Eine Herausforderung beim Dieselmotor sind die vergleichsweise hohen Stickoxidemissionen. Sie resultieren ebenso wie der geringe Kraftstoffverbrauch aus dem hohen Druck und damit hohen Verbrennungstemperaturen, die sich bei der Verbrennung im Zylinder des Dieselmotors aufbauen. Hier liegen Licht und Schatten eng beieinander, denn generell gilt der Zusammenhang: Je besser die Verbrennung, desto höher die Temperatur und desto mehr NOx entsteht. Daraus folgt eine Wechselwirkung zwischen der CO2-Reduzierung und der Entstehung von Stickoxiden: Maßnahmen zur CO2-Senkung führen oft zu höherer Stickoxidbildung, eine auf weniger Stickoxide optimierte Verbrennung bedeutet mehr CO2-Ausstoß – ein Zielkonflikt.
Bei modernen Dieselfahrzeugen wird dieser Konflikt durch die aktive Abgasnachbehandlung (NOx-Speicherkatalysator und/oder SCR-Technologie) gelöst. Beim NOx -Speicherkatalysator werden die Stickoxide kontinuierlich eingelagert. Ist der Speicher voll, wird er regeneriert. Dabei werden die eingelagerten Stickoxide in Stickstoff (N2) und Kohlendioxid (CO2) konvertiert. Ein SCR-Katalysator (Selective Catalytic Reduction) wandelt die Stickoxide im Abgas zu Stickstoff (N2) und Wasser (H2O) um.
Die Umwandlung erfolgt dabei unter Verwendung einer als AdBlue bekannten wässrigen Harnstofflösung, die in einem Zusatztank mitgeführt wird. Damit die Abgasnachbehandlung mit AdBlue funktionieren kann, muss die Flüssigkeit gelegentlich nachgefüllt werden. Ist der AdBlue-Tank nicht ausreichend befüllt, kann das Auto nicht mehr gestartet werden. Neben den Stickoxiden wird vor allem der Feinstaubausstoß von Dieselfahrzeugen reduziert.
3. Was leistet der Diesel für den Klimaschutz
Der Dieselmotor hilft, die Grenzwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen einzuhalten. Denn er verbrennt effizienter als ein Benziner und stößt bis zu 15 Prozent weniger CO2 aus als ein vergleichbarer Benziner. Der im vergangenen Jahr erreichte Anteil von 46 Prozent Diesel-Pkw an allen deutschen und fast 50 Prozent an den westeuropäischen Neuzulassungen hat es ermöglicht, den gesetzlichen Grenzwert für die Neuwagenflotten von 130 Gramm CO2 pro Kilometer in Europa einzuhalten.
Wären in Deutschland ausschließlich Dieselfahrzeuge zugelassen worden, wäre der Grenzwert mit durchschnittlich 119,6 Gramm Kohlenstoffdioxid pro Kilometer sogar deutlich unterboten worden. Bei 3,4 Millionen neu zugelassenen Pkw im vergangenen Jahr in Deutschland und einer angenommenen durchschnittlichen Fahrleistung von jährlich 15.000 Kilometern hätte ein reiner Dieselverkehr somit 648.000 Tonnen CO2 im Jahr einsparen können. Das entspricht in etwa den Kohlenstoffdioxid-Emissionen einer Stadt wie Marburg oder Bayreuth mit rund 70.000 Einwohnern.
Wären dagegen alle Pkw-Neuzulassungen Benziner gewesen, wäre das CO2-Emissionsvolumen entsprechend schlechter gewesen. Das Umweltbundesamt und einige NGOs behaupten dagegen häufig, der CO2-Vorteil des Diesels bestehe nur auf dem Papier. Der Diesel halte den Spritverbrauch bei großen und schweren Autos in einem erträglichen Rahmen. Das habe – so die Kritiker – den kontraproduktiven Effekt, dass mehr solcher Fahrzeuge in den Markt kommen.
Diese Kritik übersieht, dass der Trend zu SUV vom Kunden ausgeht und weltweit zu beobachten ist. In den USA und China liegt ihr Anteil sogar noch deutlich höher als in Europa. Die Fahrzeuge werden dort allerdings fast ausschließlich mit Benzinmotoren gefahren, was dazu führt, dass ihr CO2-Ausstoß entsprechend höher ausfällt. In Europa stehen dagegen effiziente Dieselmotoren zur Verfügung, die die CO2-Bilanz dieser Fahrzeuge verbessern. Der Diesel ist daher nicht der Grund für den Trend zum SUV. Er sorgt stattdessen dafür, dass auch diese Fahrzeuge sparsam gefahren werden können.
4. Welche Bedeutung haben die Dieseltechnologie und der Verbrennungsmotor für den Standort Deutschland?
Die Automobilindustrie ist ein Aushängeschild für den Standort Deutschland. Diese starke Stellung ist ganz wesentlich dem hohen Know-how im Motorenbau geschuldet, in dem auch ein erheblicher Teil der Mitarbeiter der deutschen Automobilindustrie beschäftigt ist. Mehr als 600.000 der heutigen Industriearbeitsplätze sind zumindest in Teilen mit der Herstellung von Verbrennungsmotoren und Getrieben befasst. Das sind zehn Prozent der deutschen Industriebeschäftigung. Etwa zwei Drittel dieser Arbeitsplätze findet man bei den Herstellern, ein weiteres Drittel bei Zulieferern.
Diese Mitarbeiter leisten heute eine Bruttowertschöpfung von 48 Milliarden Euro, was etwa 13 Prozent der Bruttowertschöpfung der deutschen Industrie entspricht. Der besonders aufwendige Dieselmotor hat einen großen Anteil daran, dass diese hochwertigen Arbeitsplätze in Deutschland existieren, während sie in vielen anderen traditionellen Automobilländern verloren gegangen sind. Fast die Hälfte der in Deutschland produzierten Autos fährt heute mit dieser Technik – damit hat sich der Anteil seit der Jahrtausendwende verdoppelt.
Insgesamt wurden in Deutschland im vergangenen Jahr 2,7 Millionen Dieselfahrzeuge gebaut – von insgesamt 5,7 Millionen Pkw. Drei von vier in Deutschland produzierten Pkw wurden exportiert. Jedes zweite neu zugelassene Auto mit Dieselmotor auf Europas Straßen zählt zu einer deutschen Konzernmarke. Eine hohe heimische Pkw-Produktion ist nicht selbstverständlich. Die hiesigen Hersteller haben ihre Kompetenz gemeinsam mit Zulieferern schrittweise ausgebaut und damit die gesamte Branche beflügelt. Das ist anderen Ländern nicht gelungen.
Während die gesamte Pkw-Produktion in Deutschland seit dem Jahr 2000 deutlich auf 5,7 Millionen Fahrzeuge zugelegt hat, mussten Autobauer andernorts den Gürtel enger schnallen. In Frankreich oder Italien beispielsweise hat sich die Produktion im gleichen Zeitraum fast halbiert. Der Mix der Antriebsarten im Pkw wird sich ohne Zweifel verändern. Vor allem Elektroautos gewinnen erheblich an Bedeutung. Gleichwohl wird der Verbrennungsmotor weltweit noch über viele Jahre die wesentliche Antriebstechnologie bleiben. Mit synthetischen Kraftstoffen aus erneuerbaren Energien könnte er in Zukunft sogar CO2-neutral werden.
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