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ÖWF stellt Raumanzug für Mars-Simulation vor

| Autor / Redakteur: mit Material von dpa / Julia Schmidt

Das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) hat in Wien einen neuen Raumanzug vorgestellt, mit dem eine bemannte Marsmission simuliert werden soll.

Das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) hat in Wien einen neuen Raumanzug für zukünftige Marsmissionen vorgestellt. Hier eine Designstudie des Helms für das Serienmodell.
Das Österreichische Weltraum Forum (ÖWF) hat in Wien einen neuen Raumanzug für zukünftige Marsmissionen vorgestellt. Hier eine Designstudie des Helms für das Serienmodell.
(Bild: ÖWF/ Bernhard Kaliauer)

In die Entwicklung und Fertigung des neuen Marsanzug-Prototypen fließen die Erfahrungen aus allen 12 Mars-Missions-Simulationen des ÖWFs ein. Zu einer der größten Neuerungen gehört der sogenannte „Suitport“. Die ÖWF-Analog-Astronauten werden den Raumanzug-Simulator nicht wie bisher in einem mehrstufigen Verfahren in einzelnen Teilen anziehen, sondern vielmehr durch den Rücken in den Anzug einsteigen können. Dabei wird der Rückeneinstieg so konzipiert, dass er an der Außenschleuse des Simulations-Habitats des Raumanzuglabors der Universität von North Dakota, USA andocken kann.

„Unser Simulator ist weltweit einer der am besten entwickelten Anzüge und auch bei der Nasa auf große Resonanz gestoßen“, erklärte der administrative ÖWF-Direktor Gernot Grömer am Mittwoch in Wien. Mit der neuen Technologie können Astronauten von der Rückseite aus in den Anzug einsteigen, statt wie bisher die Teile einzeln anlegen zu müssen.

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Die Einstiegszeit verringert sich dadurch laut Grömer um die Hälfte – auf ungefähr eine Stunde. „Statt zwei bis drei Stunden werden wir in Zukunft nur noch eine bis eineinhalb Stunden in der Missionsplanung vorsehen. Die gewonnene Zeit kann für Experimente verwendet werden, die wir während der Mars-Missions-Simulationen durchführen“, sagt Grömer. „Auf dem Roten Planeten hat ein Marsanzug, den die AstronautInnen außen am Habitat andocken, um durch eine Schleuse hineinzuschlüpfen, noch weitere Vorteile: Der Marssand wird nicht in das Habitat hineingetragen, mögliche Mikroorganismen, die im Habitat an dem Marsanzug haften bleiben könnten, z.B. durch das Angreifen beim Anziehen, werden nicht hinaus auf den Mars getragen. Kontamination wird bestmöglich minimiert. Durch ein entsprechendes Design unseres Anzugs sind unsere Mars-Analog-Missionen wieder ein Stückchen näher an der astronautischen Erforschung des Roten Planeten.“

Zudem seien die Simulationsanzüge, deren Materialkosten bei rund 20 000 Euro pro Stück lägen, leichter als herkömmliche Modelle und hätten einen besseren Tragekomfort. „Forscher aus Österreich und Europa leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Erforschung des Roten Planeten“, sagte Grömer.

Mindestens zwei dieser Marsanzug-Prototypen, die das ÖWF in Kooperation mit Forschungseinrichtungen und Unternehmen entwickelt hat, sollen bis Ende Sommer 2019 fertiggestellt werden. Zum Einsatz kommen sie erstmals 2020 bei einer simulierten Marsmission mit sogenannten Analog-Astronauten. Dabei trainiert das ÖWF regelmäßig Einsätze in marsähnlichen Gebieten, beispielsweise in Wüsten in Oman oder Marokko.

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