Cargobikes Tink: So kam das Wander-Transportrad-Sharing in der ersten Pilotstadt an

Lastenräder im Verleih? Das ist in Deutschland noch eine Rarität. Eine Initiative namens Tink will das ändern – und schickt ihr Cargobike-Mietsystem jeweils für fünf Monate auf Reisen in vier verschiedene Städte. Wie der erste Versuch in Singen ankam.

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Die Initiative Tink testet mit vier Kommunen (Singen, Reutlingen, Dortmund und Leipzig) ein Wander-Transportrad-Mietsystem.
Die Initiative Tink testet mit vier Kommunen (Singen, Reutlingen, Dortmund und Leipzig) ein Wander-Transportrad-Mietsystem.
(Bild: Tink)

Rund zwei Prozent der Deutschen besitzen laut dem „Fahrrad Monitor 2021“ des Bundesverkehrsministeriums ein Lastenrad. Immerhin 12 Prozent können sich vorstellen, eines anzuschaffen. Alternativen zum Besitz gibt es bislang kaum. Bike-Sharing-Anbieter konzentrieren sich zumeist auf konventionelle Fahrräder und E-Bikes.

Die Initiative Tink will das ändern. Tink steht für Transportrad Initiative Nachhaltiger Kommunikation. Die Idee, kommunale Transportrad-Mietsysteme aufzubauen, verfolgen die Initiatoren seit 2015. Erste Versuche starteten in Konstanz und Norderstedt. Seit dem vergangenen Jahr versucht das vierköpfige Team, seine Erfahrungen zu teilen und weitere Kommunen für das Modell zu gewinnen.

Entstanden ist das sogenannte Tink Netzwerk. Ein kommunales Bündnis für Cargobike-Mietsysteme. 15 Interessenten gibt es bereits: Aachen, Dortmund, Hamburg, Hannover, Leipzig, Mainz, Norderstedt, Offenburg, Rostock, Singen, Weimar, die Verkehrsgesellschaften Reutlingen und Wiesbaden sowie der Verkehrsverbund Rhein-Neckar aus Mannheim. Tink unterstützt sie mit Beratungsleistungen für den Aufbau, stellt eine Buchungsplattform zur Verfügung, führt Infoveranstaltungen und Webinare mit durch und stellt die Vernetzung zu anderen teilnehmenden Kommunen her.

Mit vier Städten startete die Initiative darüber hinaus im Frühjahr 2021 ein Pilotprojekt: ein Wander-Transportrad-Mietsystem. Für jeweils fünf Monate erhalten die entsprechenden Kommunen eine Cargobike-Flotte und Unterstützung im Betrieb. Anschließend wandert das Projekt weiter in die nächste Stadt.

Erste Modellstadt war im vergangenen Jahr Singen. Dort standen zwischen Frühjahr und Herbst insgesamt 15 Transporträder, davon fünf elektrische, an fünf Stationen rund um die Uhr zum Verleih. Die erste halbe Stunde war dabei für Nutzer kostenlos, weitere 30 Minuten kosteten dann jeweils einen Euro bei den konventionellen und 1,50 Euro bei den E-Bikes. Der maximale Tagespreis betrug 12 bzw. 18 Euro. Interessenten konnten die Räder über eine App buchen.

25 Ausleihen pro Tag

Inzwischen läuft die Evaluation des Projektes. Noch sind nicht alle Daten endgültig ausgewertet. Projektleiterin Anita Benassi gab »Next Mobility« dennoch erste Einblicke in die vorläufigen Ergebnissen. Singen hat 47.000 Einwohner. In den fünf Monaten des Pilotprojektes haben sich insgesamt 731 Nutzer vollständig registriert, 520 davon nahmen das Angebot mehrfach in Anspruch. Pro Tag gab es durchschnittlich 25 Ausleihen. Die am meisten genutzte Station lag dabei an der Hohentwiel Gewerbeschule. „Rund 1.000 ausgeliehene Räder in fünf Monaten ist sehr viel für die Größe der Stadt Singen“, zieht Benassi ein positives Fazit.

Ob die Nutzer die Cargobikes vor allem verwendet haben, um Autofahrten zu ersetzen und somit einen Beitrag zum Klimaschutz geleistet haben, muss noch final ausgewertet werden. Aus den eigenen Erfahrungen in Norderstedt und Konstanz wisse man aber, dass rund die Hälfte der Nutzer dank der Transporträder das Auto stehen lasse, sagt Benassi.

Auch Lastenräder haben mit Vandalismus zu kämpfen

Doch nicht jeder ist Fan von Lastenrädern. Anbieter haben ähnlich wie etwa E-Scooter-Verleiher mit Vandalismus zu kämpfen. Um dem vorzubeugen, gab es in Singen ein eigenes Präventionsprojekt. Ein Rad wurde in Singen dennoch mutwillig zerstört. Die genauen Ergebnisse werden aktuell noch evaluiert, aus den Erfahrungen soll ein Konzept entstehen, das auch andere nutzen können.

Insgesamt kam das Projekt in Singen offenbar gut an. Laut der Verkehrsbeauftragten Petra Jacobi will die Stadt im laufenden Jahr das Cargobike-Sharing etablieren.

Tinks Wanderprojekt geht währenddessen an anderer Stelle weiter. Nächste Versuchsstadt wird Dortmund. Dort startet das Angebot im März. Erstmals will die Initiative in der Ruhrpott-Großstadt ein „Inklusionstransportrad“ testen. Auf Dortmund soll dann im Sommer Leipzig folgen. In der sächsischen Großstadt schaffen die Behörden gerade bereits die Voraussetzungen dafür. Seinen vorläufigen Abschluss soll das Wander-Transport-Mietsystem dann in Reutlingen finden.

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