Ladeinfrastruktur „Deutschlandnetz“-Reaktionen: „Die größten Bremsklötze werden nicht beseitigt“

Autor Christoph Seyerlein

Der Bund nimmt den Ausbau der Schnellladeinfrastruktur für Elektroautos teilweise selbst in die Hand. Mitte September startet das Ausschreibungsverfahren für das sogenannte „Deutschlandnetz“. Die Initiative findet viel Zuspruch – allerdings nicht uneingeschränkt.

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Der Bund will Verbrauchern mit dem „Deutschlandnetz“ auch auf Langstrecken mit Elektroautos die Reichweitenangst nehmen.
Der Bund will Verbrauchern mit dem „Deutschlandnetz“ auch auf Langstrecken mit Elektroautos die Reichweitenangst nehmen.
(Bild: Aral)

Mitte September startet der Bund die Ausschreibungen für das sogenannte „Deutschlandnetz“. Bundesweit sollen durch die Initiative, für die das Verkehrsministerium rund 2 Milliarden Euro einplant, etwa 1.000 Schnellladeparks in ganz Deutschland entstehen.

Unternehmen können sich nun um die Lose bewerben. Wer ein Los ergattert, soll Aufbau und Betrieb der Stationen übernehmen, der Bund zahlt und erhält den Großteil der Einnahmen. Die Laufzeit des Vertrags ist zunächst auf acht Jahre angesetzt, danach soll der Betreiber den Standort komplett übernehmen können.

Aus der Autoindustrie gab es nach der Ankündigung am Montag viel Zustimmung. Hildegard Müller, Präsidentin des Verbands der Deutschen Automobilindustrie (VDA), erklärte, die Ausschreibung setze „die richtigen Ziele und Vorgaben“. Der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) twitterte: „Das #Deutschlandnetz ist ein besonders wichtiger Baustein, um den Einsatzbereich von Elektrofahrzeugen weiter zu erhöhen.“ Reichweitenangst müsse dadurch auch bei längeren Fahrten nicht mehr aufkommen.

Doch nicht überall werden die Pläne des Bundes durchweg positiv aufgenommen. So kündigte beispielsweise der Energie-Konzern Eon an, sich um Lose bewerben zu wollen. Dennoch brauche es zusätzliche Investitionen in das öffentliche Ladenetz, forderte das Unternehmen.

Warnung vor Zweiklassengesellschaft

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hinterfragte in einer Reaktion vor allem die geplante Preisobergrenze an den Ladesäulen des Deutschlandnetzes. Eine kWh soll dort maximal 44 Cent brutto kosten dürfen. Solche Preise seien für Anbieter außerhalb des Deutschlandnetzes nicht möglich, so der BDEW.

Die Politik müsse deshalb aufpassen, dass sich der Markt nicht zweiteile: Auf der einen Seite ein subventioniertes Ladenetz und auf der anderen Seite eine bestehende Ladeinfrastruktur, die sich nun durch das Deutschlandnetz nicht mehr wirtschaftlich betreiben lässt. Zudem dürfe das Programm den parallel dazu stattfinden marktwirtschaftlichen Ausbau der Ladeinfrastruktur nicht bremsen.

Generell begrüßte der BDEW das Vorhaben des Bundes zwar. Doch neben der Preisregulierung formulierte er weitere Kritik: „Die größten Bremsklötze beim Ausbau werden durch die Ausschreibung nicht beseitigt“, keilte der Verband aus. „Fehlende Flächen für Standorte, schleppende behördliche Genehmigungsverfahren und unsichere, regulatorische Rahmenbedingungen werden auch die geförderten Standorte betreffen. Diese Hindernisse müssen zeitnah aus dem Weg geräumt werden.“ Auch Eon mahnte, dass die geplanten Maßnahmen schnell umgesetzt werden müssten, um zum Erfolgsmodell zu werden.

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