Autokauf Gebrauchte E-Autos: Tipps vom Tüv Süd

Von Thomas Günnel 3 min Lesedauer

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Lohnt sich aktuell der Umstieg auf ein gebrauchtes E-Auto? Der Tüv Süd bewertet: „Auf jeden Fall!“ – und gibt Tipps für den Kauf.

Der Tüv Süd gibt Tipps zum Kauf gebrauchter Elektroautos.(Bild:  Volkswagen)
Der Tüv Süd gibt Tipps zum Kauf gebrauchter Elektroautos.
(Bild: Volkswagen)

Anhaltend hohe Kraftstoffkosten lenken den Blick häufiger auf ein Elektroauto. Bei einer der größten Suchmaschinen für gebrauchte Autos sind aktuell laut des Tüv Süd 70.000 Elektroautos verfügbar. „Das Angebot ist groß, die Nachfrage immer noch eher verhalten. Das heißt, dass die Preise moderat sind und sich der Kauf eines gebrauchten E-Fahrzeugs gerade auf jeden Fall lohnt“, sagt Markus Gregor, Technical Expert EV Battery beim Tüv Süd.

Zwar gilt die neue Förderrunde für Elektroautos nicht für Gebrauchte – dennoch gibt es einen finanziellen Vorteil gegenüber einem Neuwagen.  Laut des Tüv Süd verlieren Elektroautos in den ersten drei Jahren und bei einer durchschnittlichen Laufleistung von 60.000 Kilometern bereits 50 Prozent des Neuwerts.. „Die hohen Neuwagenpreise schrecken immer noch viele Autofahrer ab, ihre Mobilität umzugestalten. Warum also nicht mit einem günstigen Gebrauchten starten? Seitens der Experten bestehen hinsichtlich Batterie, Technik und Reichweite keinerlei Bedenken“, sagt Gregor.

Wie prüfe ich den Akku?

Der Akku steht als wichtigste und teuerste Komponente im Elektroauto ganz oben auf der Checkliste beim Kauf. Die Fahrzeugelektronik schützt zwar die Batterie vor zu hohen Belastungen. Trotzdem wirken sich etwa Art und Häufigkeit des Ladens und der Fahrstil auf Haltbarkeit und Leistung aus. Markenhändler können in der Regel einen Zustandsbericht zur Batterie im Fahrzeug generieren, auch der Tüv bietet sie an.

Die Tests ermitteln die Anzahl Schnellladevorgänge und die Restkapazität. „Die Werte geben erste wichtige Hinweise für Interessenten. Deshalb sollten die Tests auf jeden Fall durchgeführt werden. Den wirklichen Gesundheitszustand kann man aber nur durch umfangreiche Messungen ermitteln“, beschreibt der Batterie-Experte.

Akkus sind zuverlässig

„Unsere Erfahrung ist, dass die Batterien sogar besser halten, als viele Hersteller sagen“, beschreibt Gregor. „Nach mehr als 200.000 Kilometern Laufleistung und sieben bis acht Betriebsjahren sind viele Akkus häufig noch mit 90 Prozent ihrer Anfangskapazität in Betrieb. Daraus ergibt sich eine hohe Zyklenfestigkeit und eine sehr geringe Alterung.“

Rechnerische Prognosen ergeben laut des Verbands, dass ein Akku nach realistischen 3.000 Ladezyklen und einer durchschnittlichen Reichweite von 300 Kilometern 900.000 Kilometer und mehr hält. „Die Laufleistung spielt beim Elektrofahrzeug, zumindest für die Zuverlässigkeit des Antriebsstrangs, eine untergeordnete Rolle“, erklärt Markus Gregor. „Eine Million Kilometer oder mehr sind kein Problem – und das beinahe komplett wartungsfrei und praktisch ohne nennenswerten Verschleiß.“

Ab November 2026 wird die Dauerhaltbarkeit der Traktionsbatterie mittels international harmonisierter Kenngrößen bewertet – insbesondere des „State of Certified Energy“, SoCE,  und perspektivisch des „State of Certified Range“, SoCR. Der SoCE beschreibt das Verhältnis der aktuell nutzbaren Batterieenergie zur ursprünglich zertifizierten Nennenergie im Neuzustand. Der SoCR definiert die verbleibende rein elektrische Reichweite des Fahrzeugs verglichen mit dem Neuzustand.

Kaufkriterien ähneln denen von Verbrenner-Modellen

Davon abgesehen gelten laut des Verbands die gleichen Regeln wie beim konventionellen Gebrauchtkauf. Allgemeinzustand und Laufleistung – außer dem Motor – bleiben ein Kriterium. Bauteile wie Stoßdämpfer verschleißen wie beim Verbrenner. „Reifen sind ein Thema. Das extrem hohe Drehmoment sorgt für erhöhten Verschleiß – schlicht, weil der Ampelstart so viel Spaß macht“, kommentiert Gregor. Achsen und Traggelenke leiden oft wegen des hohen Gewichts – ähnlich wie bei großen SUVs.

Die Bremsen halten beim E-Auto wegen der Rekuperation in der Regel länger. Durch die Rekuperation können diese sich aber festsetzen, weil sie wenig genutzt werden. Kaufinteressenten sollten das vorab prüfen lassen, rät der Tüv Süd. Komponenten wie die Batterie, das Ladekabel oder die Ladebuchse sollten dagegen genauer angeschaut werden.

Die Akku-Tests vergleicht Markus Gregor mit dem Smartphone: „Wie gut die verbliebene Leistung der Batterie ist, wird in Prozent angegeben. Künftig kann das der Fahrer eines neuen Elektromodells im Cockpit ablesen“, beschreibt er. Die Emissionsnorm Euro 7 regelt unter anderem solche Anforderungen. Nach 100.000 Kilometern oder fünf Jahren darf die Speicherkapazität der Batterie nicht unter 80 Prozent sinken. Nach acht Jahren oder 160.000 Kilometern müssen es noch mindestens 72 Prozent sein.

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