Studie des Ifo Instituts „Jahrzehntelange Ausdünnung des Bahnnetzes erschwert uns heute die Verkehrswende“
Im Vergleich zum Jahr 1955 ist das deutsche Bahnnetz um fast 15.000 Kilometer geschrumpft – viele Bahnstrecken sind allerdings nur stillgelegt und könnten reaktiviert werden. Wir zeigen die Ergebnisse einer neuen Studie.

Mehr Personen auf die Schiene für weniger Privat-Pkws auf den Straßen: Diese Formel stellt die deutsche Politik auf, um den Verkehr klimafreundlicher zu machen. Eine Studie des Ifo Instituts und des Deutschen Zentrums für Schienenverkehrsforschung hat sich nun die Veränderungen an Bahntrassen genauer angesehen.
Demnach wurden fast 30 Prozent der Bahnstrecken in Deutschland in den vergangenen 60 Jahren stillgelegt. Im Vergleich zum Jahr 1955 ist das deutsche Bahnnetz um knapp 15.000 Kilometer geschrumpft. Ost und West seien gleichermaßen davon betroffen. „Im Westen wurden Bahnstrecken zur Zeit von Wirtschaftswunder und Auto-Boom stillgelegt, im Osten in der ökonomisch schwierigen Phase nach der Wiedervereinigung“, sagt Felix Rösel vom Ifo Institut und Co-Autor der Studie
Reaktivieren ist schneller als neu bauen
In vielen Fällen seien aber die Gleise noch nicht abgebaut worden. Deshalb könnten einige stillgelegte Strecken wieder reaktiviert werden. Dieses Potenzial gelte es so weit wie möglich auszuschöpfen, bevor Trassen neu gebaut würden. „Die jahrzehntelange Ausdünnung des Bahnnetzes erschwert uns heute die Verkehrswende, vor allem auf dem Land“, sagt Felix Rösel.
Bahnverkehr
Ideenzug der Bahn: Ist das die Zukunft des Nahverkehrs?
Zwischen 1994 und 2020, heißt es im Ergebnisbericht weiter, seien bereits 900 Streckenkilometer im Personenverkehr und über 300 Kilometer im Güterverkehr reaktiviert worden. Solche Reaktivierungen seien zwar mit „nicht unerheblichen Kosten verbunden“. Allerdings dürften sie häufig schneller umsetzbar sein, als der komplette Neubau von Strecken. Gerade Teile des früheren Streckennetzes, die erst vor wenigen Jahren stillgelegt und noch nicht entwidmet wurden, seien dafür geeignet. Werden Bahnstrecken entwidmet, also freigestellt von den Bahnbetriebszwecken, können Gemeinden eine anderweitige Bebauung planen.
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