Elektromobilität „Charging Hub“: So geht es mit Audis Schnellladewürfel weiter

Autor Christoph Seyerlein

Im Herbst will Audi seinen ersten „Charging Hub“ in Betrieb nehmen. Und es sieht gut aus: Die Stadt Nürnberg will den Weg dafür nun endgültig frei machen. Was sich die Ingolstädter von ihrem Schnelllade-Projekt erhoffen.

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Die Stadt Nürnberg will Audi die Baugenehmigung für den Charging Hub erteilen.
Die Stadt Nürnberg will Audi die Baugenehmigung für den Charging Hub erteilen.
(Bild: Audi)

Sechs Ladepunkte mit bis zu 300 Kilowatt Leistung – und das alles, mit nur einem 400-Volt-Starkstromanschluss. Das ist die Idee hinter dem „Audi Charging Hub“. Im Herbst wollen die Ingolstädter ihren ersten Schnellladewürfel in Nürnberg an der Münchnerstraße – in unmittelbarer Nähe zur Messe – aufstellen.

Der Weg dorthin ist nun endgültig geebnet. Bislang fehlte Audi noch die Baugenehmigung der Stadt Nürnberg. Doch diese soll bis nächste Woche in Ingolstadt vorliegen, wie das Baureferat der fränkischen Metropole Next Mobility auf Anfrage mitteilte. An einem normalen Ladesäulen-Projekt hätte die Stadt demnach wenig Interesse gehabt. Dass man nun aber zum Vorreiter für einen neuen Ansatz werden kann, hat die Behörden offenbar überzeugt.

Noch im Herbst will Audi nun den modularen Bau mit einer Bruttofläche von 400 Quadratmetern in Betrieb nehmen. Dass vor Ort keine zusätzliche Strom-Infrastruktur vonnöten sein wird, liegt auch daran, dass die Ingolstädter aussortierte Fahrzeug-Batterien als Zwischenspeicher mit einer Gesamtkapazität von 2,45 Megawattstunden nutzen wird. Um diese nachts aufzuladen, soll eine Anschlussleistung von 200 Kilowatt ausreichen. Unterstützend wirkt dabei eine Photovoltaikanlage auf dem Dach des Baus. Insgesamt 70 Ladevorgänge mit bis zu 300 kW Leistung am Tag sollen so möglich sein.

„Der Charging Hub funktioniert nach der Logik eines Regenfasses“

„Der Charging Hub funktioniert nach der Logik eines Regenfasses. Oben tröpfelt ein wenig rein und unten ziehen wir viel wieder heraus“, heißt es vom Hersteller. Grundsätzlich wolle man mit dem Konzept Ladepeaks abdecken. Technik-Vorstand Oliver Hoffmann führte in dem Zusammenhang die Vorteile des geplanten Standorts an der Nürnberger Messe auf. „Wir haben das gezielt gewählt. Der Standort ist Nah an der Autobahn und damit ideal für Langstreckenfahrer.“ Er sei aber eben auch an ein urbanes Umfeld angebunden.

Im Untergeschoss des Charging Hubs sind die sechs Ladesäulen angesiedelt. Audi-Kunden können sich im Vorfeld ihren Wunsch-Ladepunkt reservieren. Ansonsten steht der Ladepark aber auch für Nicht-Audi-Fahrer zur Verfügung. Im Obergeschoss befindet sich eine 250 Quadratmer große Lounge, in der sich Kunden die Zeit während des Ladens vertreiben können.

Allzu viel Zeit soll das allerdings nicht in Anspruch nehmen: „Das Aufladen eines elektrischen Audi Modells dauert nur wenig länger als eine Kaffeepause“, verspricht Gesamtprojektleiter Ralph Hollmig. „Es ist einfach eine coole Möglichkeit, zu laden. Das erwarten unsere Kunden von uns. Und natürlich ist es auch Premium. Das ist der 'Audi way of charging'“, ergänzt ein Sprecher der Ingolstädter.

Rollout-Plan in der Schublade

Bei den Preisen wiederum soll es keinen Premiumaufschlag geben. Genaue Angaben, wie viel die Kilowattstunde am Charging Hub kosten soll, macht der Hersteller noch nicht. Die Preise würden sich aber am Markt orientieren, versprach Hoffmann.

Ob das Konzept breiter ausgerollt wird, ist noch nicht endgültig klar. „Wir haben einen ersten Rollout-Plan“, sagt Hoffmann zwar. Doch zunächst wolle man die Rückmeldungen der Kunden aus Nürnberg abwarten, bevor über weitere Standorte entschieden wird.

Als größerer Lieferant für Ladeinfrastruktur will Audi in Zukunft aber offenbar nicht in Erscheinung treten. Stattdessen setze man dabei weiter vor allem auf Partnerschaften, kündigte Oliver Hoffmann an. Der Charging Hub sei eine Alternative, um „schnell und unkompliziert in die Fläche zu kommen.“ Man wolle dabei keine Böden versiegeln, sondern lediglich auf vorhandenen Flächen aufsetzen. „Der Charging Hub ist von der generellen Infrastruktur nicht abhängig“, so der Technikvorstand.

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