Leistungselektronik EU-Projekt Moore4Power: Heterogene Integration statt klassischer Skalierung

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Infineon koordiniert das EU-Flaggschiffprojekt Moore4Power – ein 91-Millionen-Euro-Konsortium aus 15 europäischen Ländern, das die nächste Generation intelligenter Leistungselektronik entwickeln soll. Im Mittelpunkt steht die heterogene Integration von Si, SiC und GaN auf Systemebene.

Unter Infineons Schirmherrschaft ist das europäische Forschungsprojekt Moore4Power gestartet.(Bild:  Infineon)
Unter Infineons Schirmherrschaft ist das europäische Forschungsprojekt Moore4Power gestartet.
(Bild: Infineon)

Am 20. Mai 2026 ist Moore4Power offiziell gestartet, ein großes Halbleiter-Forschungsprojekt in Europa. Unter der Federführung von Infineon Technologies vereint die von der Chips Joint Undertaking geförderte Initiative Unternehmen und Forschungsinstitute aus 15 europäischen Ländern. Das Gesamtprojektvolumen beträgt 91 Millionen Euro, die Laufzeit drei Jahre. Moore4Power baut auf dem Vorgängerprojekt PowerizeD auf, das 2025 endete und ebenfalls von der Chips JU gefördert wurde.

Das Projekt setzt dort an, wo klassische Halbleiterskalierung nach Moores Law an ihre Grenzen stößt: Statt einzelne Komponenten weiter zu miniaturisieren, geht Moore4Power den Weg der heterogenen Integration auf Systemebene. Silizium, Siliziumkarbid und Galliumnitrid werden gemeinsam mit Sensor-, Steuerungs- und Kommunikationsfunktionen zu eng integrierten Systemen zusammengeführt. Dabei wird jede Technologie dort eingesetzt, wo ihre spezifischen Stärken am stärksten zum Tragen kommen.

Ein zentrales Konzept ist die Power-Chiplet-Technologie, die skalierbare Architekturen und flexiblere Produktvarianten ermöglichen soll. Der modulare Aufbau erlaubt es, Leistungsmodule für unterschiedliche Anwendungen zu konfigurieren, ohne vollständig neue Designs entwickeln zu müssen.

Anwendungsfelder: Wind, Bahn, E-Mobilität

Moore4Power konzentriert sich auf drei Schlüsselbranchen. In der Windenergie soll fortschrittliche Leistungselektronik direkt in Turbinen die Energieumwandlung verbessern. Im Bahnbereich wird eine Reduktion der Antriebsverluste um mindestens 30 Prozent angestrebt. In der E-Mobilität zielt das Projekt auf Wirkungsgrade von bis zu 99 Prozent mit nahezu verlustfreiem, bidirektionalem Laden.

KI-gestützte Modelle, digitale Zwillinge und automatisierte Prozesse sollen Entwicklungszyklen deutlich verkürzen. Konkret wird angestrebt, die Zeit von ersten Fab-Mustern bis zur Freigabe eines validierten Datenblatts auf eine Woche zu reduzieren – gegenüber mehreren Wochen heute.

Nachhaltigkeit ist dabei strukturell verankert: Ein digitaler Produktpass soll direkt in die Leistungsmodule integriert werden und über den gesamten Lebenszyklus relevante Daten wie Einsatzbedingungen, Zustandsinformationen und verbleibende Restlebensdauer bereitstellen. Das soll vorausschauende Wartung ermöglichen, die Produktlebensdauer verlängern und die Wiederverwendbarkeit von Komponenten verbessern. (sb)

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