Neuzulassungen Vorzieheffekte wegen der Umweltprämie retten den Privatmarkt

Von Andreas Grimm

Noch stellen die Privatkunden die größte Abnehmergruppe für Neuwagen. Doch zuletzt waren die Statistiken durch vorgezogene Auslieferungen verzerrt. Dass Privat- und Gewerbemarkt inzwischen mindestens gleichwertig sind, zeigt eine Analyse der Marktforschung Dataforce.

Fahrzeuge für den Flottenmarkt werden für den Handel immer bedeutsamer.
Fahrzeuge für den Flottenmarkt werden für den Handel immer bedeutsamer.
(Bild: Scherer-Gruppe)

Das durch vorgezogene Elektroautokäufe verzerrte Neuzulassungsbild im Dezember schlägt sich an verschiedenen Stellen nieder. Auffällig ist neben dem geringen Verbrenneranteil von nur noch 44,2 Prozent vor allem, dass der Anteil der echten gewerblichen Zulassungen immer näher an das Volumen des Privatmarkts heranrückt. Hatte der Vorsprung der Privatzulassungen im November 2.600 Einheiten betragen, waren es im Dezember nur noch 1.400 Einheiten – bei jeweils deutlich gewachsenem Volumen.

Konkret registrierte das Kraftfahrt-Bundesamt im Dezember 107.888 Neuzulassungen durch Firmen und Gewerbetreibende. Das war im Vergleich zum Vorjahresmonat eine Steigerung um 50,7 Prozent, wie aus einer Auswertung der Marktforschung Dataforce hervorgeht. Der Privatmarkt legte dagegen nur um 32,8 Prozent auf 109.253 Einheiten zu. Damit entwickelte sich das Privatkundengeschäft einmal mehr schlechter als der Gesamtmarkt, der im Dezember 38,1 Prozent zulegte.

Beeinflusst hat die positive Allgemeinentwicklung laut Dataforce vor allem die Umstellung der Umweltprämie zum Jahreswechsel, sprich ein spürbarer Vorzieheffekt. Um die volle Förderung für BEV- und PHEV-Modelle zu bekommen, wurden diese Autos noch im Jahr 2022 ausgeliefert und zugelassen. Rund 41.000 Neuwagen seien dadurch noch in der Dezember-Statistik aufgetaucht, schätzen die Dataforce-Marktbeobachter. Davon hätten 14.500 Einheiten die Flottenzulassungen gepusht und sogar 19.000 den Privatmarkt. Deshalb war der Privatmarkt im Dezember nur wegen der Vorzieheffekte noch bedeutsamer als der Flottenmarkt.

Ablesbar ist der Vorzieheffekt an den Rekordwerten der Marktanteile von BEV und PHEV, die 33,2 Prozent beziehungsweise 22,2 Prozent erreichten. Im Privatmarkt war der Anteil von BEVs mit 44,3 Prozent besonders hoch, während PHEVs ein wenig schwächelten (16,2 Prozent). Ausgeglichener war die Entwicklung im Flottenmarkt, wo die Plug-in-Hybride mit 26,0 Prozent einen ähnlich hohen Anteil erreichten wie die vollelektrischen Modelle (30,4 %).

Langfristiger Rückgang des Privatkundengeschäfts

Aus Sicht von Dataforce verdecken die „durch Vorzieheffekte aufgeblähten Zulassungszahlen“ auch im Dezember den eigentlich schwächelnden Privatmarkt, der sich auch im langfristigen Vergleich deutlich schwächer entwickelt als der Flottenmarkt. Besonders deutlich wird die schwindende Bedeutung des Privatkundenmarkts beim Blick auf die Gesamtjahreszahlen. Demnach liegen die Privatzulassungen des Jahres 2022 um 22 Prozent hinter dem durchschnittlichen Ergebnis der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019 zurück. Der Gewerbemarkt habe in dieser Langfrist-Betrachtung sogar um 1 Prozent zugelegt, heißt es in der Dataforce-Auswertung.

Im Gesamtjahr 2022 ist das Privatkundengeschäft, sicher auch dank der beginnenden Abarbeitung des Auftragsbestands in der ersten Jahreshälfte, noch der wichtigste Absatzkanal geblieben. 961.000 Privatzulassungen (+4,9 % zum Vorjahr) stehen 868.000 Gewerbezulassungen gegenüber (+10,5 %). Deutlich rückläufig sind im Gesamtjahr dagegen die Eigenzulassungen geblieben. Die Hersteller ließen 172.000 Einheiten selbst zu (-10,7 %), die Händler schraubten mit 398.000 Neuwagen ihre Aktivitäten noch deutlicher zurück (-14,7 %).

Fast schon überraschend ist der nur kleine Rückgang bei den Autovermietern (-3,3 %). Sie wurden in der zweiten Jahreshälfte wieder deutlich besser mit Neuwagen beliefert. Mit 261.000 Neuwagen dürfte wohl der Tiefpunkt erreicht sein.

Gesamtbilanz des Transportermarkts ist tief im Minus

Die leichten Nutzfahrzeuge und Pkw-Utilities konnten im Dezember genauso wie der Pkw-Markt zulegen. Dabei bedeuteten 41.428 Neuzulassungen ein Plus von 20,4 Prozent gegenüber Dezember 2021. Im Gegensatz zum Pkw-Markt gelang es bei den Transportern allerdings nicht, das Jahr positiv abzuschließen. Kumuliert ergab sich für 2022 ein Minus von 9,1 Prozent, an dem alle Absatzkanäle ihren Anteil haben. Den stärksten zahlenmäßigen Rückgang weist die Dataforce-Analyse allerdings für das Privatkundengschäft aus.

Schwach blieb der Privatmarkt auch im Dezember mit einem Minus von 5 Prozent, während die Neuzulassungen der leichten Nutzfahrzeuge und Utilities insgesamt um 20 Prozent zulegten. Getragen wurde das Wachstum vor allem von den Firmen- und Gewerbekunden, die 30,8 Prozent mehr Neufahrzeuge zuließen als im Dezember 2021. Daneben weitete auch der Fahrzeughandel seine Zulassungstätigkeit aus (+33,9 %), während die Hersteller (-1,2 %) und die Vermieter (-4,0 %) leicht rückläufig waren.

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