Ladebordstein Teurer Bordstein oder nützliche Infrastruktur?

Von Dipl.-Ing. (FH) Michael Richter 3 min Lesedauer

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Die Ladeinfrastruktur in Deutschland hat noch große Lücken. Es braucht nicht nur Ladeanschlüsse für hohe Leistungen, sondern auch für eine langsame Ladung über Nacht. Gerade wer in Städten wohnt und keinen festen Parkplatz hat, ist hier im Nachteil. Ladebordsteine sollen hier Abhilfe schaffen.

Rheinmetall wirde mit dem Red Dot Design Award 2025 für den Ladebordstein im Gesamtwettbewerb „Product Design“ in der Kategorie „Innovative Design“ prämiert.(Bild:  Rheinmetall)
Rheinmetall wirde mit dem Red Dot Design Award 2025 für den Ladebordstein im Gesamtwettbewerb „Product Design“ in der Kategorie „Innovative Design“ prämiert.
(Bild: Rheinmetall)

Der Ansatz setzt darauf, das Laden von Elektrofahrzeugen nicht ausschließlich über klassische freistehende Ladesäulen abzuwickeln, sondern die Ladeelektronik direkt in einen Straßenbordstein zu integrieren. So wird aus dem Bordstein am Straßenrand ein öffentlich zugänglicher Ladepunkt. Diese Lösung findet sich im „Ladebordstein“ wieder. In Wohnstraßen mit geparkten Fahrzeugen, ohne eigene Garage oder Stellplatz, könnte dieses Konzept eine echte Alternative bieten.

Technischer Aufbau und Besonderheiten

Der Ladebordstein liefert bis zu 22 kW Ladeleistung pro Ladepunkt und arbeitet mit einem Typ-2-Stecker sowie Anschlussfall B nach IEC 61851-1. Ein bedeutendes Merkmal ist der modulare Aufbau: Das Elektronikmodul lässt sich im eingebauten Zustand austauschen („CurbSwap“ genannt) und verkürzt damit Wartungs- bzw. Austauschzeiten erheblich. Die Vernetzung erfolgt über 4G-Modem und Ethernet, mit Rückmeldung an das Backend über OCPP 1.6.

Das Gehäuse ist ausgelegt für robuste Einsatzbedingungen (IP68-Schutz für das Modul) und enthält Sensorik für Wasserstand, Temperaturmanagement für Sommer und Winter. Also auch bei widrigen Umweltbedingungen funktionsfähig.

Pilotphase und erste Erfahrungen

Im Rahmen einer Pilotinstallation in der Stadt Köln wurden vier Ladebordsteine in zwei Standorten im Stadtteil Lindenthal installiert – Zeitraum etwa April 2024 bis März 2025. Die technische Verfügbarkeit lag bei über 99 %. In einer Nutzerbefragung zeigten sich die Betreiber und Nutzenden zufrieden mit der Integration und Funktion im Alltag. Das Konzept wurde als platzsparend, unauffällig und alltagstauglich beschrieben.

Designauszeichnung unterstreicht Bedeutung

Für das Produkt wurde im Juni 2025 im Rahmen des internationalen Wettbewerbs Red Dot Design Award die Auszeichnung „Innovative Design“ verliehen. Laut Jury überzeugte insbesondere die intelligente Nutzung vorhandener städtischer Infrastruktur sowie die hohe technische Verfügbarkeit und Skalierbarkeit. Die Preisverleihung fand im Juli 2025 im Aalto‑Theater Essen statt.

Chancen im städtischen Umfeld

Für Bewohnerinnen und Bewohner von Städten ohne eigenen Stellplatz eröffnet sich mit dem Bordstein­konzept eine realistische Möglichkeit, ihr Fahrzeug bequem über Nacht zu laden. Der Ladepunkt ist dort, wo das Auto ohnehin steht – am Fahrbahnrand. Weil keine große Ladesäule benötigt wird, wird die Nutzung des öffentlichen Straßenraums effizienter. Zudem sinkt der Aufwand für den Betreiber, wenn Installation und Wartung modular gestaltet sind.

Herausforderungen und offene Fragen

Trotz der überzeugenden Technik und Design­auszeichnung gibt es Aspekte, die weiter geklärt werden müssen. Beispielsweise ist die Auffindbarkeit der Ladepunkte über gängige Lade-Apps und die vollständige Eichrechtskonformität entscheidend.

Auch die Skalierung hin zu vielen Bordstein-Ladepunkten in verschiedenen Stadtquartieren ist bislang nicht umfassend dokumentiert. Zudem kann die Belegung eines Straßenparkplatzes mit Ladefunktion länger als ideal ausfallen. In der Pilotanwendung wurden durchschnittliche Belegungszeiten von über neun Stunden ausgewiesen.

Ausblick

Das Konzept des Ladebordsteins ist kein Ersatz für Schnelllader an Autobahnen oder Ladeparks, sondern eine sinnvolle Ergänzung im urbanen Umfeld – dort, wo das Auto über Nacht steht und keine eigene Lademöglichkeit besteht. Wenn Sichtbarkeit, App-Integration und Eichrechtskonformität in den Regelbetrieb überführt sind, kann diese Lösung eine wichtige Rolle im Ausbau der Ladeinfrastruktur spielen. Die Auszeichnung durch den Red Dot Design Award zeigt, dass hier nicht nur Technik, sondern auch Gestaltung und Integration überzeugen. (mr)

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