Der Bundesverband Betriebliche Mobilität hat 250 Unternehmen befragt, wie Mitarbeiter pendeln und reisen. Das Ergebnis: Der Pkw ist oft die erste Wahl. Doch viele Arbeitnehmer wünschen sich mehr Flexibilität.
Der Pkw bleibt für viele Berufspendler weiterhin die erste Wahl.
(Bild: sp-x)
Neulich am Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens: Statt des gebuchten ICE nach Stuttgart trudelt der um eine Stunde verspätete vorausfahrende Zug ein. Doch los kommt der Autor trotzdem nicht. „Die Weiterfahrt verzögert sich um 20 Minuten, weil der Fahrdienstleiter im Stellwerk Mittagspause machen muss“, informiert ein hörbar genervter Schaffner die Passagiere.
Staus und Zugausfälle – traurige Realität, auch im Nahverkehr. Besonders hart trifft es den Großraum Stuttgart, wo die Bauarbeiten für das Milliardenprojekt Stuttgart 21 fast täglich für Verzögerungen sorgen. „Gefühlt ist immer etwas, eine Weichenstörung, eine Signalstörung oder eine Störung am Zug“, beklagt Klaus Honold gegenüber dem SWR.
„Warum bekommen die das nicht in den Griff?“
Der Mobilitätsbeauftragte der Deutschen Bahnkunden-Verbands steckte Mitte November zwei Stunden lang in einem Stuttgarter S-Bahn-Tunnel fest. „Da frage ich mich schon: Warum bekommen die das nicht in den Griff?“
Anderswo ist es kaum besser, wie jetzt eine Umfrage des Bundesverbands Betriebliche Mobilität zeigt. 950 Berufspendler und Arbeitnehmer aus 250 Unternehmen stellen dem ÖPNV nur ein mäßiges Zeugnis aus.
Mehr als ein Drittel der Befragten bewerten die öffentlichen Verkehrsmittel für ihre Strecke zwischen Wohnung und Arbeitsplatz als mangelhaft oder ungenügend. Nur jeder dritte Pendler ist zufrieden mit dem Angebot von Bussen und Bahnen.
Die Aussage überrascht nicht wirklich, spiegelt sie doch die allgemeine Stimmung und Erfahrungen wider, die jeder Berufstätige macht. Aber nur auf der Politik herumzuhacken, ist wenig zielführend. Denn wer beispielsweise einen Firmenwagen fährt und womöglich nicht einmal den Sprit bezahlt, hat wenig Grund, auf den ÖPNV umzusteigen. Mit entsprechenden Folgen für Klima und Verkehr.
„Das Deutschlandticket ist nur ein erster Schritt“
Deshalb setzt sich der Mobilitätsverband schon länger für eine Abkehr vom starren Dienstwagenkonzept und für ein nachhaltiges Mobilitätsmanagement in Unternehmen ein. In der Praxis hapert die Umsetzung jedoch häufig, wie die Umfrage zeigt.
Mit 57 Prozent fährt das Gros der Befragten mit dem Auto zur Arbeit. 6,6 Prozent davon zwar mit einem Stromer, doch im Stau stehen sie trotzdem. Nur 17,9 Prozent der Befragten nutzen Bus und Bahn, der Rest radelt oder geht zu Fuß ins Büro.
Auch für die Dienstreisen bleibt das Auto das bevorzugte Verkehrsmittel. Bei drei von vier Geschäftsreisen nutzen die Mitarbeiter einen Pkw. Auf Bus und Bahn verlässt sich dagegen nur ein Fünftel der Befragten.
Axel Schäfer sieht hier Nachholbedarf. „Das Deutschlandticket ist nur ein erster Schritt“, sagt der Geschäftsführer des Verbands. „Ohne verbesserte Angebote für Pendler und Geschäftsreisende wird eine Mobilitätswende nicht gelingen.“
Mangelhaftes Mobilitätsmanagement
Allerdings sagt die Umfrage nichts darüber, wie viele der Befragten das Auto für ihre Reise lieber stehen lassen würden. Nicht jeder Mitarbeiter kann wählen, mit welchem Verkehrsmittel er Kunden, Kongresse oder Fortbildungen besucht. Ob persönlicher Geschäftswagen, Mietauto oder Poolfahrzeug, häufig ist der Pkw gesetzt, weil er Zeit spart. Doch diese Auto-Orientierung der Unternehmen wird oft bemängelt.
Fast 40 Prozent der Studienteilnehmer empfinden das betriebliche Mobilitätsmanagement ihres Arbeitsgebers als limitiert. Mehr als die Hälfte der Befragten könnte sogar einen Teil ihrer Dienstreisen durch Videocalls ersetzen. Und überhaupt: Nur noch für 43 Prozent der Befragten stellt der persönliche Firmenwagen einen Anreiz dar.
Mobilität wandelt sich und mittlerweile haben Betriebe diverse Möglichkeiten, Reisen flexibler zu handhaben. Sie könnten beispielsweise Mobilitätsbudgets für Reisen einführen und es den Mitarbeitern selbst überlassen, wie sie von A nach B kommen. Die Kosten für Mietwagen, Flugzeug oder Bahn werden darüber abgerechnet – und falls das Budget nicht verbraucht wird, könnte der Chef dem Mitarbeiter einen Bonus gutschreiben.
Angst vor bürokratischen Hürden
Allerdings scheuen viele Unternehmen die Umsetzung, weil ihnen das Wissen fehlt oder weil sie die Bürokratie fürchten. Die steuerlich abweichenden Regelungen stellen einen erheblichen Mehraufwand für Unternehmen dar, kritisiert der Mobilitätsverband. „Außerdem sollten Mobilitätsbudgets analog einer Dienstwagensteuer für Elektroautos gefördert werden“, fordert Geschäftsführer Axel Schäfer.
Stand: 08.12.2025
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Selbst wenn die Umfrage nicht wirklich repräsentativ ist – der Trend ist eindeutig. Pendler und Geschäftsreisende wünschen sich einen Ausbau von ÖPNV und Schienenfernverkehr. Genauere Ergebnisse dürfte die nächste große Mobilitätsstudie geben, die das Bundesverkehrsministerium im April 2023 gestartet hat.
Mehr Daten wünscht sich auch Schäfer. Man brauche dringend Analysen des gewerblichen Mobilitätsbedarfs, um Wirtschaft, Kommunen sowie Verkehrsanbieter besser zu vernetzen. „Nur so werden nachhaltige Verkehrsträger für die Millionen Pendler und Geschäftsreisenden attraktiv.“