Gondelbahn Baugenehmigung erteilt: Ottobahn kann durchstarten

Ein Münchner Start-up will mit elektrischen Gondeln, die an einem Schienensystem hängen, den Verkehr entzerren. Jetzt wird die Vision der Ottobahn ein Stück realer: In Taufkirchen südlich von München kann eine erste Teststrecke entstehen. Welche Pläne und Ziele das Unternehmen langfristig verfolgt.

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Die Ottobahn könnte sich in bestehende Verkehrsstrukturen integrieren lassen.
Die Ottobahn könnte sich in bestehende Verkehrsstrukturen integrieren lassen.
(Bild: Ottobahn GmbH)

Eigentlich wollte das Start-up Ottobahn schon im vergangenen Jahr den Testbetrieb mit seiner Gondel-Hängebahn in Taufkirchen bei München aufnehmen. Daraus wurde nichts. Jetzt gibt es für das Unternehmen aber frohe Kunde: Das Landratsamt München hat für die erste Teststrecke die Baugenehmigung erteilt.

Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer (CSU) erklärte: „Gerade im Großraum München brauchen wir solche kreativen Ideen, um den Verkehr zu entzerren.“ Mitte März soll der Spatenstich für die Teststrecke in Taufkirchen südlich von München erfolgen. Diese wird rund 900 Meter lang sein. Geplant ist ein Oval, auf dem in der zweiten Jahreshälfte zunächst eine Gondel den Betrieb aufnehmen soll. Anschließend will Ottobahn schrittweise bis zu fünf Gondeln anschließen, um insgesamt 100.000 Testkilometer zu absolvieren.

Jene Tests seien eine der Voraussetzungen für eine Betriebsgenehmigung. Auf dem Weg dorthin arbeitet das Unternehmen mit TÜV Süd zusammen. Bis 2023 will die Firma nach eigenen Angaben insgesamt rund fünf Millionen Euro investieren, um jenes Ziel zu erreichen. Seit 2020 testen die Münchner ihr System bereits mit einer knapp 40 Meter langen Teststrecke in den eigenen Büroräumen.

Und so funktioniert das Transportsystem des Start-ups: Auf einem fünf bis zehn Meter über dem Straßenverkehr verlaufenden Schienensystem fahren elektrische Viersitzer-Gondeln, die sich auch für den Gütertransport eignen. Diese sollen außerorts bis zu 240 km/h schnell sein, in Städten plant Ottobahn mit 60 km/h. Angetrieben werden die Pods durch Elektromotoren, der Verbrauch soll bei umgerechnet gut 4 kWh für 100 Kilometer liegen.

Kein starrer Fahrplan

Fahrgäste sollen laut der Vision des 2019 in München gegründeten Unternehmens die Kabinen per App reservieren können. Ein Algorithmus berechnet in Echtzeit die schnellste Verbindung für sämtliche Gondeln entlang der Strecke. Auf feste Fahrpläne will Ottobahn verzichten. Nutzer könnten in den Vorstellungen der Gründer entlang der Strecke jederzeit zu- und aussteigen. Der Betrieb des Systems soll CO2-neutral möglich sein, dafür will das Start-up unter anderem die nötigen Gleisträger begrünen und mit Solarzellen ausstatten.

Perspektivisch könnte die nun geplante Teststrecke Teil einer Verbindung zwischen Taufkirchen und München werden. Die Ottobahn könnte dann beispielsweise über dem Mittelstreifen der Autobahn A8 bis zum Zielort am U-Bahnhof Karl-Preis-Platz fahren. Neue Verkehrsflächen müssen für das System nicht erschlossen werden. Der Aufbau eines größeren Netzwerks würde trotzdem Jahrzehnte in Anspruch nehmen.

Als realistische Anwendungsfälle neben seinen Münchner Plänen fasst das Start-up deshalb beispielsweise Flughäfen ins Auge. Deren Transportlogisitik und auch die Anbindung ans Umland könnten sich mit der Ottobahn verbessern lassen, glaubt das knapp 20-köpfige Team um Gründer Marc Schindler. Als Vergleich führen sie den Transrapid an, der einst in München Hauptbahnhof und Flughafen hätte verbinden können. Bekanntermaßen zogen der Bund und der Freistaat Bayern bei dem Projekt nach knapp achtjährigem Hin und Her im März 2008 aber den Stecker. Langfristig peilt Ottobahn nach eigenen Angaben beispielsweise eine Verbindung zwischen München und Berlin an, die Fahrgäste in 2,5 Stunden zurücklegen können sollen.

Schon mehr als drei Millionen Euro aus Crowdfunding

Um die eigene Idee auch in die Praxis umsetzen zu können, braucht das Start-up Geld. Dabei setzt Ottobahn unter anderem auf Crowdfunding. Ab einem Betrag von 100 Euro kann man sich beteiligen. Die Aktion läuft über die Plattform Fundernation. Bereits über drei Millionen Euro hat das Unternehmen auf diesem Weg akquirieren können. Das Fundraising läuft noch 52 Tage, es könnte aber auch vorher beendet werden, sofern Ottobahn das anvisierte Maximum von 3,5 Millionen Euro erreicht. Pro Investment in Höhe von mehr als 250 Euro verspricht das Start-up, einen Baum zu pflanzen.

Neben dem Crowdfunding sollen zwei größere Geldgeber in das Unternehmen investiert haben, Genaueres ist dazu bislang aber nicht bekannt. Laut Fundernation wird Ottobahn derzeit mit 22,5 Millionen Euro bewertet. Für das Jahr 2025 hat sich das Start-up einen Zielumsatz von gut 35 Millionen Euro vorgenommen. Als Hürde könnten sich dabei zähe Genehmigungsverfahren erweisen. Zudem äußerte Klaus Bogenberger, Leiter des Lehrstuhls für Verkehrstechnik an der TU München, in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung im August 2021 seine Zweifel, ob das Konzept mit seinem Schienensystem Lärmschutzvorgaben einhalten können wird.

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