Was Tesla und Kaiser Nero gemeinsam haben

Seite: 2/2

Anbieter zum Thema

Quo Vadis Qualitätsstandard?

Doch nicht nur die Produktionszahl bereitet den Tesla-Verantwortlichen Kopfzerbrechen. Der Lorbeerkranz fängt auch an anderer Stelle an zu welken: Die Qualität widerspricht dem viel beschworenen Premium-Status.

Die Spaltmaße passen nicht und die „Falcon-Wing“-Türen im Model X streiken je nach Lust und Laune. Die Fensterscheiben-Motoren verweigern den Dienst und das riesige Zentraldisplay verabschiedet sich dann und wann in die Eiszeit – soll heißen der Bildschirm friert ein.

Die Liste würde sich schier endlos fortführen lassen: Von Problemen mit der Klimaanlage, über Innenverkleidungen die nicht stimmen, bis hin zu erheblichen Unregelmäßigkeiten im Lack. Ebenfalls unangenehm: Die elektrischen Türgriffe verweigerten in mehreren Dauertests den Dienst. Diese fahren heraus, sobald sich der Schlüsselinhaber dem Wagen nähert, und versenken sich beim Anfahren. Streikt der Türgriff, stehen 800 Euro auf der Rechnung und der Fahrer im Regen.

Zwar wurden die technischen Probleme anstandslos in den Werkstätten behoben, doch echte Qualitätskontrollen, wie man sie bei Audi, BMW und Daimler kennt, scheint man bei Tesla nicht für nötig zu erachten. Spricht man mit Ingenieuren der deutschen Autobauer, so hört man immer wieder einen Satz: „Bei uns hätten viele Bauteile niemals die interne Freigabe erhalten“.

Wer nun lacht, dem sei eine Testfahrt in einer vollausgestatten E-Klasse oder einem 5er-BMW, mit anschließender Erprobung eines Model S oder Model X, empfohlen. Sicherlich: Vollkommen diversifizierte Modelltypen – doch mit einem ähnlichen Preisniveau. Dementsprechend sollte auch ein ähnliches Qualitätsniveau zu erwarten sein. Festzuhalten bleibt aber auch: Der Tesla-Kunde ist loyal – der große Aufschrei blieb bisher aus.

Absprung von Führungskräften und Ingenieuren

Veränderungen müssen her. Das dachte sich auch eine Reihe von Tesla-Entwicklern in den vergangenen Monaten. Alleine im sensiblen Bereich des autonomen Fahrens musste Tesla drei hochkarätige Abgänge verzeichnen. Das prominenteste Beispiel ging im Juni von Board: Chris Lattner, der erst Anfang 2017 als Vice President Autopilot-Software von Apple zu Tesla gewechselt war, nahm vorzeitig den Hut.

Im November kam dann die nächste Hiobsbotschaft. Der Batterie-Chefingenieur Jon Wagner hatte den E-Auto-Hersteller verlassen. Wie das LinkedIn-Profil von Wagner erkennen lässt, hat dieser sein eigenes Unternehmen gegründet. Das bei Tesla gewonnene Know-how hatten bereits zuvor mehrere Ex-Mitarbeiter genutzt, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen.

Zoff mit deutschem Zulieferer und der IG Metall

Im April 2017 gab es richtig Streit: „Ich bin sicherlich nicht ausgeschieden, weil ich keine Lust mehr hatte“, wurde der Geschäftsführer von Grohmann Engineering, Klaus Grohmann, in Bezug auf seinen Abschied vom deutschen Maschinenbauer zitiert. Grund hierfür soll Teslas Umgang mit BMW, Bosch und Daimler gewesen sein.

Im November 2016 war das Unternehmen von Tesla übernommen worden. Während Tesla-Boss Elon Musk darauf pochte, dass Grohmann Engineering künftig ausschließlich für Tesla Entwicklungsarbeit leistet, soll Grohmann darauf bestanden haben, auch weiterhin für seine Stammkunden BMW, Daimler und Bosch tätig sein zu dürfen.

Auch die IG Metall mischte in dem Konflikt kräftig mit. Die Gewerkschaft hatte im Zuge der Übernahme durch Tesla Tarifgehälter für die Tesla-Grohmann-Angestellten gefordert. Da sich Tesla nicht kooperativ zeigte, wurde mit massiven Streiks gedroht. Das Lohngefüge der Grohmann-Beschäftigten lag zwischen 25 und 30 Prozent unter dem Tarifgehalt. Schlussendlich musste die IG Metall im Oktober jedoch klein beigeben und konnte ihre Forderung nach einem Tarifvertrag nicht durchsetzen. Die Gehälter der Mitarbeiter werden künftig jedoch etwa auf Tarifniveau liegen und damit um rund 30 Prozent über der bisherigen Gehaltsstruktur.

Wohin geht die Reise?

Tesla hat weiterhin das Potenzial sich am Markt dauerhaft zu etablieren. Doch der technische Vorsprung schmilzt. Zudem ist die Zukunftsfähigkeit von Elektroautos weiterhin nicht geklärt. Der Gegenspieler nennt sich E-Fuel. Der synthetische Kraftstoff könnte den Stromern einen Strich durch die Rechnung machen. Audi hat beispielsweise im November angekündigt, den klimaneutralen Kraftstoff künftig selbst produzieren zu wollen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung.

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Tesla muss sich gewaltig strecken, um nicht am Ende in Schönheit zu sterben. Womit wir wieder bei Kaiser Nero wären.

Sie möchten regelmäßig über alles Wissenswertes rund um die Mobilität der Zukunft informiert werden?Dann melden Sie sich hier für unsere Newsletter an!

(ID:45003655)