Was Tesla und Kaiser Nero gemeinsam haben

Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Anno Domini 2003: Das US-amerikanische Unternehmen Tesla wird gegründet. Das Ziel: Nicht weniger als die Automobil-Krone. Die Devise: Weg von Diesel und Co, hin zum nachhaltigen Auto mit E-Motor. 14 Jahre später bekommt der Lack erhebliche Kratzer – und die alten Imperatoren der Automobilindustrie atmen durch. Ein Kommentar

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Von 500.000 produzierten Fahrzeugen pro Jahr ab 2018 war die Rede. Vor zwei Wochen hielt allerdings Ernüchterung Einzug. Mit lediglich 260 hergestellten Model 3 verfehlte Tesla seine Ziele im dritten Quartal 2017 massiv.
Von 500.000 produzierten Fahrzeugen pro Jahr ab 2018 war die Rede. Vor zwei Wochen hielt allerdings Ernüchterung Einzug. Mit lediglich 260 hergestellten Model 3 verfehlte Tesla seine Ziele im dritten Quartal 2017 massiv.
(Bild: Tesla)

Gemeinsamkeiten des E-Auto-Pionier Tesla und des ehemaligen römischen Kaisers Nero? Auf den ersten Blick keine, doch bei einem genaueren Blick eint beide ein wesentlicher Punkt: Maßlose Selbstüberschätzung.

Der eine sah sich als Mittelpunkt der Welt, versuchte mit Brutalität sein Imperium zu verteidigen – und scheiterte. Der andere zog los um die Automobilindustrie auf den Kopf zu stellen, sich selbst zum Kaiser der Elektromobilität zu krönen – und beginnt frühzeitig zu stolpern. Ist das bereits der Anfang vom Ende einer automobilen Revolution?

Die Anfänge

Mit der ersten Premium-Limousine mit reinem Elektroantrieb sorgte das Model S für Aufsehen. In 2,7 Sekunden auf Landstraßentempo, rund 500 Kilometer Reichweite und zusätzlich bereits erste autonome Fahrfunktionen. Die Tesla-Jünger feierten, die Presse staunte und in den Gesichtern der etablierten Autobauer zeichneten sich Sorgenfalten ab.

2015 folgte mit dem ersten Tesla-SUV, dem Model X, ein weiterer Meilenstein in der noch jungen Unternehmensgeschichte. Doch mit den beiden hochpreisigen Fahrzeugtypen konnte der Massenmarkt nicht erobert werden. So entschied Tesla-Boss Elon Musk, dass die Zeit für ein weiteres Derivat gekommen sei, um BMW, Daimler und Co endgültig die Rückleuchten zu zeigen.

Mitte 2017 war die Zeit gekommen: Das Model 3 stromerte zu den Händlern. Bis 2018 nahm man sich vor 500.000 Fahrzeuge jährlich abzusetzen. Von 0 auf 100 zum Massenhersteller – ganz ohne Produktions-Know-how im großen Stil.

Die Börse bebte: BMW, Ford, General Motors – sie alle wurden von Tesla an der Börse überfahren. Doch nur wenige Revolutionen in der Geschichte waren von Erfolg gekrönt und so scheint sich auch für Tesla das Blatt zu wenden.

Massive Produktionsprobleme

Vollmundig hatte man bei Tesla in den letzten Jahren immer wieder betont, wie schnell man die Produktionskapazitäten hochfahren könne. Von 500.000 produzierten Fahrzeugen pro Jahr ab 2018 war die Rede. Vor zwei Wochen hielt allerdings Ernüchterung Einzug. Mit lediglich 260 hergestellten Model 3 verfehlte Tesla seine Ziele im dritten Quartal 2017 massiv.

Was bei etablierten Autobauern über Jahrzehnte gereift und entwickelte wurde, lässt sich eben nicht ohne weiteres auf ein neues Unternehmen adaptieren. Im Brief an die Aktionäre hieß es, der Anlauf der Massenproduktion sei eine Herausforderung, die Fertigung werde aber stetig erhöht. „Wir machen weiter Fortschritte, die anfänglichen Engpässe zu lösen“. Es sei aber schwer, vorauszusagen, wie lange es dauern werde, die Probleme zu bewältigen, so Musk.

Von Einsicht keine Spur. Trotzig hielt Musk seinen Kritikern entgegen, dass in den letzten fünf Jahren die Auslieferung von 2.500 auf 250.000 gestiegen sei. Die „Skeptiker da draußen“ frage er, wer von ihnen das habe kommen sehen. „Ich nehme an keiner“.

Doch die Vergangenheit hilft bei aktuellen Produktionsproblemen nicht weiter. Über 500.000 Vorbestellungen gibt es alleine für das Modell 3. Ab dem ersten Quartal 2018 will man die Produktion auf 5.000 Stück pro Woche hochfahren. Zum besseren Verständnis: Die aktuelle Wochenproduktion müsste folglich um das 60-fache erhöht werden.

Um die Brücke zurück ins alte Rom zu schlagen: Im Kolosseum hätte Kaiser Nero den Daumen wohl nach unten gedreht – womit das Schicksal für die Betroffenen besiegelt war.

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