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Tier: Kurs Richtung E-Scooter-Einhorn

Autor: Christoph Seyerlein

Die Corona-Krise hat den E-Scooter-Markt hart getroffen. Jetzt überrascht der Anbieter Tier mit einer 250-Millionen-Dollar-Spritze von Investoren. Was die Berliner mit dem Geld vorhaben.

Tier ist aktuell mit rund 60.000 E-Scootern in mehr als 80 Städten aktiv.
Tier ist aktuell mit rund 60.000 E-Scootern in mehr als 80 Städten aktiv.
(Bild: Tier)

Nach dem Turbo-Auftakt im Sommer 2019 hierzulande ist es um E-Scooter in Deutschland im Zuge der Corona-Pandemie ziemlich ruhig geworden. Kaum einer nutzte sie zu Zeiten des Lockdowns. Eine Konsolidierung des Marktes, in dem zahlreiche Anbieter versuchten Fuß zu fassen, ist unumgänglich. Auch der anstehende Winter und neuerliche Corona-Einschränkungen dürften den Unternehmen kaum in die Karten spielen.

Mitten in diese Phase hinein platzte nun aber eine überraschende Nachricht. Das Berliner Startup Tier hat trotz der Krise in einer neuen Finanzierungsrunde 250 Millionen Dollar eingesammelt. Hauptinvestor ist der japanische Kapitalriese Softbank, der unter anderem auch zu den großen Geldgebern des Autohandels-Startups Auto 1 zählt.

Tier nähert sich damit dem Status eines „Einhorns“, also eines Startups mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarde Dollar, an. Vor der Finanzierungsrunde lag die Bewertung des Unternehmens zwischen 650 und 700 Millionen Dollar. Anders als mancher Konkurrent wollen die Berliner eine eigene Mobilitätsplattform aufbauen. Wettbewerber Voi setzt dabei beispielsweise auf eine Partnerschaft mit dem BMW-Daimler-Angebot Freenow, US-Anbieter Lime ist bei Uber eingebunden.

Schluckt Tier andere E-Scooter-Anbieter?

Softbank-Topmanager Yanni Pipilis begründete den Einstieg bei Tier folgendermaßen: „Mikro-Mobilität füllt eine große Lücke, die die klassische Nutzung von Autos in Städten offen lässt.“ Tier habe bereits bewiesen, Partnerschaften mit Städten und Behörden etablieren zu können und verfolge außerdem einen technologisch geprägten Ansatz.

Offenbar schätzen die Investoren, dass die Berliner in der Lage sein könnten, von der Konsolidierung des Marktes zu profitieren und Wettbewerber zu übernehmen. Tier selbst rechnet perspektivisch mit drei Anbietern hierzulande. Übernahmen plane man bislang allerdings nicht, sagte Gründer Lawrence Leuschner dem „Handelsblatt“.

Deutlich niedrigere Betriebskosten dank Wechselakkus

Mit dem frisch eingesammelten Geld will das Startup zunächst das bestehende Angebot verbessern und expandieren. Aktuell ist Tier in mehr als 80 Städten in zehn Ländern aktiv. Die eigene Flotte umfasst rund 60.000 E-Scooter. Die nächsten Märkte, die das Unternehmen ins Auge gefasst hat, sind der Nahe Osten und die USA.

Zudem arbeitet Tier am Aufbau eines Ladenetzes für E-Scooter-Batterien. Anders als andere Anbieter setzen die Berliner auf Wechselakkus. Kunden können so leere Batterien durch geladene tauschen, ohne den Roller für das Laden länger abstellen zu müssen. Seit Tier diesen Ansatz verfolge, habe man die Betriebskosten um 50 Prozent senken können, hieß es vom Unternehmen.

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Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«