Als erste Meterspurbahn der Schweiz ist die Waldenburgerbahn teilautomatisch im Automatisierungsgrad 2 unterwegs. Damit macht sie einen großen Schritt in Richtung eines vollautomatisierten Betriebs. Die zugehörige Signaltechnik kommt von Stadler Signalling.
Im teilautomatischen Betrieb fahren seit einigen Wochen die Stadler-Tramlink-Züge auf der Waldenburgerbahn.
(Bild: BLT)
Seit Anfang 2026 fährt die im Schweizer Kanton Basel-Landschaft gelegene Waldenburgerbahn teilautomatisch nach dem Automatisierungsgrad 2 (Grade of Automation, GoA). Bereits im Dezember 2025 erteilte das Schweizer Bundesamt für Verkehr (BAV) der BLT Baselland Transport AG, zu der die Waldenburgerbahn gehört, die entsprechende Erlaubnis. Dafür installierten Stadler und die BLT ein kommunikationsbasiertes Zugsicherungssystem (Computer-Based Train Control-System, CBTC) in den Fahrzeugen und entlang der 13,1 Kilometer langen Strecke von Waldenburg nach Liestal. Die BLT ist damit das erste Schweizer Bahnunternehmen, das den Betrieb gemäß GoA2 aufgenommen hat.
Das Zugsicherungssystem entwickelte Stadler Signalling, die Signaltechniksparte von Stadler Rail, an ihrem Standort Wallisellen im Kanton Zürich unter dem Produktnamen „NOVA Pro“. Dieses ermöglicht den direkten Informationsaustausch zwischen den Stadtbahnwagen vom Typ Stadler Tramlink und der streckenseitigen Sicherungsanlage und erlaubt teil- und vollautomatisches Fahren in den Stufen GoA1 bis GoA4. Bei diesem System können Bahnbetreiber auf Streckensignale verzichten, da es die Signalstellungen unmittelbar in den Führerständen überträgt.
Personal bleibt weiter verantwortlich
Im jetzt gestarteten Betrieb nach GoA2 ist der Triebfahrzeugführer weiterhin für die Überwachung des Fahrgastwechsels und die Erteilung des Abfahrbefehls zur Weiterfahrt zur nächsten Haltestelle zuständig. Das System beschleunigt daraufhin selbsttätig, regelt die Fahrgeschwindigkeit auf der Strecke, bringt das Fahrzeug an der nächsten Station punktgenau zum Stehen und gibt anschließend die Türen frei. Während der Fahrt überwacht nach wie vor der Triebfahrzeugführer oder die Triebfahrzeugführerin den Gleisbereich auf Hindernisse oder Personen und bremst den Zug notfalls bis zum Stillstand ab. Zudem ergreift er in einer Notfallsituation die notwendigen Maßnahmen zur Behebung.
Der Einsatz von GoA2 führt laut BLT zu einer hohen Fahrplanpünktlichkeit und reduziert verspätete oder verfrühte Züge. Die Automatik fährt selbst bei eventuellen Fahrplanabweichungen sehr energieeffizient. Zukünftig kann das System auch kundenorientiert Anschlüsse berücksichtigen und bei Verspätungen Zugkreuzungen selbsttätig verlegen.
Der Betreiber ist zufrieden
In einem ersten Fazit bestätigt die Baselland Transport AG dem System eine gleichmäßige Beschleunigung und Verzögerung und präzise Halte am gewünschten Haltepunkt. Die Fahrgäste würden keinen wesentlichen Unterschied im Fahrkomfort bemerken. Beim Fahrpersonal sei die Akzeptanz des GoA2-Fahrens groß, weil sie besonders im Haltestellenbereich durch das System stärker unterstützt würden. „Der teilautomatisierte Betrieb der Waldenburgerbahn bestätigt einmal mehr den Pionier- und Innovationsgeist in diesem Tal. Wir sind stolz darauf, dass die BLT dazu beitragen kann,“ betont BLT-CEO Frédéric Monard erfreut und ergänzt: „Jetzt geht es darum, konsequent weiterzumachen. Der vollautonome Betrieb ab 2030 ist unser Ziel, das wir gemeinsam mit Stadler Signalling Schritt für Schritt realisieren.“ Damit umreißt er zugleich die kommenden Meilensteine für die Waldenburgerbahn: Ab Ende des Jahres sollen im neu gebauten Depot in Waldenburg die Fahrzeuge vollautomatisch und personallos nach Stufe GoA4 (Unattended Train Operation, UTO) rangieren. Bei dieser Stufe erfolgt die Überwachung aus der Leitstelle. Und ab 2030 plant die BLT, dass die Waldenburgerbahn auch im Fahrgastbetrieb nach GoA4 unterwegs sein wird. (se)
Stand: 08.12.2025
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