Super-Maglev Ambitionierte Pläne in China: Transrapid mit bis zu 620 Stundenkilometern

Autor: Sven Prawitz

Seit zwanzig Jahren fährt der Transrapid in der chinesischen Metropole Schanghai. Nun soll die weiterentwickelte Technik drei Millionenstädte verbinden. Wie China das schnellste Fahrzeug der Erde plant und was das Ganze mit dem Emsland zu tun hat.

Der Transrapid, in China Maglev genannt, auf der Strecke in Schanghai.
Der Transrapid, in China Maglev genannt, auf der Strecke in Schanghai.
(Bild: Maglev / Max Talbot-Minkin / CC BY 2.0)

Vor 30 Jahren erreichte die Technik für die Magnetschwebebahn Transrapid die Serienreife. Vom einstigen High-Tech-Projekt ist in Deutschland nicht mehr viel geblieben, außer ein paar nostalgische Schmunzler über Edmund Stoibers emotionale Rede über eine mögliche Strecke zwischen dem Hauptbahnhof und dem Flughafen in München.

In der chinesischen Metropole Schanghai ist eine Strecke seit 18 Jahren in Betrieb: Wer vom Flughafen Pudong aus die 30 Kilometer Richtung Stadtmitte mit den Maglev (kurz für Magnetic Levitation) genannten Züge gefahren ist, dürfte sich zweimal gewundert haben. Während links die Reisenden am Eingang zur U-Bahn Schlange stehen, läuft niemand durch den großzügig dimensionierten Gang zur Magnetschwebebahn. Das zweite Stirnrunzeln gibt es an der Kasse: Fast 6 Euro für das Ticket ist für Schanghaier Verhältnisse happig. Ein Ticket für die U-Bahn kostet ein Zehntel.

Neues Projekt „Super-Maglev“

Das Projekt Maglev ist nach den Maßstäben einer freien Marktwirtschaft fehlgeschlagen. Aber das zählt in China nicht. Der Staatsapparat dort schreibt Pläne, die zumeist beharrlich verfolgt werden. Für die Magnetschwebebahn gibt es sogar neue, noch größere Ambitionen. Die Züge sollen Metropolregionen verbinden und damit eine Alternative zu Inlandsflügen und den Hochgeschwindigkeitszügen bilden.

Dafür haben chinesische Forscher nun den Prototypen eines neuen „Super-Maglev“ vorgestellt. Er soll eine Spitzengeschwindigkeit von 620 km/h erreichen. Damit wäre der Zug – der den chinesischen Medienberichten zufolge komplett in China entwickelt worden ist – das schnellste Fahrzeug der Erde.

Die neue chinesische Technik habe besonders im Vergleich zur japanischen und deutschen die Vorteile „leichten Gewichtes, einfacher Bauweise und niedriger Herstellungs- und Operationskosten“, schreibt das Fachmedium Maschinenmarkt.

Zwei Langstrecken geplant

Wie die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) berichtet, planen die Behörden in China zwei Strecken, die bis zum Jahr 2030 in Betrieb gehen sollen. Der neue Maglev soll Schanghai und Guangzhou (nördlich von Hongkong) verbinden. Laut NZZ würde sich die Fahrzeit gegenüber dem Hochgeschwindigkeitszug von knapp sieben auf 2,5 Stunden verringern.

Eine weitere Trasse sei zwischen Peking und Guangzhou (ca. 2.000 km) errichtet worden. Die Fahrzeit betrüge 3,5 Stunden (Hochgeschwindigkeitszug heute: 8 Stunden). Und die Baukosten? Laut Medienberichten sollen die je Kilometer um den Faktor 1,25 bis 1,5 höher sein, als für den Neubau einer Strecke für den Hochgeschwindigkeitszug sein.

Bahn statt Inlandsflug

Ganz unumstritten sind die aufgeständerten Betontrassen für den Maglev in China nicht. Maschinenmarkt berichtet von einer Herausforderung für die Politik. In Schanghai hatte es beim Bau vor 20 Jahren großen Unmut gegeben und die chinesische Staatssicherheit hatte damals hart arbeiten müssen, die Proteste zu unterdrücken.

China investiert massiv in sein Eisenbahnnetz und insbesondere in Schnellzugtrassen. 35.000 Schienenkilometer mit superschnellen „Bullet Trains“ sind in China bereits im Einsatz. Die Volksrepublik hat also mit Abstand das längste und modernste Eisenbahnnetz der Erde, und der Ausbau wird weiter energisch vorangetrieben.

Mit der derzeitigen Generation von Schnellzügen auf Schienen, die mit etwa 350 km/h fahren, pendeln Reisende in viereinhalb Stunden zwischen Peking und Schanghai. Mit dem Flugzeug ist man nicht schneller, wenn man die Fahrten zum und vom Flughafen dazurechnet. Die chinesischen Forscher hoffen nun, dass ihr Maglev ebenfalls eines Tages auf solchen Strecken zum Einsatz kommt.

Am selben Tag wie der neue Maglev wurde eine 165 Meter lange Teststrecke eingeweiht. Man wolle auf dieser bestimmte Designfragen bei der Aufhängung, dem Traktionssystem und den Bremsen lösen, sagen die Forscher der Universität Chengdu. Für Fahrtests reicht es nicht. Da kommt nun wieder Deutschland ins Spiel, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. Ein chinesischer Bahnkonzern hat sein Interesse an der Transrapid-Teststrecke im Emsland bekundet.

Teststrecke im Emsland gefragt

Es habe eine Anfrage gegeben, ob die Anlage grundsätzlich für die Zulassung eines in China entwickelten Magnetzuges zur Verfügung gestellt werden könne, sagt der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Intis, Ralf Effenberger: „Das kann grundsätzlich mit Ja beantwortet werden.“ Es handele sich um eine ernsthafte Anfrage. Offenbar sei es in China schwierig, eine solche Anlage wie in Lathen zu bauen. Zuerst hatte das Digital-Infoportal „Table.Media“ darüber berichtet.

Es könnten also bald wieder Magnetschwebahnen in Deutschland fahren. Nur diesmal kommt die Technik aus China. Vielleicht bekommt München doch noch seine Strecke zum Flughafen, nur führe dann dort kein Transrapid sondern ein Maglev.

Mit Material von dpa

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Über den Autor

 Sven Prawitz

Sven Prawitz

Fachredakteur, »Automobil Industrie« und Next Mobility