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Worauf Mobility Service Provider achten sollten

| Autor / Redakteur: Alexander Kirn* / Benjamin Kirchbeck

Was muss die Technik hinter einem Shared Mobility-Angebot leisten und wann sollten Mobility Service Provider auf eine Eigenentwicklung setzen oder aber auf externe Lösungen zurückzugreifen?

Shared Mobility ist eines der meistdiskutierten Mobilitätsthemen der Stunde. Damit Mobility Service Provider ihr Angebot erfolgreich in einem Markt ausrollen und skalieren können, stellt sich die Frage, mit welcher technologischen Lösung das Vorhaben umgesetzt werden soll.
Shared Mobility ist eines der meistdiskutierten Mobilitätsthemen der Stunde. Damit Mobility Service Provider ihr Angebot erfolgreich in einem Markt ausrollen und skalieren können, stellt sich die Frage, mit welcher technologischen Lösung das Vorhaben umgesetzt werden soll.
(Bild: Clipdealer)

Von der Telematik-Lösung in Fahrzeugen über die Analyse-Tools im Backend der Betreiber bis hin zur App auf den Smartphones der Nutzer existieren verschiedene Ebenen, die einen Mobility Service ausmachen. Hier stellt sich Anbietern von Shared Mobility-Diensten oder OEMs, die es noch werden wollen, die Frage: Welche Teile meiner Lösung sollten in-house entwickelt werden und für welche Teile ist es besser, externe Soft- oder Hardware zu nutzen, die von dem jeweiligen Anbieter betrieben und gewartet wird. Die Antwort auf diese Frage hängt stark davon ab, in welcher Phase sich ein Mobilitätsdienst befindet.

Für Mobility Services, die gerade in der Frühphase ihrer Umsetzung stecken, ist die Sache recht eindeutig: Es lohnt sich fast immer, mithilfe einer externen technologischen Lösung den Roll-out in Angriff zu nehmen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zunächst ist es für Anbieter eines Mobilitätsdienstes wichtig, ihr Angebot möglichst schnell auszurollen, um im hart umkämpften und agilen Shared Mobility-Markt bestehen zu können. Die Entwicklung einer eigenen Lösung ist sehr zeit- und kostenintensiv und bringt daher verschiedene, sonst vermeidbare Probleme mit sich.

(Bild: Invers)

So kann beispielsweise ein übereilter Roll-out zugunsten des schnellen Markteintritts zu einer Beeinträchtigungen in der User Experience führen. Dabei ist insbesondere bei neuen, innovativen Services, wie beispielsweise dem E-Scooter-Sharing, das initiale Nutzererlebnis integral wichtig, um den Dienst langfristig bei Kunden zu etablieren. Verspielen Mobility Operator das geweckte Interesse mit einer schlechten User Experience – beispielsweise weil der Registrierungsprozess oder das Aufschließen eines Fahrzeugs nicht richtig funktionieren –, leidet mittelfristig die Akzeptanz und langfristig die Profitabilität des Mobilitätsdienstes. Darüber hinaus wird häufig der Aufwand unterschätzt, die eingeführte Lösung zu warten und verfügbar zu betreiben und vor allem kontinuierlich an die neuen Markt- und Technologieanforderungen anzupassen. Dieser Aspekt fällt über die Zeit meist mehr ins Gewicht als die eigene Entwicklung.

Um dem entgegenzuwirken, ist es sinnvoll, den Service mithilfe einer verlässlichen, skalierbaren und flexiblen Technologie aufzusetzen. Mobility Service Provider müssen das Rad nicht neu erfinden, um ihren Mobilitätsdienst auf technologischer Seite abbilden zu können. Das Aufschließen eines Autos oder das Bezahlen einer Fahrt mit dem Elektroroller sind keine Differenzierungsmerkmale, die Kunden von einem Anbieter zum anderen wechseln lassen – solange der Prozess flüssig und zuverlässig funktioniert.

Ist dies gewährleistet, sollten sich Anbieter auf wertschöpfende Tätigkeiten konzentrieren, die ihr jeweiliges Alleinstellungsmerkmal herausarbeiten und so eine Abgrenzung zur Konkurrenz schaffen. An dieser Stelle entsteht für Mobility Service Provider der wirkliche Mehrwert, der ihr Angebot langfristig in die Profitabilität führen kann – nicht bei der „Brot und Butter”-Funktionalität ihres Services, von der sowieso erwartet wird, dass sie funktioniert.

