ADAC-Machbarkeitsstudie Wie Luftrettung mit Flugtaxis aussehen könnte

Autor / Redakteur: Gary Huck / Gary Huck

Zwar steckt der urbane Luftverkehr noch in einer Testphase. Der ADAC hat dennoch eine erste Machbarkeitsstudie für die Luftrettung mit Flugtaxis veröffentlicht. Wie die Luftrettungsorganisation die Flugzeuge einsetzen könnte.

Firma zum Thema

Bei der Entwicklung der neuen Rettungshubschrauber arbeitet der ADAC mit Volocopter zusammen. Tests werden mit dem Volocity-Multikopter durchgeführt.
Bei der Entwicklung der neuen Rettungshubschrauber arbeitet der ADAC mit Volocopter zusammen. Tests werden mit dem Volocity-Multikopter durchgeführt.
(Bild: ADAC Stiftung)

Die meisten Menschen, die in oder nahe einer größeren Stadt wohnen, werden es kennen: das charakteristische Knattern eines Rettungshubschraubers, das man oft schon lange hört, bevor man den Helikopter sieht. Wenn man dann instinktiv nach oben blickt, entpuppt sich das Fluggerät in vielen Fällen als vom ADAC betriebener „gelber Engel“. Könnten Sie sich vorstellen, dass dort, anstelle des traditionellen Hubschraubers, ein kleiner elektrisch angetriebener Multikopter auf dem Weg zu einem Notfall vorbeischwebt – möglicherweise noch remote oder sogar autonom gesteuert?

Der ADAC kann sich das gut vorstellen und hat zu dem Thema nun eine Machbarkeitsstudie veröffentlicht. Schon ab Mitte des Jahrzehnts könnten die ersten auf Flugtaxis basierenden Rettungshubschrauber den Pilotbetrieb aufnehmen. Der ADAC will seine Helikopterflotte aber nicht einfach ersetzen. Die Multikopter sollen auch nicht 1:1 die gleichen Aufgaben erledigen wie die sich heute im Einsatz befindlichen Fluggeräte.

Bei zwei Dritteln der Einsätze wird kein Patient transportiert

Laut Frédéric Bruder, CEO ADAC Luftrettung, werden bei knapp 60 Prozent der Einsätze die Patienten nicht im Hubschrauber transportiert. „Der Hubschrauber bringt nur den Notarzt an den Unfallort. Der Patient wird mit dem Krankenwagen abtransportiert. Der Hubschrauber ist hier eigentlich nur ein teures und großes Taxi.“

In Zukunft soll bei einer Alarmierung ein Algorithmus bestimmen, ob beim anstehenden Einsatz ein Personentransport nötig sein wird, oder nicht. Wenn das nicht der Fall ist, soll ein elektrischer Multikopter den Notarzt zur Unfallstelle bringen. „Die Ersparnis liegt bei 90 hoch drei. 90 Prozent weniger Anschaffungskosten, 90 Prozent weniger Betriebskosten und 90 Prozent weniger Fluglärm“, erzählt Bruder.

Wenn der Notarzt vor Ort feststellt, dass der Patient doch per Helikopter transportiert werden muss, kann ein normaler Rettungshubschrauber nachalarmiert werden. Bis der vor Ort wäre, dauert es circa 15 Minuten. Nach Angaben von Bruder dauert es in den meisten Fällen mindestens so lange, einen Patienten für den Lufttransport zu stabilisieren.

Blickt man noch weiter in die Zukunft, könnte der Luftrettungsdienst beim ADAC irgendwann teilautomatisiert werden. Dass ein Multikopter an den oft beengten Landestellen, wie in Wohngebieten oder auf Autobahnen autonom landet, ist vorerst wirklich noch Science-Fiction. Allerdings könnten irgendwann Notärzte mit einer Grundlegenden Flugausbildung, unterstützt von einem Piloten, der remote zugeschaltet ist, oder einem Assistenzsystem, den Multikopter zur Unfallstelle bringen. Wenn der Arzt dann im Krankenwagen mitfährt, um den Patienten weiter zu versorgen, würde der Multikopter autonom zu seiner Station oder dem Krankenhaus fliegen, um den Notarzt abzuholen.

Autonomes Landen an Standorten und Krankenhäusern

Die Landeplätze an den Rettungsstationen und Krankenhäusern können so gestaltet werden, dass autonom gelandet werden kann. Zugegeben auch das ist noch Zukunftsmusik. Allerdings gab es beim autonomen Fliegen in kurzer Zeit große Entwicklungssprünge. Da Unternehmen wie Volocopter oder Lillium weiter in Forschung investieren, wird man in diesem Bereich wohl kaum lange auf einem Fleck stehen bleiben. „Als wir vor über 50 Jahren den Vorschlag machten, mit Hubschraubern auf Autobahnen und in Wohngebieten zu landen, gab es viele Stimmen, die uns für verrückt erklärten und es hat trotzdem funktioniert“, resümiert Bruder.

Die Technik muss noch weiterentwickelt werden und auch die Regularien der Luftfahrtbehörden müssen einwandfrei erfüllt werden. Aber man kommt nur weiter, wenn man irgendwo anfängt.

(ID:47719037)