Mikromobilität Frische 628 Millionen Euro: Bolt bläst nicht nur mit E-Scootern und E-Bikes zum Angriff

Als Ridehailing-App gestartet, ist Bolt inzwischen vor allem als Billig-Anbieter im E-Scooter-Verleih bekannt. Doch das Unternehmen aus Tallinn baut sein Angebotsportfolio immer weiter aus – und kann dabei auf immer mehr Geld zurückgreifen.

Bolt baut sein Angebots-Spektrum immer weiter aus.
Bolt baut sein Angebots-Spektrum immer weiter aus.
(Bild: Bolt)

Das Wettrüsten in der Mikromobilitäts-Branche setzt sich fort. Immer stärker bringt sich dabei der Billig-Anbieter Bolt in Stellung. Wie das Unternehmen am Dienstag (11. Januar) mitteilte, haben Investoren weitere 628 Millionen Euro in die Firma gepumpt. Angeführt wurde die aktuelle Runde von Sequoia und Fidelity Management. Für die Marke aus Estland ist es binnen weniger Monate die zweite große Finanzierungsrunde: Erst im August hatte Bolt 600 Millionen Euro eingesammelt. Nach eigenen Angaben liegt die Firmenbewertung inzwischen bei 7,4 Milliarden Euro.

Bolt begann einst als Ridehailing-App Taxify in Estland. Inzwischen ist das Unternehmen vor allem als Billigheimer des E-Scooter-Verleihs bekannt. In Deutschland startete der Anbieter beispielsweise im vergangenen Jahr mit Kampfpreisen von fünf Cent pro Minute. Inzwischen hat das Unternehmen seine Fühler aber auch nach anderen Geschäftszweigen ausgefahren. Zum Portfolio gehören der Carsharing-Service Bolt Drive, der Restaurant-Lieferservice Bolt Food und der Lebensmittellieferdienst Bolt Market.

Letztern wollen die Esten im neuen Jahr nun massiv ausbauen. Bislang ist die Firma damit in zehn Ländern aktiv. Das Versprechen: Frische Lebensmittel werden binnen 15 Minuten nach Hause geliefert. Die Kosten für eine Lieferung hängen von der Entfernung des Käufers zum nächsten Bold Market ab. Im neuen Jahr wollen die Esten jenen Geschäftszweig nun „rapide“ ausbauen und beispielsweise Gorillas Konkurrenz machen. Ausgerollt hatte Bolt jenes Angebot mitten in der Corona-Pandemie, als das Unternehmen durch Lockdowns beispielsweise zeitweise über 80 Prozent weniger E-Scooter-Fahrten verzeichnete.

„Jede unserer Geschäftseinheiten wächst“

Inzwischen hat sich aber auch jenes Business längst erholt. „Jede unserer Geschäftseinheiten wächst“, erklärte Gründer und CEO Markus Villig kürzlich. Alles in allem zählt Bolt nach eigener Aussage über 100 Millionen Kunden in 45 Ländern. In mehr als 400 Städten in Europa und Afrika ist der Anbieter vertreten. Dem „Manager Magazin“ sagte Villig, Bolt wolle künftig „in jede deutsche Stadt“ kommen.

Die immer größere Bandbreite des eigenen Angebots will das Unternehmen aus Tallinn dabei als Stärke ausspielen. Die Hoffnung: Die Vielzahl verschiedener Services ermöglicht Chancen zum Cross-Selling. Außerdem will sich Bolt gegenüber der Konkurrenz Marketingkosten sparen, die verschiedene Angebote teils über jeweils eigene, voneinander getrennte Kanäle bewirbt.

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