Prognose Verbrennern kommt künftig nur noch eine Nischenrolle zu

Autor: Viktoria Hahn

Automobilhersteller müssen sich besonders im deutschen Markt noch mehr auf einen Paradigmenwechsel der Antriebstechnologien einstellen. Zu diesem Schluss kommt der aktuelle „Electromobility Report“ des Center of Automotive Management (CAM).

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Am stetigen Ausbau der Elektromobilität führt in den nächsten Jahren kein Weg vorbei, sind sich die Experten des Center of Automotive Management (CAM) sicher.
Am stetigen Ausbau der Elektromobilität führt in den nächsten Jahren kein Weg vorbei, sind sich die Experten des Center of Automotive Management (CAM) sicher.
(Bild: VW)

Der Aufschwung der Elektromobilität setzt sich fort: Laut dem aktuellen „Electromobility Report“ des Center of Automotive Management (CAM) könnten die Neuzulassungen von Elektroautos hierzulande im Jahr 2025 auf 27 Prozent Marktanteil ansteigen. In den 2030er-Jahren sollen alternative Antriebe den Verbrenner dann sogar in eine Nischenrolle befördern.

Das nun zu Ende gehende Jahr sehen die Automobilexperten dabei als Wendepunkt für die Akzeptanz der Elektromobilität in Deutschland: Im Gesamtjahr wird mit rund 360.000 Neuzulassungen von Elektrofahrzeugen (BEV/PHEV) und mit einer mehr als Vervierfachung des Marktanteils auf rund 12,6 Prozent gerechnet. Wegen der am kommenden Mittwoch in Kraft tretenden bundesweiten Lockdown-Maßnahmen könnte der E-Fahrzeugabsatz jedoch auch unter 350.000 Stück im Gesamtjahr bleiben.

Laut dem Report erhöhen sich die Neuzulassungen für reine Elektrofahrzeuge (BEV) dieses Jahr aller Voraussicht nach von 63.000 (2019) auf rund 171.000 Stück (+171%). Das entspricht einem Neuzulassungsanteil von 6,0 Prozent (2019: 1,75%).

Die Marktführer bei reinen E-Autos sind mit Ausnahme von Volkswagen überwiegend Importeure. Im Absatzvergleich von Januar bis November kommen die Wolfsburger auf rund 33.000 Neuzulassungen, Renault auf 25.000 sowie Tesla, Smart und Hyundai auf rund 13.000 verkaufte BEVs. Deutlich abgeschlagen sind Audi, BMW, Opel und Kia, die 2020 zwischen 7.700 und knapp 5.300 reine E-Fahrzeuge abgesetzt haben.

Noch stärkere Zuwächse können im Jahr 2020 die Plug-In-Hybride (PHEV) verbuchen, deren Neuzulassungen um 313 Prozent auf rund 186.000 Fahrzeuge anwachsen werden, wodurch diese Antriebsform auf einen Marktanteil von 6,6 Prozent (2019: 1,26%) kommt. Auch die beliebtesten Plug-in-Hybrid-Modelle stammen allesamt von deutschen Herstellern: In der PHEV-Rangliste (hier: Januar bis Oktober 2020) führt der VW Passat, vor den Mercedes Modellen A-Klasse, E-Klasse, C-Klasse sowie dem Audi Q5.

Moderates Wachstum 2021 erwartet

Hierzu meint Studienleiter Stefan Bratzel: „Zwar sind bei Plug-in-Hybriden die deutschen Hersteller mit deutlichem Abstand Markt- und Innovationsführer und profitieren erheblich von den attraktiven Förderungen insbesondere im Flotten- bzw. Dienstwagenbereich.“ Aufgrund der hohen Diskrepanz zwischen den Normverbräuchen und den Realverbräuchen der PHEVs sei in den nächsten Jahren aber mit einer Anpassung der Förderkulissen und mit sinkenden Neuzulassungsanteilen zu rechnen, so Bratzel weiter. Darauf sollten sich die Hersteller einstellen.

Das CAM geht im kommenden Jahr von einem moderaten Wachstum der E-Fahrzeugzulassungen in Deutschland aus. Danach wird ein Neuwagenabsatz von rund 480.000 E-Autos erwartet, was einem Anteil von 15 Prozent an den Neuzulassungen von geschätzten 3,3 Millionen Pkw entspricht. Dabei wird von jeweils rund 50 Prozentanteilen BEVs und PHEVs ausgegangen. Allerdings wird der E-Fahrzeuganteil bis zum Jahr 2025 bereits auf besagte 27 Prozent der Neuverkäufe ansteigen, wobei davon rund 65 Prozent reine Elektrofahrzeuge sein dürften.

Die Automobilhersteller müssten sich insbesondere im deutschen Markt auf einen Paradigmenwechsel der Antriebstechnologien bis zum Jahr 2030 einstellen, erklärt Bratzel weiter. Treiber seien vor allem die sich verschärfenden Klimaziele und die sich verändernden Regulationskulissen. Dabei führe zunächst an der Elektromobilität kein Weg vorbei. In den 2030er-Jahren werde der Verbrennungsmotor deshalb zunehmend in eine Nischenrolle gedrängt, so Bratzel abschließend.

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