Partnerschaften China: Beschleunigt KI das autonome Fahren?

Von Henrik Bork 3 min Lesedauer

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Software ist nur so schnell wie die Hardware, auf der sie läuft. Aus diesem Grund arbeiten jetzt zwei chinesische Unternehmen – nämlich Moore Threads und Pony.ai – zusammen, um die Entwicklung des autonomen Fahrens zu beschleunigen.

Um autonomes Fahren nach Level 4 in China schneller auf die Straße zu bringen, kooperiert Pony.ai mit Moore Threads.(Bild:  Pony.ai)
Um autonomes Fahren nach Level 4 in China schneller auf die Straße zu bringen, kooperiert Pony.ai mit Moore Threads.
(Bild: Pony.ai)

Das Start-Up Moore Threads ist der Hardware-Lieferant. Pony.ai, das KI-Modelle für das autonome Fahren entwickelt, ist hier der Software-Lieferant. Das Unternehmen betreibt außerdem eine Flotte von Robotaxis, in denen es seine Software integriert. Beide Partner haben kürzlich eine strategische Kooperation verkündet. Die GPUs vom Typ MTT S5000 und die „KUAE Intelligent Computing Cluster“ von Moore Threads sollen ab jetzt zum Einsatz kommen, um darauf das KI-Modell von Pony.ai zu trainieren.

Reinforcement Learning im Fokus

So sollen Simulationen von Fahrsituationen erstellt werden. Wöchentlich können angeblich mehr als zehn Milliarden Testkilometer generiert werden. Dabei entstehen dann Hunderte oder sogar Tausende von Risikoszenarien, sogenannte Edge Cases. Beispiel: Vor dem Fahrzeug taucht plötzlich ein Hindernis auf und es muss schnell, aber sicher eine Bremsung imitiert werden.

Sowohl das Weltmodell von Pony.ai, als auch vertikale KI-Modelle in den Robotaxis können wie in diesem Beispiel aufgezeigt mithilfe von Reinforcement Learning verbessert werden, weil mehr Risiko-Situationen auftauchen als in den echten, mit Kameras aufgenommenen Videos aus den Robotaxis.„Für die Entwicklung des autonomen Fahrens hat eine Phase beispielloser Beschleunigung begonnen“, kommentiert das chinesische Nachrichtenportal Zhongguo Xinwenwang den Schulterschluss der Hard- und Software-Entwickler. Mithilfe von künstlicher Intelligenz und schnellen GPUs werde gewissermaßen der Fast-Forward-Knopf hin zum Fahren nach Autonomie-Level 4 gedrückt.

Level 4 heißt bekanntermaßen, dass Fahrzeuge unter bestimmten Bedingungen, beispielsweise auf definierten Strecken, komplett autonom agieren. Der Mensch muss sich nicht mehr zum Eingreifen bereithalten, sondern kann einfach als Passagier mitfahren, wie in einem Robotaxi. Oder sie müssen nur noch in Ausnahmesituationen selbst eingreifen, wenn es sich um ein privates selbstfahrendes Auto handelt.

Hybrides Modell treibt Level 4 voran

Niemand hat vor, die Sicherheit solcher Systeme allein durch Simulationen zu garantieren – in der Praxis geht es vielmehr um ein hybrides Modell. Trainiert wird mit KI, getestet wird dann auf der Straße, wobei viele Gigabytes an Daten gesammelt und erneut ausgewertet werden.

Doch die Erwartung in der chinesischen Industrie ist nun, dass mithilfe von KI und der jüngsten Hardware-Fortschritte bei GPUs die großflächige Verbreitung des Level-4-Fahrens viel schneller kommen wird als bislang angenommen wurde. „Von der Partnerschaft mit Moore Threads wird erwartet, dass sie die Effizienz des Modelltrainings und die Systemleistung erheblich verbessert und zu einem starken Motor für die Beschleunigung dieser Expansion wird", schreibt das chinesische Autoportal Gasgoo über den jüngsten Schachzug von Pony.ai.

Die Kooperation hat auch eine politische Dimension. Pony.ai arbeitet seit vielen Jahren mit Nvidia zusammen und nutzt dessen Drive-Orion- SoCs. Durch häufige Boykotte aus Washington ist die Verfügbarkeit der US-amerikanischen GPUs aus chinesischer Sicht allerdings unsicher geworden. Indem sich nun zwei heimische Unternehmen zusammentun, umgeht man dieses Lieferkettenrisiko.

Chance auf neues Wirtschaftswachstum

Bis Ende 2025 hatte Pony.ai eigenen Angaben zufolge in mehreren chinesischen Städten schon 1.159 Robotaxis im Einsatz. Bis Jahresende sollen es rund 3.000 sein. Perspektivisch ist in manchen Prognosen schon von bis zu vier Millionen fahrerlosen Taxis in China bis zum Ende der 2030er Jahre die Rede. Solche Vorhersagen müssen jedoch immer mit einer guten Portion Skepsis betrachtet werden. Auch in China sorgen unvorhergesehene Unfälle immer wieder für Rückschläge, etwa wenn ein Robotaxi nicht schnell genug bremsen kann.Im Dezember sind zwei Fußgänger in Zhuzhou in der Provinz Hunan von einem Robotaxi der Marke Hello erfasst und verletzt worden, berichteten chinesische Medien.

Trotz solcher Rückschläge ist die chinesische Regierung entschlossen, die Entwicklung des autonomen Fahrens zwar durch Sicherheitsregeln zu begleiten, aber nicht auszubremsen. In sämtlichen öffentlichen Verlautbarungen ist stets von einer „Balance“ aus Sicherheit und Förderung der heimischen Unternehmen die Rede. Peking sieht im schnellen Ausbau dieser Zukunftsindustrie eine Chance auf neues Wirtschaftswachstum. (se)

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