Faaren „Mit dem Auto-Geschäft hatte von uns keiner etwas am Hut“

Autor: Christoph Seyerlein

Einer der ersten Auto-Abo-Trendsetter in Deutschland war und ist das Start-up Faaren. Wir haben mit den Gründern Daniel Garnitz und Konstantin Stenzel darüber gesprochen, wie es zu der Idee kam, wie sie sich im zunehmenden Wettbewerb behaupten wollen, und warum Einflüsse aus der vermeintlichen „Old Economy“ auch hilfreich sein können.

Firma zum Thema

Zwei der Köpfe hinter Faaren: CEO Daniel Garnitz (li.) und Marketingchef Konstantin Stenzel.
Zwei der Köpfe hinter Faaren: CEO Daniel Garnitz (li.) und Marketingchef Konstantin Stenzel.
(Bild: Faaren)

Autos im All-Inclusive-Paket flexibel nutzen statt etwa bei Leasing-Verträgen in versteckte Kostenfallen zu tappen – Auto-Abos könnten den Markt umkrempeln. Branchenkenner wie Ferdinand Dudenhöffer prognostizieren bereits 2030 einen Anteil von 40 Prozent an allen Neuzulassungen. Da kann es nicht überraschen, dass der Markt schon vor dem großen Durchbruch immer umkämpfter wird, immer mehr Player wollen etwas davon abhaben.

Wir haben lange mit uns gerungen, ob es wirklich richtig für uns ist.

Daniel Garnitz

Einer der ersten Abo-Trendsetter in Deutschland war und ist das Start-up Faaren aus Rottendorf bei Würzburg. Das junge Team überzeugte zuletzt auch bei der Innovationsplattform Kickstart. Daraus entsprang eine Kooperation mit dem Versicherungsanbieter Axa, die jetzt den Sprung in die Schweiz ermöglicht. Wir haben mit Daniel Garnitz (Gründer und CEO) und Konstantin Stenzel (Co-Gründer und CMO) darüber gesprochen, wie sich das Start-up vom Wettbewerb abheben will, wie das Innenleben der Firma aussieht und welche Meilensteine nun anstehen.

Redaktion: Daniel, Du und die meisten in Eurem Team haben keinen automobilen Hintergrund. Wie kam es zu der Idee Auto-Abo?

Daniel Garnitz: Ich mache eigentlich seit 8 Jahren nichts anderes, als im Start-up-Bereich unterwegs zu sein. 2017 habe ich für einen deutschen OEM gearbeitet und war für das Scouting von neuen Start-ups zuständig. Damals bin ich auf fair.com gestoßen, den Auto-Abo-Pionier in den USA. Das fand ich unfassbar faszinierend. Ich selbst hatte mal einen alten Audi A3, der war ständig kaputt. Alle drei Monate musste ich Geld reinstecken. Und genau deshalb fand ich den All-Inclusive-Gedanken spannend.

Wie wurde aus dem Gedanken dann das Start-up Faaren?

Daniel Garnitz: Als ich wieder nach Würzburg kam, habe ich mir ein paar Kommilitonen geschnappt. Wir haben E-Commerce studiert. Wir haben lange mit uns gerungen, ob es wirklich richtig für uns ist. Konstantin musste ich zum Beispiel auch erst einmal eine Weile davon überzeugen.

Konstantin Stenzel: Wir sind da mehr oder weniger reingefallen. Mit dem Auto-Geschäft hatte von uns bis dahin keiner etwas am Hut.

„Wer sich in Münster für einen Mercedes interessiert, geht nicht zu Mercedes, sondern zu Beresa“

Wann wurde es ernst?

Daniel Garnitz: Im September 2018 haben wir Faaren offiziell gegründet und seitdem mit Investoren weiterentwickelt. Mittlerweile haben wir zahlreiche Investoren.

Wie waren denn so die ersten Berührungspunkte mit der Autobranche?

Konstantin Stenzel: Wir standen vor zahlreichen Herausforderungen. Aber dabei haben wir viel gelernt und unsere Prozesse auch immer wieder angepasst. Wichtig war es uns, alle Schritte auch selbst einmal durchzuspielen. Wir haben Fahrzeuge ausgeliefert, überführt oder mit Händlern Autos inseriert.

Eure Geschäftspartner sind vor allem Autohändler. Denen wird mit Blick auf Digitalisierung und Co. von einigen prognostiziert, ein totes Pferd reiten. Warum setzt ihr auf sie?

Daniel Garnitz: Wir glauben daran, dass die Händlermarken in lokalen Märkten stärker sind als die einzelnen Fahrzeugmarken. Und das wird auch nicht wegfallen, auch nicht durch den Direktvertrieb von Herstellern. Ich komme ursprünglich aus Münster. Wer sich dort für einen Mercedes interessiert, geht nicht zu Mercedes, sondern zu Beresa.

Wie bereit sind Händler für das Thema Auto-Abo?

Konstantin Stenzel: Einigen müssen wir erst einmal erklären, was das ist. Die Unterschiede zur Langzeitmiete sind vielen nicht bekannt. Andere sind aber auch schon verdammt gut aufgestellt. Man kann da nicht pauschalisieren, es gibt echte Vorreiter. Die kommen auch auf uns zu und machen Druck, dass sie so schnell wie möglich Abo-Anbieter werden möchten.

(ID:47041079)

Über den Autor

 Christoph Seyerlein

Christoph Seyerlein

Redakteur im Ressort Newsdesk bei »kfz-betrieb«