut wurden.

Was die Elektrifizierung der Nutzfahrzeugflotte in China bedeutet, lässt sich jeden Morgen bei Sonnenaufgang beobachten. In allen Städten der Volksrepublik schwärmen Zehntausende von Lieferwagen aus, um die Regale der Geschäfte mit neuen Waren zu füllen. Für die Betreiber der Flotten ist jede Minute Stillstand gleichbedeutend mit einem Verdienstausfall. Lange Ladepausen für Batterien kann sich in diesem Geschäft niemand leisten.

Verbesserte Batterielebensdauer

Vier Probleme plagten die Nutzer elektrischer Lieferfahrzeuge bisher, so CATL. Die Wagen laden langsam, ihre Batterien altern schnell, im Winter verlieren sie an Leistung, und die Ladesäulen liefern oft nicht die passende Leistung. Neben dem Ladetempo wirbt CATL deshalb mit der Haltbarkeit seiner neuen Batterie. Sie solle bis zu zehn Jahre oder eine Million Kilometer durchhalten, so lange wie das Fahrzeug selbst. Für Flottenbetreiber senkt das die Amortisationskosten und hebt den Restwert gebrauchter Wagen.

Technisch möglich sei das, weil der Innenwiderstand der Zelle nur halb so hoch liege wie im Branchendurchschnitt, was das Aufheizen der Batterie beim schnellen Laden verringere. Zusätzlich habe der Konzern die Grenzfläche der Graphitpartikel auf atomarer Ebene neu geformt, um den Verlust an aktivem Lithium zu bremsen und die Alterung zu verlangsamen, hieß es in Berichten chinesischer Fachpublikationen.

Das dritte Verkaufsargument gilt der Kälte. Bei –20 °C Zelltemperatur brauche die Batterie nur etwa zweieinhalb Minuten länger zum Laden als unter normalen Bedingungen, so CATL. In Nordchina, wo strenger Frost verbreitet ist, war das langsame Laden im Winter bisher eine der größten Hürden für den Umstieg auf den Elektroantrieb.

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Starker Wettbewerb in Nutzfahrzeug-Batteriemarkt

Auch BYD und EVE Energy drängen derzeit stark auf den Markt für Nutzfahrzeug-Batterien. Der Wettbewerb unter den Batterie-Herstellern verlagert sich spürbar aus dem Pkw- in das Nutzfahrzeug-Segment. EVE Energy, nach Liefermenge einer der größten Batteriehersteller des Landes, stellte im Mai seine „KI-Batterie“ vor. Sie trage als erste in Serie gefertigte Zelle einen hochpräzisen Miniaturdrucksensor, der Druckveränderungen und feine elektrochemische Vorgänge im Inneren erfasse.

Zusammen mit einem KI-Chip an Bord und einer Cloud-basierten Plattform soll daraus ein „360-Grad-Zustandsnetzwerk“ entstehen, das nicht nur die Batterie überwacht, sondern auch Umgebungstemperatur, Höhenlage, die Straße voraus und Kartendaten. Auch hier geht es erkennbar darum, die E-Mobilität für die Flottenbetreiber als realistische Alternative zu positionieren.

Wirtschaftlichkeit im Fokus

Subventionen von staatlicher Seite sind inzwischen nicht mehr der entscheidende Faktor. Diese Phase ist in China vorbei. Ob ein Flottenbetreiber auf Elektroantrieb umsteigt, entscheidet sich zunehmend an der Wirtschaftlichkeit der Fahrzeuge, an dem, was in der Branche „Operating Economics“ genannt wird.

Schnelleres Laden, längere Haltbarkeit und verlässliche Leistung bei Kälte sind da keine technischen Spielereien. Sie verbessern die Rechnung, die ein Logistikunternehmer macht, bevor er einen Diesel gegen einen Stromer tauscht.

Damit die neue Batterie möglichst viele Nutzer findet, hat CATL zugleich eine kombinierte Lade- und Wechselstation namens Choco vorgestellt, die Pkw und Nutzfahrzeuge bedient. Ihre Kabel sind eigens auf die Anschlüsse von Kleintransportern und leichten Lkw abgestimmt, damit Fahrer nach dem Parken nicht erst rangieren müssen.

4.000 solcher Stationen will der Konzern in diesem Jahr in rund 190 chinesischen Städten aufbauen. Ob die Ladezeiten im rauen Flottenbetrieb tatsächlich an die Laborwerte des Herstellers heranreichen, muss sich erst noch zeigen. Sicher ist aber, worauf die Strategien der großen Batteriekonzerne gerade zielen. Elektrische Nutzfahrzeuge versprechen das schnellste Wachstum in einem Batteriemarkt, der sich ingesamt nach einer Phase der ultraschnellen Expansion bei Pkws deutlich abgekühlt hat. (se)

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