Schwerlastverkehr So will Daimler Trucks den Spagat aus Elektro- und Wasserstoff-Mobilität hinbekommen

Autor: Christoph Seyerlein

Den Aufbau einer Elektro- und einer Wasserstoffflotte hält mancher Automotive-Konzern für unrealistisch. Anders sieht das Daimler Trucks. Am Donnerstag konkretisierte der Lkw-Hersteller seine Zukunftspläne.

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Der Mercedes E-Actros Longhaul soll 2024 in Serie gehen.
Der Mercedes E-Actros Longhaul soll 2024 in Serie gehen.
(Bild: Daimler Truck AG)

Im Pkw-Umfeld geben nur sehr wenige Hersteller der Wasserstofftechnologie eine Chance. Anders sieht es im Lkw-Geschäft aus. Zwar sind auch dort Batterie-Lösungen aktuell stark gefragt, doch auch die H2-Technologie steht zumindest etwas höher im Kurs als im Auto-Sektor.

Auf Truck-Hersteller kommt damit eine große Herausforderung zu. Wenn sie sich nicht voll für eine Option entscheiden, müssen sie parallel zueinander zwei neue Technologien aufbauen. Anders als etwa die Konkurrenz von Traton, die voll auf Elektro setzen, hat Daimler Trucks hat genau das vor.

Neue und erweiterte E-Partnerschaften

Am Donnerstag hatte der Konzern gleich mehrere Ankündigungen parat, wie das gelingen soll. Um bei der Entwicklung von Elektro-Lkws voranzukommen, weiten die Schwaben ihre Partnerschaft mit dem chinesischen Batteriezellen-Lieferanten CATL aus. Letztere sollen die Akkus für den Mercedes E-Actros Longhaul liefern, der 2024 starten soll. Seine Reichweite soll bei rund 500 Kilometern pro Batterieladung liefern.

Schon früher, ab 2022, will Daimler zudem mit anderen E-Lkws in Serie gehen. Der Produktionsstart für den Standard-E-Actros soll noch in der zweiten Jahreshälfte 2021 fallen. Zudem testet der Konzern die Freightliner EM2 und E-Cascadia aktuell in den USA. Beide will der Hersteller ab 2022 bauen. Bereits auf der Straße gibt es gut 200 Fuso E-Canter.

Interessierte Flottenkunden will die Konzern-Tochter Mercedes-Benz Trucks künftig auch stärker zur Elektromobilität und Infrastruktur beraten. Gemeinsam mit Siemens Smart Infrastructure, Engie und der EV-Box Group soll ein Ökosystem entstehen. Andreas von Wallfeld, Leiter Marketing, Vertrieb und Services bei Mercedes-Benz Trucks, sagt: . „Wir wollen unsere Kunden eventuell bestehende Bedenken in diesem Punkt nehmen und verbinden damit zugleich die Zusicherung, sie mit unserem Full-Service-Angebot auf allen Ebenen in die elektrische Zukunft zu begleiten.“ Beispielsweise arbeitet Mercedes an der Erstellung von realistischen Nutzungs- und Ladeprofilen für Kunden.

Bei Wasserstoff kooperiert Daimler mit Shell

Wie erwähnt wollen die Schwaben aber auch die Brennstoffzelle nicht außer Acht lassen. Dabei ist vor allem die Tankinfrastruktur noch deutlich spärlicher ausgebaut als die für rein batteriebetriebene Fahrzeuge. Das will Daimler gemeinsam mit Shell ändern. Als erstes Projekt hat sich Shell vorgenommen, bis 2024 ein H2-Tankstellennetz zwischen Rotterdam, Köln und Hamburg hochzuziehen.

Daimler wiederum will 2025 seinen ersten Brennstoffzellen-Lkw auf den Markt bringen. Gemeinsam rechnen die Partner im Jahr 2030 mit 150 Tankstellen und rund 5.000 Wasserstoff-Lkws von Mercedes auf der Straße. Beide Unternehmen hoffen darauf, dass sich auch andere Marktteilnehmer der Kooperation anschließen. Ben van Beurden, Chef der Shell-Dachgesellschaft Royal Dutch Shell, sagte: „Um Brennstoffzellen-Lkw zum Durchbruch zu verhelfen beabsichtigen wir gemeinsam mit Daimler Truck ein entsprechendes regulatives Umfeld zu fördern. Wir laden dabei andere interessierte Hersteller und Partner aus der Industrie ein, sich uns anzuschließen.“

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Entwicklungsredakteur