Tüv Mobility Studie 2026 E-Mobilität und ÖPNV: Das wollen die Deutschen

Von Thomas Günnel 4 min Lesedauer

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Elektroautos setzen sich durch, der ÖPNV soll stärker werden – und zu Autos in der Stadt gibt es gemischte Meinungen. Der Tüv hat seine aktuelle Mobilitätsstudie vorgestellt. 

Elektroautos sind einer Umfrage zufolge vor dem Durchbruch.(Bild:  Volkswagen)
Elektroautos sind einer Umfrage zufolge vor dem Durchbruch.
(Bild: Volkswagen)

Jeder vierte Bundesbürger würde bei einem Autokauf ein reines Elektroauto bevorzugen, ebenfalls 25 Prozent ein Hybridfahrzeug und vier Prozent einen Pkw mit Wasserstoffantrieb. Nur 35 Prozent würden einen Verbrenner vorziehen, elf Prozent sind unentschlossen oder würden gar kein Auto kaufen wollen. Das hat der Tüv in der „TÜV Mobility Studie 2026“ zusammengefasst.

Demnach käme es auch für 23 Prozent derjenigen in Frage, ein reines Elektroauto zu kaufen, die eigentlich einen Verbrenner oder Hybrid bevorzugen. „Die Elektromobilität steht vor dem Durchbruch“, beschreibt Joachim Bühler, Geschäftsführer des Tüv-Verbands, die Ergebnisse. „Ein breites Angebot an E-Autos, neue staatliche Förderungen und nicht zuletzt die hohen Spritpreise haben viele Autokäufer zum Umdenken bewegt. Elektrofahrzeuge sind auf dem Weg zum Mainstream.“

Zulassungszahlen von E-Autos steigen deutlich

Aktuelle Zulassungszahlen des KBA geben Bühler Recht: Im ersten Halbjahr 2026 waren 26 Prozent der Pkw-Neuzulassungen reine E-Autos, elf Prozent Plug-in-Hybride und 29 Prozent sonstige Hybride. Benzin- und Diesel-Pkw kommen nur noch auf 34 Prozent Marktanteil. Gleichzeitig zieht der Markt für elektrische Gebrauchtwagen kräftig an.

Laut der Umfrage gibt es aber weiterhin Vorbehalte gegenüber batterieelektrischen Fahrzeugen. An der Spitze stehen nach wie vor die hohen Anschaffungskosten von E-Autos, die 57 Prozent der Befragten nennen, gefolgt von einer zu geringen Reichweite mit 52 Prozent und zu wenigen Ladestationen mit 50 Prozent. Letzteres beklagen demnach überdurchschnittlich viele Bewohnerinnen und Bewohner von Großstädten, 58 Prozent. Herausforderungen im Alltag sind für Besitzer von E-Autos unter anderem die deutlich geringeren Reichweiten im Winter, 61 Prozent, intransparente Preise an öffentlichen Ladesäulen, 49 Prozent, und die Vielfalt und Komplexität der Bezahlsysteme, 48 Prozent.

Auto aktuell wichtigstes Verkehrsmittel

Laut den Ergebnissen der Studie bleibt der Pkw das mit Abstand wichtigste Verkehrsmittel: 83 Prozent der Befragten nutzen mindestens einmal pro Woche ein Auto, 63 Prozent gehen zu Fuß. Jeder fünfte Befragte ist mit einem klassischen Fahrrad unterwegs, 14 Prozent mit einem Elektrorad und ein Prozent mit dem Lastenrad. Den ÖPNV nutzen 20 Prozent der Befragten regelmäßig, sieben Prozent Regionalbahnen. Motorräder kommen auf drei Prozent und E-Scooter auf zwei Prozent.

