Elektromobilität Warum vor allem Besserverdiener von den E-Auto-Fördermaßnahmen profitieren

Redakteur: Svenja Gelowicz

Kaufprämien für E-Autos haben den Absatz von Stromern enorm angeschoben. Doch der Staat lässt sich Elektroautos auch darüber hinaus einiges kosten – pro BEV können das laut einer Analyse mehr als 20.000 Euro sein. Das geht auf Kosten von Geringverdienern.

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(Bild: Volkswagen)

Mehr als 22 Prozent machen rein batterieelektrische Fahrzeuge sowie Plug-in-Hybride im ersten Halbjahr an den Pkw-Neuzulassungen aus. Verbraucher freuen sich vor allem über Kaufprämien. Autobauer bekommen Druck durch die strengen CO2-Grenzwerte in der EU. Doch neben diesen bekannten Treibern kommen weitere Effekte durch staatliche Regulierung während der Nutzung hinzu – welche das genau sind und welchen Anteil sie am Boom der Elektromobilität haben, hat die Deutsche Bank Research in einer Studie analysiert.

20.000 Euro Unterschied zwischen BEV und Verbrenner

Diese „fiskalen Effekte“ könnten demnach mehr als 20.000 Euro pro BEV betragen, beispielsweise in der gehobenen Mittelklasse. Sie resultierten aus Energie- beziehungsweise Mineralölsteuer im Vergleich zur Stromsteuer sowie aus Kfz-Steuer, CO2-Abgaben auf Benzin und Diesel und der Mehrwertsteuer. Bei Firmenwagen profitierten Unternehmen auch noch von weniger Steuern.

Dafür hat Deutsche Bank Research in verschiedenen Segmenten Modelle verglichen: Den VW Golf Life mit dem ID 3 Pure und den Audi E-Tron 50 Quattro mit dem Audi SQ5. Schaut man sich bei den beiden letztgenannten Modellen die Kosten an, fällt vor allem der Unterschied bei der Kfz-Steuer besonders groß aus: Während der SQ5 über zwölf Jahre 7.400 Euro Steuer koste, liege die Summe für den E-Tron nur bei 15 Prozent davon. Das liege vor allem daran, dass batterieelektrische Pkws bis 2030 von der Kfz-Steuer befreit sind. Damit koste der E-Tron insgesamt nur 184 Euro in dem Betrachtungszeitraum. Auch bei der Energie- und Stromsteuer begünstige der Staat den E-Tron maßgeblich: Während für den SQ5 hierfür etwa 6.850 Euro anfallen, betragen sie für das E-SUV lediglich 800 Euro.

Elektromobilität: Warum Geringverdiener Nachteile erfahren

Von den Fördermaßnahmen profitierten vor allem Besserverdiener. Das habe verschiedene Gründe. Personen mit einem höheren Einkommen nehmen laut der Studie die Fördermaßnahmen des Fiskus stärker in Anspruch als Personen mit niedrigeren Einkommen. Das liege auch daran, dass E-Autos häufig als Zweitwagen angeschafft würden oder als Firmenwagen dienten. Laut einer KfW-Auswertung war unter den Haushalten, die bereits ein Elektroauto besitzen oder dessen Anschaffung planen, der Anteil an Haushalten mit überdurchschnittlichem Einkommen dreimal so hoch wie der Anteil mit unterdurchschnittlichem Einkommen. Überproportional sei auch der Anteil an Haushalten, die in einem Ein- oder Zweifamilienhaus wohnen. Hierbei dürfte die Verfügbarkeit eines Stellplatzes und somit einer Lademöglichkeit eine Rolle spielen.

Allerdings, schreiben die Marktforscher der Deutschen Bank, unterstützen nicht nur alle Steuerzahler die Fördermaßnahmen für E-Autos sowie den Ausbau der Ladeinfrastruktur. Denn durch die sogenannte Treibhausgasminderungsquote schlagen Anbieter von fossilen Kraftstoffen bei den Preisen drauf, um damit Zertifikate von Ladesäulenbetreibern zu finanzieren, die sie dann auf ihre eigene Quote anrechnen. „Diese Kosten dürften Geringverdiener mit eigenem Auto – gemessen an ihrem Einkommen – überproportional zu tragen haben, denn bei ihnen fällt der Anteil der Kraftstoffkosten am gesamten verfügbaren Einkommen in der Regel höher aus als bei Haushalten mit hohem Einkommen“, heißt es in der Analyse. In manchen Fahrzeugsegmenten sind dank der Kaufprämien E-Autos bereits jetzt schon die kostengünstigere Analyse, heißt es weiter – trotz hoher Strompreise. Geringverdiener kauften zudem eher Gebrauchtwagen – für die es keinen Umweltbonus und bislang erst wenig Angebot gibt.

Fährt die Regierung die Subventionen künftig wieder herunter, könnte das nicht nur die generelle E-Auto-Nachfrage dämpfen. Vielmehr befürchten die Analysten, dass einkommensschwache Haushalte „quasi dafür bestraft werden, dass sie sich bislang noch kein förderfähiges Elektroauto leisten konnten“, heißt es in der Studie.

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