Bahntechnik Kairos Monorail auf erster Teilstrecke unterwegs

Von Richard Oed 3 min Lesedauer

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Der ägyptische Staat modernisiert sein Verkehrsnetz und investiert in den Schienenverkehr. Im Großraum Kairo entstehen dazu zwei Einschienenbahnen, von denen ein Abschnitt bereits in Betrieb ist. Fahrzeuge und Systemtechnik kommen von Alstom.

Zwei Linien, 45.000 Fahrgäste pro Richtung und Stunde: Das soll die jetzt teilweise in Betrieb gegangene Monorail in Kairo leisten.(Bild:  ALSTOM SA 2025 | Innovia)
Zwei Linien, 45.000 Fahrgäste pro Richtung und Stunde: Das soll die jetzt teilweise in Betrieb gegangene Monorail in Kairo leisten.
(Bild: ALSTOM SA 2025 | Innovia)

Im August 2019 erhielt ein Konsortium aus Bombardier, jetzt Alstom, Orascom Construction und Arab Contractors unter der Führung von Bombardier den Zuschlag der National Authority for Tunnels (NAT), die dem ägyptischen Verkehrsministerium untersteht, zur Entwicklung und zum Bau zweier Einschienenbahnen (Monorail) im Großraum Kairo. Am 6. Mai 2026 nahm die NAT nun auf einem ersten Streckenabschnitt der „East of Nile“-Linie den kommerziellen Betrieb auf. Dies ist, so Alstom, das den Auftragnehmer Bombardier im Januar 2021 übernommen hatte, die erste Monorail in Afrika und laut Hersteller ein Meilenstein in der Schaffung einer nachhaltigen städtischen Mobilität in Ägypten.

Die „East of Nile“-Linie ist im Endausbau 56,5 Kilometer lang und verbindet Ost-Kairo mit der neuen Verwaltungshauptstadt „New Administrative Capital“. Die Strecke besitzt insgesamt 22 Stationen, von denen jetzt 16 in Betrieb sind. Damit verkürzt sich laut Alstom die Reisezeit zwischen der El-Moshir-Tantawi-Station (Station ST07) und der Justice-City-Station (ST22) von rund 1 Stunde und 20 Minuten mit dem Auto auf rund 40 Minuten, eine gemäß Alstom deutliche Verbesserung für Pendler.

Die Fertigstellung der zweiten Strecke, der 42 Kilometer langen „West of Nile“-Linie, die die „6th October City“ mit Giza verbindet, steht noch aus. Nach Abschluss aller Arbeiten soll jede Linie 45.000 Fahrgäste pro Stunde und Richtung transportieren können. Geplant ist ein Takt von drei Minuten, der aber auf 90 Sekunden verkürzt werden kann.

Die Linien verlaufen oberhalb des Straßenniveaus auf Fertigteilträgern. Das ermöglicht eine schnelle und kostengünstige Bauweise. Insgesamt werden über 3.300 Fahrbahnelemente und die zugehörigen Pfeiler benötigt. Die beiden Strecken der Einschienenbahn wurden laut Medienberichten in Abschnitten errichtet, in denen der Bau ebenerdiger oder unterirdischer Bahnen schwierig zu bewerkstelligen ist oder wo nur wenig Fläche zur Verfügung steht.

Fahren statt im Stau stehen: Das ist das Ziel der beiden neuen Linien in Kairo, von denen die erste jetzt auf einem Teil der Strecke in Betrieb ist.(Bild:  Alstom | Ezz production agency)
Fahren statt im Stau stehen: Das ist das Ziel der beiden neuen Linien in Kairo, von denen die erste jetzt auf einem Teil der Strecke in Betrieb ist.
(Bild: Alstom | Ezz production agency)

Einsatz bewährter Fahrzeuge

Der abgeschlossene Vertrag besitzt einen Gesamtwert von 3,72 Milliarden Euro und beinhaltet nicht nur die Entwicklung und den Bau des Fahrwegs und der Fahrzeuge, sondern auch den Betrieb und die Wartung über 30 Jahre. Innerhalb des Konsortiums übernimmt Orascom die Planung und den Bau der Infrastruktur sowie der Tiefbauarbeiten, einschließlich der 100 Meter langen und 25 Meter breiten Bahnhöfe, der Fahrbahnkonstruktion und der neuen Depotgebäude. Alstom ist für die Projektleitung zuständig, liefert die Fahrzeuge und die Systemtechnik und ist für Betrieb und Instandhaltung verantwortlich.

Alstom setzt bei diesem Projekt auf seine „Innovia 300“-Familie, die unter anderem auch in Kuala Lumpur, São Paulo, Bangkok und Las Vegas eingesetzt wird. Bestellt wurden für Kairo insgesamt 70 vierteilige und gummibereifte Züge (insgesamt 280 Wagen) mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h, die alle im Derby Litchurch Lane Werk von Alstom produziert wurden. Die fahrerlosen Fahrzeuge sind mit Alstoms kommunikationsbasierter Zugsteuerung (Communication-Based Train Control/CBTC) Cityflo 650 ausgerüstet, die einen vollautomatischen personallosen Betrieb nach GoA 4 erlaubt. Angetrieben werden die Züge durch das hauseigene Traktionssystem Mitrac, das die gesamte Antriebskette umfasst. Zur Sicherheit der Fahrgäste sind an den Bahnhöfen Bahnsteigtüren integriert.

Der Antrieb der Innovia-300-Züge von Alstom für Kairo. Die Räder sind gummibereift.(Bild:  ALSTOM)
Der Antrieb der Innovia-300-Züge von Alstom für Kairo. Die Räder sind gummibereift.
(Bild: ALSTOM)

Längste Einschienenbahn der Welt

Nicht einmal zwei Jahre nach der Auftragserteilung kamen am 8. September 2021 die ersten beiden in Derby gefertigten Innovia-Züge in Kairo an. Ein Zug wurde anschließend anlässlich der Feierlichkeiten zum 6. Oktober in der „New Administration Capital“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Eine erste Erprobung erfolgte im November 2022 auf der Strecke zwischen dem New Capital Depot und der ST22. Der letzte der 70 Züge wurde in Derby am 16. Januar 2024 fertiggestellt und nach Ägypten verschifft.

Die Tests und die Inbetriebnahme wurden laut Alstom durch lokale Ingenieure durchgeführt, was die Grundlage für eine langfristige Betriebssicherheit schaffen soll. Nach endgültiger Fertigstellung beider Linien soll das Monorail-System in Kairo die längste Einschienenbahn der Welt darstellen. (se)

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