Unterschiede gibt es zwischen Stadt und Land: Regelmäßig mit dem Auto fahren etwa 96 Prozent der Befragten in Orten mit weniger als 5.000 Einwohnern. Der Wert sinkt laut des Tüv mit zunehmender Ortsgröße – liegt aber selbst in Metropolen mit mehr als 500.000 Einwohnern noch bei 66 Prozent. Beim Radverkehr unterscheiden sich Stadt und Land ebenfalls: Während klassische Fahrräder in Metropolen dominieren, 26 Prozent, sind E-Bikes in kleinen Orten  mit 18 Prozent überdurchschnittlich verbreitet.

Große Mehrheit für stärkere Förderung von ÖPNV und Bahnverkehr

Ein deutliches Stadt-Land-Gefälle zeigt sich beim ÖPNV: In Orten mit weniger als 100.000 Einwohnern nutzen ihn nur acht bis zwölf Prozent mindestens einmal pro Woche. In Großstädten mit 100.000 bis 500.000 Einwohner:innen sind es 35 Prozent, in Metropolen 47 Prozent. „Das starke Stadt-Land-Gefälle beim ÖPNV zeigt den enormen Nachholbedarf“, sagt Bühler. „Wer außerhalb einer Großstadt lebt, braucht ein verlässliches öffentliches Verkehrsangebot als echte Alternative zum Auto.“

Entsprechend groß ist der Wunsch in der Bevölkerung nach Verbesserungen. Gut drei von vier Bundesbürgern, 76 Prozent, fordern, dass die Politik den ÖPNV stärker fördert als bisher; 72 Prozent wünschen sich das auch für den Regional- und Fernbahnverkehr. „Wenn es um die Förderung verschiedener Verkehrsmittel geht, hat der öffentliche Personenverkehr für die Bürgerinnen und Bürger klar Priorität“, sagt Bühler.

Andere Maßnahmen wie eine stärkere Förderung des Fußverkehrs, 54 Prozent, des Radverkehrs, 51 Prozent, der Elektromobilität, 51 Prozent, oder des Pkw-Verkehrs, 50 Prozent, folgen erst mit Abstand. Der Wunsch nach besseren öffentlichen Verkehrsangeboten zeigt sich auch bei der Frage, wie die Mobilität in Städten und Kommunen lebenswerter gestaltet werden kann: 92 Prozent befürworten den Ausbau des ÖPNV in ländlichen Regionen, 83 Prozent sind für den Ausbau sicherer Fahrradwege und Stellplätze und 55 Prozent für zusätzliche Sharing-Angebote für Autos oder Fahrräder.

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Einschränkung des Autoverkehrs in Städten bleibt umstritten

Umstritten bleibt, ob und wie der Autoverkehr in den Innenstädten reduziert werden kann. Rund 54 Prozent der Befragten lehnen Maßnahmen ab, die den Autoverkehr in ihrer Innenstadt oder dem Zentrum ihrer Gemeinde einschränken. Auf der anderen Seite befürworten 40 Prozent entsprechende Maßnahmen. Selbst in Metropolen mit mehr als 500.000 Einwohnern, in denen tendenziell weniger Auto gefahren wird, halten sich Skeptiker mit 49 Prozent und Befürworter mit 47 Prozent nahezu die Waage.

Dagegen herrscht weitgehende Einigkeit darüber, wie der Autoverkehr in Innenstädten reduziert werden kann und wie nicht. Neun von zehn Befragten halten den Ausbau des ÖPNV für geeignet, um den Pkw-Verkehr in Innenstädten zu verringern, 77 Prozent nennen mehr Park-and-Ride-Flächen am Stadtrand und 69 Prozent die Förderung des Radverkehrs. Demgegenüber hält nur eine Minderheit höhere und flächendeckende Parkgebühren, 26 Prozent, eine City-Maut, 25 Prozent, oder weniger Pkw-Parkplätze, 21 Prozent, für geeignet.

Basis für die Mobility Studie war eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag des Tüv-Verbands unter 2.504 Personen ab 18 Jahren. Die Umfrage fand statt zwischen dem 19. März und 10. April 2026. Die Ergebnisse zu allen Themen, Fragen und Antwortoptionen sind im Wortlaut im Studienbericht einsehbar.