Elektromobilität Laden in Tiefgaragen: Münchner Start-up Hey Charge sammelt fast 5 Millionen Dollar ein

Nur die wenigsten Mehrfamilienhäuser dürften bislang mit Ladeinfrastruktur für Elektroautos ausgestattet sein. Eine möglichst einfache Lösung dafür hat das Münchner Start-up Hey Charge entwickelt. Nun springen Investoren auf die Idee an.

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Zu den Geldgebern von Hey Charge zählt beispielsweise BMW i Ventures.
Zu den Geldgebern von Hey Charge zählt beispielsweise BMW i Ventures.
(heartwork productions)

Wer sein eigenes Haus besitzt, hat es vergleichsweise leicht, sich eine Lademöglichkeit für ein Elektroauto zu schaffen. Eine Wallbox ist hier im Normalfall das Mittel der Wahl. Ungleich schwieriger kann es für Bewohner von Mehrparteienhäusern werden. In Deutschland sind das 56 Prozent der Bevölkerung, in Europa immerhin 46 Prozent. Nicht nur die Abstimmung mit dem Vermieter kann nervenaufreibend werden. Auch technisch gibt es hier Hürden.

Beispiel Tiefgaragen: Dort wird eine Wallbox standardmäßig über einen dedizierten Stromzähler angeschlossen. Dabei muss sichergestellt werden, dass der Verbrauch jedes Nutzers individuell verrechnet wird. Das dafür nötige Backend erfordert häufig eine Anbindung ans Internet. Keine optimalen Voraussetzungen, ist das Netz in Tiefgaragen meist doch nicht das beste. Die Kosten für den Aufbau einer Ladeinfrastruktur können dadurch steigen.

Hey Charge: Laden ohne Internetanbindung

Das Start-up Hey Charge will jenes Problem mit einer nach eigenen Angaben bis zu 80 Prozent günstigeren Alternative anpacken. Die Münchner haben eine Lösung entwickelt, die nicht vom Internet abhängig ist. Eine Kommunikation erfolgt via Bluetooth zwischen Smartphone und Wallbox. Das Smartphone dient dabei als Trägermedium für Daten. Diese werden solange zwischengespeichert, bis das Smartphone wieder Empfang hat. Anschließend werden die Daten mit dem Backend synchronisiert und zur weiteren Verarbeitung wie etwa der Abrechnung genutzt.

Die Idee namens „Secure Charge“ stößt durchaus auf Interesse. Hey Charge hat sich nun von Geldgebern insgesamt 4,7 Millionen US-Dollar sichern können. Lead-Investor ist BMW i Ventures. Dessen Management Director Kaspar Sage erklärte: „Hey Charge ist die erste Firma, die E-Auto-Laden ohne Internetverbindung ermöglicht. Das ist ein Schlüssel um noch nicht besetzte Orte abzudecken. Durch die Technologie steigt die Attraktivität, Lademöglichkeiten an Stellen aufzubauen, an denen es zuvor kommerziell wenig Sinn ergeben hätte.“ Durch die einfache Installation und Handhabung könne die Lösung schnell skaliert werden. „Die Ladeinfrastruktur stellt aktuell das Nadelöhr für den weltweiten Hochlauf der E-Mobilität dar. Hey Charge hat aus unserer Sicht das Potenzial, eine Schlüsselrolle im zukünftigen Ladeökosystem einzunehmen“, so Sage gegenüber »Next Mobility«.

Hey Charge will das eingesammelte Geld nutzen, um sein Produkt weltweit am Markt zu platzieren und zu skalieren. Gründer und CEO Chris Cardé erklärte: „Um unsere Kunden so gut wie möglich zu betreuen und zu begleiten, müssen wir ein starkes Business Development und Growth Team aufbauen. Dieses muss zum Teil eine lokale Ausrichtung haben und in den jeweiligen Märkten vor Ort angesiedelt sein, um die marktspezifischen Anforderungen auch zu 100 Prozent zu verstehen und in Produkte übersetzen zu können.“

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