Bahntechnik Der neue Railjet ist ein Doppeldecker

Von Dipl.-Ing.(FH) Richard Oed 3 min Lesedauer

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Für eine höhere Fahrgastkapazität auf der Westbahn beschaffen die ÖBB derzeit 14 neue KISS-200-Triebwagen bei Stadler. Hersteller und Betreiber stellten jetzt den ersten Triebzug der doppelstöckigen Railjet-Generation der Öffentlichkeit vor.

Ab Ende 2026 auf der Weststrecke in Österreich unterwegs: Die neuen doppelstöckigen Railjet der ÖBB. (Bild:  Marek Knopp)
Ab Ende 2026 auf der Weststrecke in Österreich unterwegs: Die neuen doppelstöckigen Railjet der ÖBB.
(Bild: Marek Knopp)

Bis 2030 wollen die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) rund 6,1 Milliarden Euro in ihre Flotte investieren, dazu kommen 19,7 Milliarden Euro für den Ausbau des Bahnnetzes. Diese Zahlen nannte Peter Hanke, der österreichische Minister für Innovation, Mobilität und Infrastruktur, anlässlich der Vorstellung des neuen Railjet in Wien.

Am 6. Juni 2023 gaben die ÖBB den Abruf von 14 Fernverkehrstriebzügen des Typs KISS 200 aus dem im Februar 2022 mit dem Schweizer Rollmaterialhersteller Stadler geschlossenen Rahmenvertrag über 186 Doppelstockzüge bekannt. Am 25. Juni 2025 präsentierten beide Unternehmen dann am Wiener Hauptbahnhof den ersten Triebzug. Der neue, doppelstöckige Railjet besteht aus sechs Wagen, zwei End- und vier Mittelwagen. Die Endwagen verfügen jeweils über eine Ruhezone, in den vier Mittelwagen finden die Reisenden Catering-Zonen mit Automaten für Snacks und Getränke sowie spezielle Familienabteile und Bereiche mit Platz für zehn Fahrräder vor. Die klimatisierten Fahrzeuge sind mit WLAN, Steckdosen mit USB-Anschlüssen und Monitoren für die Echtzeit-Reisendeninformation ausgestattet und besitzen Gepäckablagen mit einer Near-Field-Communication-Sicherung (NFC-Sicherung) der Gepäckstücke.

Gepäckstücke lassen sich im neuen Railjet mit NFC-gesicherten Stahlseilen schützen.(Bild:  Marek Knopp)
Gepäckstücke lassen sich im neuen Railjet mit NFC-gesicherten Stahlseilen schützen.
(Bild: Marek Knopp)

Niederflureinstieg ermöglicht schnelles Ein- und Aussteigen

Die circa 160 m langen und 200 km/h schnellen und beschleunigungsstarken Züge bieten insgesamt 486 Sitzplätze. Das bedeutet im Vergleich zu den bestehenden lokbespannten und 230 km/h schnellen Railjets von Siemens eine Kapazitätssteigerung von 20 Prozent. Die breiten Türen sind barrierefrei und ermöglichen einen raschen Fahrgastwechsel. Sie führen in niederflurige Eingangsbereiche, die das Reisen für Reisende mit eingeschränkter Mobilität, schwerem Gepäck oder Kinderwagen erleichtern. Dazu verfügen die Züge über zwei eigene Rollstuhlplätze mit höhenverstellbaren Seitenwandtischen im Mittelwagen. Eines der insgesamt acht WCs ist barrierefrei ausgeführt. „Die neuen Doppelstock-Railjets werden eines der Highlights sein und mehr Kapazität sowie ein komfortables Fahrerlebnis für die Fahrgäste im Fernverkehr bieten," so Bundesminister Hanke. Und Andreas Matthä, CEO der ÖBB, ergänzt: „Als ÖBB haben wir bereits seit vielen Jahren Doppelstockzüge im Nahverkehr im Einsatz und setzen mit dem neuen doppelstöckigen Fernverkehrszug einen weiteren Meilenstein im modernen Schienenverkehr.“

Zusätzliche Kapazitäten für die West- und Südbahn

Die ÖBB planen, die KISS 200 ab Ende 2026 auf der Westbahn zwischen Wien und Salzburg einzusetzen, um dort die Fahrgastkapazität zu erhöhen. Nach der Fertigstellung des 27 Kilometer langen Semmering-Basistunnels, die für 2030 vorgesehen ist, beabsichtigen die ÖBB zusätzlich einen Einsatz auf der Südstrecke Wien – Graz / Klagenfurt.

Auch die 2. Klasse ist mit bequemen Sitzen ausgestattet.(Bild:  Marek Knopp)
Auch die 2. Klasse ist mit bequemen Sitzen ausgestattet.
(Bild: Marek Knopp)

Ergänzend zu den Doppelstockzügen für den Fernverkehr bekommen die ÖBB von Stadler auch Züge der als KISS 160 bezeichneten Variante für den Regionalverkehr, die die ÖBB unter der Marke „Cityjet“ betreiben. Außerdem sind Doppelstockwagen und -Züge anderer Hersteller bereits auf österreichischen Schienen unterwegs. Der KISS 160 ist schon seit Längerem in mehreren Ländern Europas im Einsatz, so auch in Deutschland, beispielsweise bei der ODEG und bei DB Regio. Von der Fernverkehrsvariante KISS 200 setzt derzeit die österreichische Gesellschaft Westbahn 15 Fahrzeuge ein, die damit auch nach München und Stuttgart kommen.

DB-Intercitys werden übernommen

Eine Besonderheit stellten die 17 KISS 200 der Deutschen Bahn (DB) dar. Diese hatte die DB ab 2019 als temporäre Lösung für den IC-Verkehr auf den Strecken Dresden – Berlin – Rostock (9 vierteilige Garnituren) und Stuttgart – Zürich (8 sechsteilige Züge) von der Westbahn gekauft. Diese trennte sich damals von ihren Fahrzeugen der ersten und zweiten Serie. Bereits im Mai 2025 verkaufte die DB die Triebzüge an die ÖBB weiter. Diese planen, die Sechsteiler ab Herbst 2025 im Fernverkehr auf Railjet-Strecken mit häufigen Halten einzusetzen, bis alle neuen von den ÖBB bestellten Railjet-Züge ausgeliefert sind. Die Vierteiler folgen ein Jahr später. (se)

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