Marktanalyse

Elektrische Pickups als Zugnummer der Mobilitätswende?

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„Und es könnten viel mehr sein, wenn Ford nicht seit Dezember die Bücher geschlossen hätte, weil sie in Detroit offenbar von der Nachfrage überrannt wurden“, klagt Casey Ogletree, der Verkaufschef beim Platzhirsch Jordanford in San Antonio.

Teslas Cybertruck-Produktion wird noch dauern

Das passt für Martin French ins Bild. Er ist US-Partner beim Münchner Strategieberater Berylls und schreibt den Pickups eine riesige Bedeutung für die Elektromobilität zu. Jedes Jahr würden fast drei Millionen Pickups in den USA produziert und verkauft. „Man liebt sie für ihr praktischen Tugenden, ihre Größe und ihren Komfort und dafür, dass sie so ziemlich alles schleppen können“, sagt French und in der Erinnerung steigen Bilder auf, wie selbst das Space Shuttle nach dem letzten Flug von einem Pickup-Truck ins Museum gezogen wurde.

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„Und die Begeisterung geht weit über die ländlichen Staaten in der Mitte der USA hinaus“, sagt der Analyst: „Das sind nicht einfach nur Nutzfahrzeuge, sondern Alltagsautos für Millionen von Amerikanern in der Stadt und auf dem Land.“ Kein Wunder, das keine Fahrzeuggattung am Gesamtbestand einen größeren Anteil hat als der Pritschenwagen.

Entsprechend groß war die Begeisterung, als Tesla vor bald drei Jahren zum ersten Mal den Cybertruck gezeigt hat. Und auch der Rivian R1T, zum ersten Mal zu sehen auf der Autoshow in Los Angeles im November 2019, wurde lautstark bejubelt. Doch lief danach nicht alles glatt: Während Elon Musk sich immer wieder im Prototypen sehen lässt, hat der Tesla-Chef die Produktion des Cybertrucks gerade mal wieder verschoben und es rechnet keiner mehr damit, dass er vor 2023 auf die Straße kommt.

Chevrolet Silverado wird nächstes Jahr elektrisch

Und während Rivian an den Börsen ein wildes Auf und Ab erlebt, kommt die Produktion des R1T nur langsam in Gang und liegt selbst in den offiziellen Planungen weit unter jenen 150.000 Lightning, die Ford pro Jahr bauen will. Aus gutem Grund: Schließlich zielt der Newcomer eher auf die elektrische Elite als auf den Mittelstand. „Genau wie ein Ford Mustang und ein Porsche 911 sind sich die beiden Autos auf dem Papier vielleicht ähnlich, aber trotzdem würde sie keiner ernsthaft miteinander vergleichen, weil beide einen ganz anderen Anspruch und eine andere Zielgruppe haben“, sortiert Ford-Manager Palmer den Markt. 

Dass Ford schon jetzt mit dem F-150 Lightning kommt und auch der Chevrolet Silverado als ewige Nummer Zwei auf dem US-Markt im nächsten Jahr elektrisiert wird, womöglich noch bevor Tesla endlich seinen Pickup bringt, ist nicht nur die überfällige Retourkutsche der alten Autowelt für die Start-ups aus Kalifornien.

Es könnte nach Frenchs Einschätzung die Amerikaner endgültig davon überzeugen, dass die Zukunft des Autos elektrisch ist: „Es gibt zwar noch viele Herausforderungen für die Infrastruktur, doch jetzt hat der EV-Zug endgültig den Bahnhof verlassen“, sagt der Analyst: „Und vieles spricht dafür, dass der F-150 Lightning seine neue Lokomotive ist.“ 

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