BGH-Urteil Miet-Autobatterien dürfen nicht aus Ferne abgeschaltet werden

Quelle: dpa

Plötzlich steht das E-Auto still, weil der Vermieter einer Batterie die Lademöglichkeit gesperrt hat – aus der Ferne per digitalem Zugriff. Angekündigt war das in den AGB – aber ist es auch rechtens? Darüber haben nun Deutschlands oberste Zivilrichter entschieden.

(Bild: BGH)

Vermieter von Batterien für Elektroautos dürfen diese laut einer Entscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) nach einer Vertragskündigung nicht per digitalem Fernzugriff abschalten. Die Karlsruher Richter erklärten eine entsprechende Klausel in Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) am Mittwoch für unwirksam (AZ: XII ZR 89/21).

Mit dem Abschalten der Batterie sei das gesamte Auto nicht mehr nutzbar, sagte der Vorsitzende Richter des zwölften Zivilsenats, Hans-Joachim Dose. Das könne etwa bei einem beruflich genutzten Fahrzeug zu einem Problem werden. Die Klagelast werde zudem auf Mieter abgewälzt. Das sei eine unangemessene Benachteiligung der Verbraucher.

Die AGB der Bank des französischen Autoherstellers Renault (RCI Banque) sahen den Angaben nach vor, dass bei einem außerordentlichen Vertragsende die Wiederauflademöglichkeit für die teuren Batterien gesperrt werden kann. Darüber wurden Kunden mit 14 Tagen Vorlauf informiert, womöglich in einem Zug mit der Kündigung.

Die Bank hatte sich darauf berufen, infolge einer wirksamen Kündigung ihre vertraglich zugesicherte Leistung dann auch einzustellen. So verhindere sie, dass die teure Batterie wieder aufgeladen wird. Denn das mindere deren Ladekapazität – und somit ihren Wert.

Die Verbraucherzentrale Sachsen hingegen monierte, Mieter würden unangemessen benachteiligt. Die bisher mit dem Fall befassten Gerichte in Düsseldorf hatten das ähnlich gesehen und die Nutzung jener AGB-Klausel untersagt. Dagegen ging die Bank nun am BGH vor.

Batterie nicht durch anderes Fabrikat ersetzbar

Richter Dose hatte schon in der Verhandlung Ende September argumentiert, das Fahrzeug als Ganzes funktioniere nicht mehr, wenn man die Batterie nicht mehr laden kann. Der Mieter habe auch keine Möglichkeit, die Batterie durch ein anderes Fabrikat auszutauschen. Zudem liege die Beweislast allein beim Kunden, was unangemessen sei.

Zuletzt wurden keine neuen E-Autos mit Batteriemiete angeboten. Renault hatte diese´Möglichkeit als letzter Anbieter Ende 2020 abgeschafft. Mit dem Markteintritt von Nio gibt es künftig aber wieder einen Autohersteller, der die Batterie unabhängig vom Fahrzeug anbietet.

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