Mercedes-Benz W201: Vor 35 Jahren ging der C-Klasse-Stern auf

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Sicherheit zählt

Die Kompaktklasse von 1982 ist ein Revolutionär der Fahrzeugsicherheit. Denn ihre Entwickler setzen sowohl die aktive wie die passive Sicherheit konsequent auf dem hohen Niveau von Mercedes-Benz um – das ist in dem für die Stuttgarter Marke vergleichsweise kleinen und leichten Fahrzeug eine besondere Herausforderung. Ein Höhepunkt ist dabei die von Dr. Kurt Enke, Alf Müller und Manfred von der Ohe entworfene Raumlenker-Hinterachse mit fünf zierlichen Lenkern an jeder Seite. Sie ist bis heute weltweit eine Standardkonstruktion im Automobilbau.

Für die passive Sicherheit ist die Verbindung von Leichtbau mit hoher Crashsicherheit entscheidend. Die Dachkonstruktion des W 201 mit nach außen gelegten Dachlängsträgern wird wegen ihres geringen Gewichts bei hoher Stabilität zum Vorbild weiterer Mercedes-Benz Baureihen. Erstmals kommt in der Kompaktklasse auch eine Gabelträgerstruktur mit definierter Verformbarkeit der konischen Gabelträger aus hochfesten Blechen zum Einsatz – für exzellentes Crashverhalten insbesondere bei einem versetzten Frontalaufprall.

Das Design des W 201, für welches Bruno Sacco verantwortlich zeichnet, setzt ebenfalls Maßstäbe. Diese Baureihe, die ein ganz neues Segment im Programm der Marke begründet, setzt mit ihren modernen Linien ein Signal. Zugleich wird die Limousine aerodynamisch optimal ausgelegt. Mit einem Luftwiderstandsbeiwert von cW=0,34 hat sie bei ihrer Premiere 1982 die beste Aerodynamik aller Mercedes-Benz Limousinen.

Der Wegbereiter erschien bereits 1894

Die direkte Vorgeschichte des W 201 beginnt 1973, als Mercedes-Benz ältere Ideen für ein Fahrzeug unterhalb der beiden etablierten Klassen aufgreift. Impulse dazu kommen auch aus Nordamerika. Dort werden die Anforderungen an einen sparsamen Flottenverbrauch verschärft. Außerdem ist das Interesse für einen kompakten Zweitwagen mit dem Komfort- und Sicherheitsstandard eines Mercedes-Benz Personenwagens groß.

Im Januar 1974 sagt Chefingenieur Prof. Dr. Hans Scherenberg über das neue Fahrzeug: „Klar ist [...], dass es sich um einen typischen Mercedes-Benz handeln muss.“ Scherenberg führt hier unter anderem Fahrkultur und Sicherheit als prägende Mercedes-Benz Eigenschaften auf. Und im ersten Lastenheft, das wenig später erstellt wird, heißt es, der W 201 solle sich von anderen Fahrzeugen der Mittelklasse „aufgrund der unter dem Markensymbol vom Kunden erwarteten Eigenschaften bezüglich Qualität, Sicherheit und Fahrkultur bewusst absetzen“.

Den Serienanlauf erlebt der W 201 in Sindelfingen, bevor die Produktion auch im Mercedes-Benz Werk Bremen anläuft. Die Produktionsanlagen dort werden für die neue Baureihe erheblich erweitert. Bis heute ist das Werk Bremen das Hauptwerk für die C-Klasse, die mit der 1993 eingeführten Baureihe 202 zur Nachfolgerin des W 201 wird.

Die Idee eines kompakten, anspruchsvollen Personenwagens geht jedoch noch weiter zurück in die Markengeschichte. So gehören schon das Benz Velo (1894 bis 1900, erstes in Großserienfertigung gebautes Automobil der Welt) und der Mercedes 8/11 PS (1901 bis 1903) zu den Wegbereitern der Kompaktklasse. Zu den wichtigen Vorläufern in diesem Marktsegment gehört auch der Mercedes-Benz 170 (W 15, gebaut von 1931 bis 1936). Auch seit den 1950er-Jahren entwickelt Mercedes-Benz immer wieder Konzepte für kompaktere Fahrzeuge.

Der W 201 führt die Traditionslinien all dieser Ideen und Konzepte in einem Fahrzeug zusammen. Er begründet die Erfolgsgeschichte der Mercedes-Benz C-Klasse. Von der Baureihe W 201 werden bis August 1993 insgesamt 1.879.630 Fahrzeuge produziert.

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