E-Bike Bosch Smart System im Test

Quelle: sp-x

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Das neue Smart System von Bosch führt die Anzeige- und Bedientechnik ein Stück weiter in die digitale und vernetzte E-Bike-Zukunft.

Eindrücke vom Bosch Smart System haben wir an einem „Multicharger GT Touring“ von Riese & Müller gesammelt.
Eindrücke vom Bosch Smart System haben wir an einem „Multicharger GT Touring“ von Riese & Müller gesammelt.
(Bild: sp-x / Mario Hommen )

Zum Modelljahr 2022 hat Bosch für seine E-Bike-Antriebe unter dem Begriff „Das smarte System“ neue Bedien-, Anzeige- und Konnektivitätslösungen eingeführt. Mittlerweile listet eine Online-Übersichtsseite des Zulieferers 140 Pedelec-Modelle, die mit der neuen Technik zu haben sind.

Darunter befindet sich das Cargo-Bike Multicharger GT Touring von Riese & Müller, mit dem wir im Alltag die vielen Möglichkeiten der neuen Bosch-Lösungen erleben konnten.

Modulares Anzeige- und Bediensystem

Das Anzeige- und Bediensystem ist modular aufgebaut. Unverzichtbar ist die Remote genannte Bedieneinheit am linken Lenkergriff, die neben sechs Tasten farblich variable LEDs integriert, die über Akkustand und Unterstützungsstufe informieren.

Wer es minimalistisch mag, kann mit der von SQ Lab erfreulich ergonomisch geformten Remote gut leben. Die Anzeigewelt lässt sich um eine solide Lenkerhalterung für das fein auflösende 2-Zoll-Farbdisplay Kiox 300 erweitern.

Während das klassische Kiox-Display Bluetooth-Modul und Batterie integriert, hat Bosch beim Smart System diese Elemente in die Remote ausgelagert.

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Fünf Anzeigemodi mit je zwei Ebenen

Das tastenlose sowie leichter und schlanker bauende Kiox 300 ist über Kontakte mit der Halterung verbunden, die wiederum mit einer einfach zu lösenden Steckverbindung mit der Remote und dem Rechenhirn des Bikes verdrahtet ist.

Mit dem Kiox 300 bietet das Multicharger einen gut ablesbaren Bordcomputer. Über die Tasten der Remote kann man zwischen fünf Anzeigemodi mit je zwei Ebenen wählen. So gibt es die typische Bosch-Schnecke mit Tacho- und Akkustand-Infos. Ein weiterer Screen zeigt die Restreichweiten abhängig von der Unterstützungsstufe an.

Außerdem gibt das System Auskunft über die vom Fahrer per Muskelkraft erzeugte Wattzahl und seine Trittfrequenz. Weitere Menüpunkte sind „Einstellungen“ sowie eine Anzeige zum Verbindungsstatus.

Zügige Installation

Letztere kommt ins Spiel, wenn man als Nutzer die sogenannte Flow App auf einem Smartphone installiert und sich mit dieser bei Bosch als Nutzer registriert hat. Das ist in wenigen Schritten erledigt, anschließend werden noch Fahrrad und Smartphone verbunden.

Fortan war das Multicharger online und verlangte in unserem Fall sogleich nach einem Software-Update. Hier zeigt sich einer der Vorteile vom smarten System: Gibt es Neuerungen oder Verbesserungen der Drive-Unit-Software, werden diese sogleich aufgespielt. Download und Installation des over-the-air-Updates dauerte wenige Minuten, anschließend war das E-Bike mit aufgefrischter Software startklar.

Smartphone fungiert als Kiox-Ersatz

Das Smartphone vernetzt nicht nur das Bike, es fungiert auch als Kiox-Ersatz, sofern man die von Bosch im April 2022 eingeführte Handy-Klemmhalterung auf die Lenkradhalterung setzt. Mit der rund 50 Euro teuren Zubehörlösung mutiert das Smartphone zur Touchscreen-Cockpitanzeige.

In unserem Fall kam ein Android-Gerät mit OLED-Display zum Einsatz, das eine richtig gute Figur als Kommandozentrale im Multicharger-Cockpit machte. Dank der in die Halterung integrierten Induktionsladetechnik wird das Handy kabellos mit Strom versorgt. Alternativ gibt es eine USB-Ladebuchse.

