Elektromobilität E-Tretroller im Test

Quelle: s-px

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Der „Scrooser“ ist ein echter Hingucker und Fahrspaßgarant. Ein Begleiter für den Alltag ist er aber nicht.

Das Fahrzeug ist 1,76 Meter lang und 56 Kilogramm schwer.
Das Fahrzeug ist 1,76 Meter lang und 56 Kilogramm schwer.
(Bild: Julian Huke)

Der E-Antrieb schafft zahllose neue Mobilitätsformen – vom Batterie-Auto bis zu Skateboards mit Hilfsmotor. Zu den eher ungewöhnlichen Phänomenen elektrischer Fortbewegung zählt ein neues Fahrzeug: eine Mischung aus Mofa und Elektro-Scooter, aber mit gepolsterter Sitzbank und dicken Ballon-Reifen. Perfekt für das Cruisen am Strand-Boulevard – aber auch etwas für den Alltag? Der Test des versicherungspflichtigen Elektro-Kleinstfahrzeugs im herbstlichen Stadtverkehr fällt in Sachen Fahrspaß sehr positiv, ansonsten aber zwiespältig, aus.

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Grundsätzlich ist der in Deutschland gefertigte und vom mittelrheinischen E-Scooter-Anbieter Kumpan vertriebene „Scrooser“ ein E-Roller wie er mittlerweile zum Straßenbild in den Großstädten der Republik zählt: Vorne findet sich die Lenkerstange mit Daumengas und Bremse, dann kommt ein Trittbrett mit integriertem Akku und im hinteren Rad schließlich sitzt der Elektromotor. In diesem Fall handelt es sich um ein Exemplar mit den in dieser Klasse maximal erlaubten 500 Watt Leistung und fülligen 43 Newtonmeter Drehmoment.

Der kräftige Antrieb hat seinen Grund: Denn der Scrooser ist größer (1,76 Meter lang) und schwerer (56 Kilogramm) als gewöhnliche Modelle. Vorgegeben werden die wuchtigen Abmessungen von den extra breiten Rädern vorne und hinten, die in einem Rahmen aus massiven Stahlrohren montiert sind. Auf der Trittfläche haben zwei Füße nebeneinander Platz, was das Sitzen auf der integrierten, gepolsterten Sitzbank auch auf langen Strecken bequem macht.

Bis zu 25 km/h schnell

Gefahren wird im Sitzen oder stehend, in der Regel auf der Straße. Radwege dürfen anders als bei normalen E-Tretrollern nur genutzt werden, wenn sie per Zusatzschild auch für Mofas frei gegeben sind. Ob ein Helm getragen werden muss, hängt von der Wahl der Variante ab. Bei dem auf 20 km/h limitierten Modell ist die Kopfbedeckung keine Pflicht, für die Ausführung mit 25 km/h jedoch schon. Wer den Scrooser fahren will, benötigt zudem die Mofa-Prüfbescheinigung, die man ab 15 erlangen kann. Oder einen normalen Pkw-Führerschein.

Die breiten Reifen und die relativ große Bodenfreiheit erlauben auch Fahrten über unebenes Gelände, die der Scrooser klaglos wegsteckt. Auf Asphalt oder Pflaster gefällt der hohe Fahrkomfort der federnden Ballon-Pneus, die zudem auch auf nassem Untergrund nicht ins Rutschen kommen. Das tief gezogene hintere Schutzblech verhindert dabei, dass dem Fahrer Dreck auf den Rücken spritzt. Auch die Verarbeitung des wahlweise in Mattweiß oder Mattschwarz lackierten Rollers stimmt. Die Konstruktion wirkt stabil und solide; auch während der Fahrt knarzt und knirscht hier nichts.

Lediglich die Kunststoffverkleidung auf dem Trittbrett könnte ein wenig solider ausfallen – und eine Feststellposition gebrauchen. Denn unter dem Plastikdeckel liegt der herausnehmbare 20-kWh-Akku. Anschluss und Entnahme sind ein wenig fummelig; umso mehr, da man während des Vorgangs die Klappe festhalten muss.