Ist der Roll-out gemeistert und der Mobility Service auf der Straße, bietet sich Service Providern die Möglichkeit, den technischen Status quo zu evaluieren. Bestehen intern genug Entwickler-Kapazitäten, sodass eine Eigenentwicklung in Angriff genommen werden kann? Auch hier gilt es zu differenzieren – und zwar dahingehend, von welchem Teil der technologischen Lösung wir sprechen. In den allermeisten Fällen wird es sowohl für Mobility Service Provider als auch für OEMs, die einen Mobilitätsdienst anbieten, zu kostspielig sein, die Telematik, sprich die Hardware in ihren Fahrzeugen, die sie überhaupt erst teilbar macht, auf eigene Faust zu entwickeln.

Insbesondere wenn die Telematiklösung auch noch fahrzeugunabhängig funktionieren, also sowohl mehrere Modelle einer Fahrzeugklasse oder gemischte Fahrzeugklassen (Mixed Fleets) abdecken, soll, steigert sich der Aufwand einer Eigenentwicklung enorm. Gleichzeitig bietet es jedoch dem Betreiber die Möglichkeit, flexibel zu sein und auf neue Fahrzeugtrends – wie z.B. bei der Mikromobilität – schnell reagieren zu können und das ohne große Anpassungen der SW.

Auch beim Operator-Backend mit allen Analyse- und Flottenmanagement-Funktionen sowie der App auf den Handys der Nutzer kann es unter den richtigen Umständen nachhaltig günstiger sein, auf eine Software as a Service-Lösung zu setzen. Ein Argument das andererseits für eine Eigenproduktion der Software-Komponenten spricht, ist etwa die Differenzierung der eigenen Lösung, die, wie bereits beschrieben, integral wichtig für den langfristigen Erfolg des Angebots ist. Häufig spielen für OEMs auch strategische, konzernübergreifende Überlegungen eine Rolle, sodass anstatt auf Fremd- lieber auf Eigenproduktionen gesetzt wird.

Damit Mobilitätsdienstleister in jedem Fall auch in einem fortgeschrittenen Stadium ihres Services noch die Möglichkeit haben, die Teile ihres Angebots, die bisher durch eine externe Lösung abgebildet wurden, mit in-house entwickelter Software zu ersetzen, sollten sie von Anfang an auf eine flexible und modulare technologische Lösung setzen. So stellen sie sicher, dass auch zu einem späteren Zeitpunkt keine Lock-in-Effekte auftreten und ihr Angebot weiter skalieren kann.

Abschließend lässt sich festhalten, dass Mobilitätsdienstleister beim Aufsetzen ihrer Lösung in den allermeisten Fällen von den Funktionalitäten einer potenten technologischen Lösung “as a Service” profitieren. In späteren Stadien kann die Nutzung eines solchen Angebots immer noch kosteneffizient sein. Weiterführende Argumente, wie beispielsweise die weitere Differenzierung des Angebots oder eine übergreifende Konzernstrategie, können jedoch die Entwicklung einer eigenen In-house-Software rechtfertigen – solange personelle Kapazitäten und die nötige Expertise dafür bereitstehen.

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Über den Autor

Alexander Kirn ist CEO von Invers. In über 20 Jahren als Unternehmer kann er auf eine Erfolgshistorie in der Weiterentwicklung von wachstumsstarken Softwareunternehmen zurückblicken.

Nach dem Verkauf seines ersten Unternehmens, welches er im Alter von 14 Jahren gründete, fokussierte er sich als Investment Professional bei der Beteiligungsgesellschaft Summit Partners zunehmend auf den Ausbau von Tech-Unternehmen in Wachstumsmärkten.

2009 gründete er Fleet Technology, eine Holding-Gesellschaft, die technologiegetriebene Unternehmen in den Bereichen Mobility, Sharing Economy und IoT (Internet der Dinge) vereint. Seit 2012 ist er CEO von Invers und der LapID Service GmbH, die heute mehr als 140 bzw. 35 Mitarbeiter beschäftigen.

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