Studie Europas Stromnetze könnten 130 Millionen E-Autos standhalten – bei entsprechender Planung

Sind die Stromnetze in Europa stabil genug für ein exponentielles E-Auto-Wachstum? Eine aktuelle Studie sagt: Grundsätzlich ja. Gewisse Vorkehrungen sollten allerdings doch getroffen werden.

Blick von oben auf einen Ladepark von EnBW.
Blick von oben auf einen Ladepark von EnBW.
(Bild: EnBW)

„Geht das Licht aus, wenn zu viele Elektroautos gleichzeitig am Stromkabel hängen?“ Diese Frage wird immer noch häufig gestellt. Eurelectric und EY haben sich damit nun auf europäischer Ebene befasst und kommen zu dem Ergebnis: Die Stromnetze sind stabil, man sollte allerdings Vorkehrungen treffen.

Ein exponentielles E-Auto-Wachstum stellt den Berechnungen zufolge kein unüberwindbares Problem dar, sofern manche Faktoren angepasst werden. Die Studienautoren gehen davon aus, dass die Zahl der Elektrofahrzeuge in Europa bis 2035 auf 130 Millionen anschwellen könnte. Derzeit sind es etwa 3,3 Millionen. Für die Energieversorgung der Stromer bräuchte es europaweit der Studie zufolge 65 Millionen Ladepunkte. Neun Millionen davon sollten öffentlich zugänglich sein, derzeit sind es EY zufolge 374.000. Die große Mehrheit (85 %) der Ladepunkte und damit auch der Ladevorgänge werde aber an den Wohnorten der Nutzer zu finden sein.

Auf die Stromnetze kommt damit eine enorme Zusatzbelastung durch Elektroautos zu. Die Studienautoren rechnen damit, dass der Strombedarf in jenem Sektor jährlich um 30 Prozent zunehmen wird. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnten bereits mehr als 200 Terawattstunden (TWh) pro Jahr nur für E-Autos nötig sein.

In Deutschland hat das Bundeswirtschaftsministerium zuletzt 2021 eine Prognose für den künftigen Strombedarf veröffentlicht. Der Gesamtbedarf im Jahr 2030 wird demnach wohl bei 645 bis 665 TWh liegen. Aktuell sind es 580 TWh. Die Berechnung schließt insgesamt 14 Millionen elektrifizierte Autos hierzulande ein.

Zum Problem könnte der Mehrbedarf werden, wenn die meisten E-Autos genau dann gleichzeitig laden würden, wenn die Stromnetze sowieso schon stark belastet sind. Laut der Studie könnte die Spitzenlast durch E-Auto-Ladevorgänge zwischen 20 und 90 Prozent ansteigen. Sobald mehr als die Hälfte der Fahrzeuge auf der Straße aus E-Autos bestünde, könnte unkontrolliertes Laden zu einer Überlastung führen.

Ausbau des „Smart Grid“ entscheidend

Mit entsprechenden Vorbereitungen und dem Ausbau einer intelligenten Stromversorgung („Smart Grid“) ließe sich das aber vermeiden. Konkret empfehlen die Studienautoren, das Stromnetz zu digitalisieren, um das Kundenverhalten, den Bedarf und die damit verbunden Auswirkungen besser zu verstehen, vorherzusehen und zu optimieren. Zusätzlich seien intelligente Ladegeräte und Speichersysteme zum Abpuffern kurzzeitig hohen Bedarfs nötig. Das wiederum erfordert eine engere Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Stadtplanern, Energieversorgern, Ladeanbietern, Automobilherstellern und Co.

Als hilfreich könnte sich auch der zunehmende Trend zum bidirektionalen Laden erweisen. Immer mehr Automobilhersteller statten ihre Fahrzeuge mit entsprechender Technik aus. Elektroautos werden so zu Stromspeichern, die im Zeiten von Lastspitzen Energie ins Netz zurückspeisen können.

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