Reichweite bis zu 45 Kilometern

Der Akku muss allerdings eher selten an das mitgelieferte Ladegerät: 45 Kilometer reklamiert der Hersteller als Reichweite unter günstigsten Bedingungen. Rund 25 sollten aber in den meisten Fällen auch in der Praxis drin sein, selbst im herbstlichen und hügeligen Testumfeld klappte das. Auch die Antriebsleistung überzeugt unter den nicht optimalen Einsatzbedingungen: Um den Motor an seine Grenzen zu bringen, braucht es schon einen ordentlich steilen Anstieg. Und auch dann geht es zumindest noch im Schleichtempo voran. Mit den Füßen nachhelfen muss man nur in Ausnahmefällen.

Die meist souveräne Leistung unterstreicht das entspannte Fahrgefühl, das sich auf dem Scrooser einstellt, sobald man auf dem tief montierten Sitz Platz genommen hat. Wenn man auf den dicken Vorderreifen blickt und nach dem hohen Lenker greift, stellt sich gar ein bisschen Easy-Rider-Feeling ein. Auch während der Fahrt erinnert der Roller ein wenig an ein Motorrad, muss man doch seinen Körper in die Kurve legen, um flüssig ums Eck zu kommen. Das ist kurz gewöhnungsbedürftig, sorgt anschließend aber für anhaltende Fahrfreude. Zumindest so lange, wie man das schwere und unhandliche Gefährt nicht rangieren muss. Knapp 60 Kilo und große Aufstandsfläche machen sich da negativ bemerkbar.

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Im Alltag eher unpraktisch

Generell ist der Scrooser nicht unbedingt ein praktisches Gefährt. Der vom Motorrad abgeguckte Aufbock-Ständer sorgt zwar für sicheres Abstellen, allerdings benötigt man auch fast so viel Raum wie ein richtiges Kraftrad. Und ein gutes Schloss, denn der Scrooser lässt sich ohne RFiD-Chip zwar nicht starten, aber zumindest wegschieben. Das Tragen oder die Mitnahme in der Bahn oder im Durchschnitts-Pkw sind angesichts von Gewicht und Abmessung keine Option, worunter neben Kriminellen aber auch der Nutzer leidet. Immerhin lassen sich zumindest kleinere Einkäufe mit etwas Geschick auf dem Trittbrett balancieren, für Taschen gibt es einen kleinen Haken in der Verkleidung der Lenksäule.

Trotzdem ist der Nutzen des Scrooser für die Alltagsmobilität relativ beschränkt. Mit einem kleinen E-Roller oder einem Fahrrad ist man nicht weniger flott unterwegs und dafür deutlich flexibler was Parken und Intermodalität angeht. Zudem dürfen diese Fahrzeuge den Radweg nutzen, während der Scrooser sich die Fahrbahn in der Regel mit dem Autoverkehr teilen muss. Das kann schnell unangenehm werden, da einen die Kombination aus limitierter Geschwindigkeit und erheblicher Breite (80 Zentimeter) zu einem ungern gesehenen Verkehrshindernis macht.

Ein Fahrzeug für die vielzitierte letzte Meile oder gar die Lösung moderner Verkehrsprobleme ist das originelle Zweirad von Kumpan nicht. Interessant ist der Scrooser vor allem, wenn der coole Auftritt und lässige Fahrspaß im Fokus stehen sollen. Sei es bei einer Städtetour, am Strand, auf dem Campingplatz oder im Golf-Resort. Dort entfaltet er mit seiner tiefen Sitzposition und dem kräftigen Antrieb sein komplettes Fahrspaßpotenzial. Und zeigt sich dabei Standard-E-Roller und Fahrrad überlegen. Der Preis dafür ist jedoch hoch: 4.000 Euro kostet der Scrooser auf der Webseite des Herstellers, unabhängig von Farbe und Tempo-Abregelung.

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