Die Grafik der App ist elegant und übersichtlich sowie einfach bedienbar – in begrenztem Umfang zusätzlich auch über die Remote-Tasten. Neben einem Bordcomputermodus, der neben fahrrelevanten Informationen auch Akkustand vom Handy und Uhrzeit anzeigt, bietet die App eine eigene Navigationssoftware. Im sogenannten Ride Screen kann man sich beides parallel anzeigen lassen.

Keine Ortung möglich

Wird das E-Bike abgestellt, speichert die Flow App den letzten Stand. Vor einem erneuten Fahrantritt kann der Nutzer somit den Akkustand sowie auf der Navigationskarte den letzten Standort einsehen. Eine Ortung des E-Bikes ist mit der Bosch-Lösung allerdings nicht möglich.

Das System greift auf die im Handy vorhandene GPS- und Vernetzungs-Hardware zurück, was Kosten spart. Bei Riese & Müller kann man für das Multicharger auch die Lösung RX Connect bestellen. Dann ist das Cargo Bike dank integriertem IoT-Chip stets mit dem Netz verbunden und somit trackable.

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Routenführung per App

Sind Smartphone und Bike verbunden, lässt sich in der Flow-App die Routenführung starten. Hierzu muss man ins Eingabefeld eine Zieladresse tippen und anschließend festgelegen, ob man eine Freizeit-, Pendler- oder E-MTB-Route fahren will.

Während ersterer tendenziell schönere Wege vorschlägt, wird für den täglichen Weg zur Arbeit die effiziente Strecke rausgesucht. Bei E-MTB werden unbefestigte Wege bevorzugt, die nach Möglichkeit außerdem Gefälle bieten. In jedem der drei Modi kann man sich vor Fahrtantrieb über den Anteil befestigter und unbefestigter Wege und der Höhenmeter informieren.

Kartenansicht und die Routenführung sind exakt, das System arbeitet schnell und kennt viele speziell für Radfahrer geeignete Wege. Hinweise zu Richtungsänderungen werden optisch eingeblendet, Sprachhinweise gibt es nicht.

Eine eigene Tour mit Online-Kartenmaterial am Computer planen und dann auf die Navigation der Flow-App übertragen, ist nicht möglich. Dafür lassen sich die von der Navigation aufgezeichneten und gespeicherten Routen auf der Outdoor-Navi-App Komoot und/oder dem sozialen Tracking-Netzwerk Strava hochladen.

Verschiedene Fahrmodi

Unser Multicharger mit Performance-Line-CX-Motor bietet die Fahrmodi Eco, Tour+, Sport+ und Turbo, bei denen sich Geschwindigkeit und Drehmoment sowie Unterstützungsgrad und Dynamik verändern lassen.

Wirklichen Bedarf hatten wir nicht, die Antriebsparameter zu verfeinern, denn mit diesen vordefinierten Fahrmodi ist bereits für den Alltag ausreichend Variabilität vorhanden. Wer noch ein paar Kilometer Reichweite rauskitzeln möchte, könnte zum Beispiel die Unterstützung im Eco-Modus verringern.

Smartphone als digitaler Schlüssel

Eine interessante Funktion der Flow App ist das E-Bike-Lock. Wird dieses kostenlose Feature einmal aktiviert, dient das Smartphone als digitaler Schlüssel. Beim Ausschalten des Pedelecs an der Remote wird fortan der E-Antrieb automatisch gesperrt.

Wird das Antriebssystem des E-Bikes aktiviert, müssen sich Smartphone und Remote zunächst noch verbinden, um den E-Bike-Antrieb freizuschalten. Es handelt sich um eine Art Keyless-go, das zusätzlichen Diebstahlschutz bietet, allerdings vom manuellen Anschließen des Pedelecs nicht entbindet.

Kein Pedelec mit Smart System unter 3.700 Euro

Einen Schatz wie das sehr angenehm zu fahrende und in der Basisversion bereits rund 5.000 Euro teure Multicharger weckt natürlich Begehrlichkeiten. Das E-Bike-Lock wird nicht reichen, Langfinger abzuschrecken.

Und das dürfte bei eigentlich allen Pedelecs mit dem neuen Smart System zutreffen, denn keines der rund 140 zu Beginn erwähnten Modelle mit dieser Technik ist unter 3.700 Euro zu haben, die meisten E-Bikes kosten sogar deutlich mehr.

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