Studie Carsharing und Ridepooling: So stehen die Chancen, Geld zu verdienen

Von Svenja Gelowicz

Damit geteilte Mobilitätsdienste erfolgreich auf den Straßen unterwegs sein können, brauchen sie politische Unterstützung. Das zumindest ist das Fazit einer neuen Studie. Doch ein Service erreicht in keinem Szenario ein positives Ergebnis.

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Die Carsharing-Fahrzeuge der großen Anbieter finden sich bislang zumeist in größeren Städten.
Die Carsharing-Fahrzeuge der großen Anbieter finden sich bislang zumeist in größeren Städten.
(Bild: Miles)

Carsharing und Ridepooling kommt bislang vor allem den Städtern zugute. Aus einem guten Grund: Die Dienste lohnen sich für die Anbieter vor allem in dicht besiedelten Gebieten. Eine am Dienstag veröffentlichte Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI kommt allerdings zum Ergebnis, dass solche neuen Mobilitätsformen am schnellsten im ländlichen Raum Wirkung entfalten können.

„Aus unserem neuartigen Prognosemodell geht hervor, dass Mobilitätsdienste als Alternative zum Auto durchaus große Potenziale haben, insbesondere im ländlichen Raum“, erklärt Claus Doll, der am Fraunhofer ISI zu nachhaltiger Mobilität forscht. Man müsse jedoch genau beobachten, welche Angebote mittel- bis langfristig finanziell überlebensfähig sind und einen echten Beitrag zu einem nachhaltigeren Verkehr leisten könnten.

Doll und seine Kollegen rechnen damit, dass sich das Fahrtenaufkommen beim Ridepooling insgesamt verdreifachen könnte. In Kleinstädten und ländlichen Regionen könnte sich das Angebot sogar verzwanzigfachen. Die Gründe: Ein großer Nachholbedarf und die Schwächen des meist unrentablen und fahrplangebundenen ÖPNV.

Carsharing- und Ridepooling-Modelle: Wie können sie wirtschaftlich sein?

Die für Carsharing-Anbieter wirtschaftlich besten Bedingungen ergeben sich laut der Studie, wenn der ÖPNV gefördert wird, Kraftstoffsteuern und CO2-Abgaben steigen und Privatfahrzeuge keine Kaufanreize erhalten. Eine radikale Vergünstigung der Nutzungstarife schneide wirtschaftlich betrachtet am schlechtesten ab.

Insbesondere fixe Mitgliedsbeiträge tragen laut der Analyse außerdem dazu bei, dass das stationsgebundene Carsharing im Gegensatz zum Durchschnitt der sogenannten Free-Floating-Angebote durchaus kostendeckend betrieben werden kann.

Ridepooling-Angebote erreichen hingegen in keinem der Szenarien ein gewinnversprechendes Umsatz-Kosten-Verhältnis oder ein positives operatives Ergebnis. Das liegt insbesondere an den Personalkosten für die Fahrer. Deshalb setzen Anbieter auch auf hochautomatisiertes Fahren. „Die Profitabilität hängt maßgeblich vom autonomen Fahren ab. Der Endkundenpreis wird sich dadurch bis Ende des Jahrzehnts halbieren“, erklärte beispielsweise Moia-Chef Robert Henrich im Interview mit Next Mobility.

Die Studienautoren indes sehen es als wichtig an, dass die öffentliche Hand finanziell unterstützt und der bestehende ÖPNV die neuen Ridepooling-Angebote integriert. „Neuartige Mobilitätsformen können insbesondere bei deren Förderung über niedrigere Preise eine Konkurrenz zum klassischen ÖPNV darstellen“, heißt es als Fazit. Positive Effekte sind demnach zu erwarten, wenn Carsharing und Ridepooling in den existierenden ÖPNV integriert werden.

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