EnBW-Chef „Wir haben keinen Mangel an Ladesäulen“

Der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur wird zum Dauerthema. Vor allem der Automobilbranche geht es zu langsam voran. Der Energieversorger EnBW zählt zu den größten Ladesäulen-Betreibern in Deutschland. Warum dessen Chef Frank Mastiaux die Kritik der Autoindustrie für ungerechtfertigt hält.

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EnBW will bis 2025 an 2.500 Standorten Schnelllade-Möglichkeiten anbieten.
EnBW will bis 2025 an 2.500 Standorten Schnelllade-Möglichkeiten anbieten.
(Bild: EnBW)

Vor allem der Autobranche geht der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur zu langsam voran. Das Tempo müsse um das achtfache steigen, hieß es zuletzt etwa vom Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA). In jene Infrastruktur investiert der Energieversorger EnBW seit Jahren viel Geld. Pro Jahr sind es derzeit 100 Millionen Euro, erklärte EnBW-Chef Frank Mastiaux im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Die Prämisse des VDA teilt Mastiaux deshalb aber nicht. „Wir haben heute insgesamt keinen Mangel an Ladesäulen“, sagte er. Die frühere Faustregel, dass man für zehn E-Autos eine Ladesäule brauche, hält er für überholt. Denn heute habe man viel leistungsfähigere Schnellladesäulen. „Mit denen können Sie in fünf Minuten Strom für 100 Kilometer Fahrstrecke laden. Im Schnitt genügt deshalb inzwischen eine Ladesäule für 100 Autos, denn das Laden geht ungefähr zehnmal so schnell wie früher“, erläuterte der EnBW-Chef. In Deutschland kämen heute auf eine Ladesäule rund 85 E-Autos. „Das ist also in der richtigen Größenordnung. Insgesamt und im Durchschnitt sind wir nicht schlecht versorgt“, so Mastiaux weiter.

Den Ladesäulen-Ausbau müsse man deshalb nur soweit beschleunigen, dass er mit den Neuzulassungen bei den Fahrzeugen Schritt halte, meint der Manager. EnBW plane beispielsweise, sein Netz an Schnelllade-Parks von derzeit 700 auf 2.500 im Jahr 2025 auszubauen. Im Schnitt baue EnBW dafür aktuell jeden Tag einen neuen Ladepark.

„Wir brauchen nicht unbedingt an jeder Ecke eine Stromtankstelle“

Die Pläne der neuen Bundesregierung, dass bis 2030 in Deutschland eine Million öffentliche Ladesäulen in Betrieb sein sollen, betrachtet Mastiaux kritisch. Diese Zahl beruhe noch auf der veralteten Faustregel. „Wir brauchen nicht unbedingt an jeder Ecke eine Stromtankstelle. Aktuell gehen wir davon aus, dass 130.000 bis 150.000 Hochgeschwindigkeits-Ladepunkte für 15 Millionen E-Fahrzeuge reichen werden“, sagte der 57-Jährige. Generell hält er nichts davon, sich auf eine fixe Zahl festzulegen. „Besser wäre es, wenn wir etwa alle zwölf Monate überprüfen, wie sich die Technik, die Zahl der E-Autos und die Ladenutzung weiterentwickeln. Dann können wir gegebenenfalls den Plan anpassen.“

Bei zu starrer Förderung von Stromtankstellen drohen in den Augen des Managers ähnliche Probleme wie bei der Energiewende. Dabei habe der Staat „beispielsweise die Solartechnik zeitweise viel zu stark und zu lange gefördert, obwohl die Preise der Solarmodule vor allem aus China viel schneller fielen als erwartet.“ Um derartige Fehler bei der Ladeinfrastruktur für Elektroautos zu vermeiden, empfiehlt Mastiaux eine dynamische Förderung, die jederzeit angepasst werden könne. Würden zu viele Säulen errichtet, könnte das schnell unwirtschaftlich werden.

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