Online-Autohandel Cazoo zieht sich aus Deutschland zurück

Von Andreas Wehner

Mit viel Geld und der Übernahme des Autoabopioniers Cluno wollte sich der britische Online-Gebrauchtwagenhändler Cazoo auf dem deutschen Markt Anteile sichern. Nach hohen Verlusten ziehen die Briten nun die Reißleine.

Die Auslieferungs-Lkw des britischen Online-Händlers Cazoo werden nicht einmal ein Jahr nach dem Marktstart wieder aus Deutschland verschwinden.
Die Auslieferungs-Lkw des britischen Online-Händlers Cazoo werden nicht einmal ein Jahr nach dem Marktstart wieder aus Deutschland verschwinden.
(Bild: Cazoo)

Muss sich der SC Freiburg jetzt einen neuen Hauptsponsor suchen? Der britische Online-Autohändler Cazoo, dessen Logo die Trikots des Bundesliga-Vereins ziert, zieht sich aus Kontinentaleuropa zurück – und damit auch aus dem deutschen Markt. Das teilte das Unternehmen am Donnerstag mit, nachdem das „Manager Magazin“ darüber berichtet hatte.

„Angesichts unseres Ziels, bis Ende nächsten Jahres die Rentabilität zu erreichen, haben wir die schwierige Entscheidung getroffen, uns ausschließlich auf den riesigen britischen Gebrauchtwagenmarkt zu konzentrieren“, sagte Cazoo-Chef Alex Chesterman laut Mitteilung.

Das Unternehmen ist neben Deutschland und Großbritannien auch in Frankreich, Italien, Spanien und Portugal aktiv. Cazoo habe das Ziel, die eigene Liquidität zu erhalten und ohne zusätzliches Kapital profitabel zu werden, heißt es in der Mitteilung. Daher habe man verschiedene strategische Optionen geprüft und sei zu dem Schluss gekommen, sich allein auf das Kerngeschäft im Heimatmarkt zu konzentrieren. Cazoo plane eine geordnete Abwicklung der Aktivitäten in Deutschland und Spanien und befinde sich in Gesprächen mit Arbeitnehmervertretern in Frankreich und Italien.

Der Rückzug kommt nicht überraschend. Cazoo hatte vor einigen Wochen einen massiven Sparplan bekannt gegeben – und damit auch das Aus für das nach eigenen Angaben barmittelintensive Geschäft mit Autoabos. Seit Ende Juni nahm bereits die deutsche Tochter Cluno keine Abokunden mehr auf.

Die Briten hatten den deutschen Autoabopionier Anfang 2021 übernommen und sich damit einen Zugang zum hiesigen Markt geschaffen. Ende des vergangenen Jahres war Cazoo schließlich unter dem eigenen Markennamen in Deutschland mit dem Onlineverkauf von Gebrauchtwagen gestartet. Im ersten Halbjahr 2022 hatte Cazoo einen Verlust von 243 Millionen Pfund Sterling (derzeit rund 280 Millionen Euro) erwirtschaftet – bei einem Umsatz von 628 Millionen Pfund. Im August kündigte Cazoo an, das Geschäft außerhalb des Heimatmarkts auf den Prüfstand zu stellen.

Cazoo will 100 Millionen Pfund sparen

Mithilfe der beschlossenen Maßnahmen will Cazoo bis Ende 2023 aus den roten Zahlen kommen. Das Unternehmen rechnet mit Einsparungen in Höhe von 100 Millionen Pfund durch den Rückzug.

Während sich auf der deutschen Cazoo-Website bereits ein Hinweis findet, dass man dort keine Autos mehr bestellen könne, sind bei Cluno auch drei Monate nach dem offiziellen Aus noch Fahrzeuge auf der Website gelistet.

Beim SC Freiburg jedenfalls dürfte man über die Entwicklung nicht glücklich sein. Immerhin sprach der Club im Frühjahr von einer mehrjährigen Partnerschaft mit dem Online-Autohändler. Gegenüber dem „Manager Magazin“ teilte der Club mit, dass er davon ausgehe, dass die gegenseitigen vertraglichen Verpflichtungen erfüllt würden.

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