ÖPNV 9-Euro-Ticket könnte zum 1. Juni kommen

Quelle: dpa

Wann kann das von der Ampel-Koalition angekündigte günstige Ticket zur Fahrt mit öffentlichen Bussen und Bahnen starten? Der Bund will Tempo, allerdings sind noch viele Fragen offen. Die Verkehrsunternehmen warten jetzt auf die notwendigen politischen Beschlüsse.

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(Bild: gemeinfrei / Pixabay )

Für den Start des 9-Euro-Monatstickets haben die Verkehrsunternehmen Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) den 1. Juni vorgeschlagen. Bis dahin könnten die Voraussetzungen für die Einführung dafür geschaffen werden, sagte der Präsident des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Ingo Wortmann, den Partnerzeitungen der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft (Montag).

Bundesverkehrsminister Volker Wissing hatte sich ursprünglich eine Einführung zum 1. Mai gewünscht, kann aber offenbar mit dem 1. Juni auch gut leben. „Wir sollten es nicht zu sehr in den Sommer verlagern, denn wir wollen ja jetzt in der akuten Situation einen Anreiz zum Energiesparen setzen“, sagte der FDP-Politiker am Freitag in Hamburg nach einem Treffen mit Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD).

Online oder am Automaten?

Wissing hatte sich dafür ausgesprochen, das Ticket ausschließlich online verfügbar zu machen, um so den Aufwand zu vermeiden, Ticket-Automaten umzuprogrammieren. VDV-Präsident Wortmann schlug dagegen vor, das Ticket sollte auch am Automaten und nicht nur online zu kaufen sein. „Wir stellen fest, dass immer noch sehr viele Fahrgäste an Automaten kaufen“, sagte er. Das gelte insbesondere für ältere Kundinnen und Kunden.

Von der Idee des günstigen Tickets seien die Verkehrsunternehmen überrascht worden, sagte Wortmann. „Wir hätten uns gewünscht, dass man diese Vorschläge mit uns diskutiert, um einen praktikablen Weg zu finden“, so der Verbandspräsident. „Wir versuchen jetzt schlichtweg, das Beste draus zu machen. Denn wir wollen nicht, dass die an sich gute Idee am Ende negativ ankommt.“

Ein VDV-Sprecher hatte am Freitag erklärt, bislang seien die notwendigen politischen Beschlüsse weitgehend offen. Sobald diese vorlägen, brauche die Branche rund 4 Wochen zur Umsetzung, um zum Beispiel Vertriebssysteme anzupassen und die Kunden mit ausreichendem Vorlauf zu informieren.

Länder für Nulltarif

Die Länder hatten sich am vergangenen Freitag in einer Sonderkonferenz mit dem Bund mehrheitlich dafür ausgesprochen, dass statt eines 9-Euro-Tickets pro Monat ein dreimonatiger Nulltarif eingeführt werden solle – um den administrativen Aufwand für die Verkehrsverbünde niedrig zu halten. Wissing hatte dies zurückgewiesen, auch unter Verweis auf die Kosten.

Wissing sagte, das günstige Ticket bringe auch die Möglichkeit, hinterher Kundenströme auszuwerten. Er sprach von einem „riesigen Feldversuch“, um zu erfahren, wie sich das auf das Fahrverhalten auswirke und wie der Rabatt von den Bürgern angenommen werde.

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) sagte, es seien noch zahlreiche Fragen offen, auf die der Bund bislang nicht einmal den Ansatz einer Antwort geliefert habe.“ Wenn der Schnellschuss „9 für 90“-Ticket jetzt auch noch in einer Hauruckaktion umgesetzt werden soll, sehe ich die große Gefahr, dass Länder, Verkehrsverbünde, Unternehmen und Kommunen auf Kosten und Bürokratie sitzenbleiben.“

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