Mobilitätsmanagement Wie Siemens sich vom klassischen 3-Jahres-Dienstwagenmodell verabschiedet

Autor Christoph Seyerlein

Rund 1.500 führende Angestellte bei Siemens waren bislang immer für 36 Monate an ein und denselben Dienstwagen gebunden – ob sie wollten oder nicht. Jetzt geht der Konzern neue Wege.

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Siemens möchte sein Dienstwagenprogramm grüner gestalten.
Siemens möchte sein Dienstwagenprogramm grüner gestalten.
(Bild: Siemens)

Wer bei Siemens eine leitende Position inne hat, fährt automatisch Dienstwagen. Diese Regel war bis zuletzt beim Münchner Konzern gesetzt. Rund 1.500 Fahrzeuge umfasst allein diese Flotte. Ganz klassisch gab es alle drei Jahre ein neues Leasingfahrzeuge für die Manager. Doch bald geht Siemens neue Wege.

Das Unternehmen führt ab Januar 2022 ein neues Flottenmodell ein. Thorsten Eicke, Leiter des globalen Mobilitätsmanagements bei Siemens, sagt dazu: „Für eine klimaneutrale Zukunft sind vor allem zusätzliche innovative Lösungen für alternative Flottenkonzepte ein wichtiger Erfolgsfaktor.“ Statt drei Jahre an ein Auto gebunden zu sein, können die leitenden Angestellten künftig per App regelmäßig das Fahrzeug wechseln. Wenn sie gerade keinen Pkw brauchen, beispielsweise weil sie vermehrt von zuhause aus arbeiten, können sie den Vertrag auch pausieren lassen.

Bis 2030 sollen alle Siemens-Autos elektrisch sein

Gekoppelt ist jenes Angebot an eine Elektrifizierung des Fuhrparks: Reine Verbrenner stehen Siemens-Managern dabei nicht mehr zur Verfügung. Schon heute seien rund 50 Prozent der Flotte elektrifiziert, heißt es vom Konzern. 2030 will das Unternehmen im eigenen Geschäftsbetrieb komplett CO2-neutral agieren. Dann sollen alle Flottenfahrzeuge reine E-Autos sein. Und zwar nicht nur die der Manager, sondern auch der weltweite Service-Fuhrpark, der rund 45.000 Autos umfasst.

Um die gewünschte Flexibilität gewährleisten zu können, wird Siemens künftig ein- statt dreijährige Leasingverträge abschließen. Dabei arbeiten die Münchner mit Sixt zusammen. Binnen 48 Stunden sollen die Dienstwagenfahrer mithilfe des neuen Flottenmodells ihr Fahrzeug wechseln oder den Vertrag vorerst auf Eis legen können. Während einer Pause werden keine Leasinggebühren berechnet. Ansonsten sind die Kosten der Verträge an den CO2-Ausstoß des genutzten Autos gekoppelt.

Volkswagen achtet auf durchschnittliche CO2-Emissionen

Nach eigenen Angaben ist Siemens Deutschlands erster Großkonzern, der sein Dienstwagenmodell derartig verändert. Mit Volkswagen hatte ein anderes Dax-Unternehmen vor rund einem Jahr zumindest den CO2-Druck auf seine leitenden Angestellten erhöht.

Damals hatte Konzernchef Herbert Diess eingefordert, dass die Führungskräfte den eingeschlagenen Elektro-Kurs des Autobauers vorleben sollen. Entsprechend musste der Flottenausstoß der Dienstwagen auf Diess' Wunsch bis Jahresende von durchschnittlich 137 Gramm pro Kilometer auf weniger als 97 sinken. Zuletzt konnten VW-Manager intern allerdings keine reinen E-Autos mehr ordern, da die Nachfrage nach diesen das Angebot überstieg.

Noch kein Mobilitätsbudget

Noch einen Schritt weiter möchte Siemens mit seiner neuen Regelung vorerst nicht gehen: Die Frage, ob es auch möglich sei, statt eines Dienstwagens ein Mobilitätsbudget zu bekommen, verneinte der Konzern. Eine solche Lösung sieht freie Wahlmöglichkeiten für Mobilitätsangebote wie Tickets für öffentliche Verkehrsmittel, Carsharing, E-Scooter und Co. vor. Vom Dienstwagen an sich will sich Siemens bis auf Weiteres also noch nicht verabschieden.

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