Das Solarauto-Start-up Sono Motors ist von nun an an der US-Techbörse Nasdaq notiert. Wie viel Geld die Münchner mit dem Börsengang einsammeln wollen – und warum sie eine Finanzspritze offenbar dringend nötig haben.
Eine Sono-Aktie kostet zum Start 15 Dollar.
(Bild: Sono Motors)
Ab Mittwoch (17. November) ist das Münchner Start-up Sono Motors unter dem Kürzel „SEV“ an der Börse notiert. Zum Start am Nasdaq Global Market gibt das Unternehmen 10 Millionen Stammaktien zu einem Preis von 15 Dollar aus. Das entspricht 15 Prozent der Unternehmensanteile. Die Gründer Laurin Hahn und Jona Christians halten weiter die Mehrheit der Stimmrechte.
Den Konsortialbanken gewährt Sono darüber hinaus eine 30-Tage-Option auf bis zu 1,5 Millionen weitere Aktien zum gleichen Preis. Insgesamt hofft der Solarauto-Hersteller also auf bis zu 172,5 Millionen Dollar. Netto sollen es rund 135 Millionen Dollar werden, wie Hahn am Mittwoch erklärte.
Kurz nach dem Start wurde die Aktie zu Kursen um 27 Dollar gehandelt. Das Start-up-Unternehmen käme damit theoretisch auf einen Börsenwert von etwa 2 Milliarden Dollar (1,77 Mrd Euro). Hahn sagte: „Wir haben uns für einen Börsengang in den USA entschieden, weil Investoren in USA stark an Technologieunternehmen interessiert sind.“
Das Geld braucht Sono offenbar dringend. Das „Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND)“ hatte kürzlich mit Verweis auf den Zulassungsprospekt für den Börsengang berichtet, dass dem Unternehmen ohne die Erlöse „im Dezember oder kurz danach“ die Insolvenz drohe. Sono selbst habe jene Information mit Verweis auf strenge Schweigeregeln nicht kommentieren wollen. Am Mittwoch sagte Hahn: „Ja, die Erlöse helfen uns, unser Fortbestehen zu sichern und helfen uns, zusätzliche Investitionen für die Serienproduktion zu tätigen.“
Bereits in der Vergangenheit hatten die Münchner mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen. Ende 2019 rettete eine Crowdfunding-Aktion, mit der das Start-up über 50 Millionen Euro einsammelte, die 2016 gegründete Firma vor dem Aus.
Mehr als 16.000 Vorbestellungen
Nun braucht Sono Motors weiteres Kapital, um sein Solarauto Sion wirklich in Serie bringen zu können. Nach eigenen Angaben liegen dem Unternehmen über 16.000 Bestellungen für das Fahrzeug vor. Nach mancher Verzögerung soll der Start nach aktuellem Stand im Jahr 2023 erfolgen. Zuletzt gab es aber neue Fragezeichen: Denn mit dem geplanten Auftragsfertiger NEVS aus Schweden soll es noch keine finale Produktionsvereinbarung geben.
Das RND berichtet darüber hinaus, dass die Fertigung wohl deutlich teurer wird, als ursprünglich von Sono veranschlagt. Öffentlich sprachen die Münchner bisher von mindestens 200 Millionen Euro, die dafür nötig seien. Im Zulassungsprospekt heißt dem Bericht zufolge nun, dass das Unternehmen noch mindestens 354 Millionen Euro benötige. Seit der Gründung habe die Firma insgesamt 108,8 Millionen Euro Schulden angehäuft.
All das weckt erneut Zweifel, ob Sono noch zu einer Erfolgsgeschichte werden kann. Mit dem Börsengang will sich das Team nun Luft verschaffen.
Sollte es mit dem Marktstart klappen, will Sono mit dem Sion ein familientaugliches Elektroauto bieten. Die Batterie soll eine Kapazität von 54 kWh haben. Das soll für eine Reichweite von bis zu 305 Kilometern reichen. Die Batterie soll ohne die kritischen Materialien Kobalt, Mangan und Nickel auskommen. Dafür nutzt der Akku die Lithium-Eisenphosphat-Technologie (LFP). Seine Lebensdauer wird vom Hersteller Elring Klinger mit bis zu 3.000 Ladezyklen oder bis zu 900.000 Kilometer Fahrbetrieb angegeben. Die maximale Ladeleistung beträgt 75 Kilowatt.
Darüber hinaus setzt Sono auf mehrere in der Hülle integrierte Solarpanele. Diese könnten durchschnittlich 112 Kilometer Extra-Reichweite pro Woche liefern, bei optimalen Bedingungen sogar bis zu 245 Kilometer. Neben den technischen Features soll der Sion auch mit anderen Details punkten: Beispielsweise soll man ihn auf Knopfdruck auch zum Sharing freigeben können.
Den angepeilten Startpreis für das Auto hat Sono kürzlich um 3.000 Euro auf 28.500 Euro angehoben. Wohl auch, um in Deutschland in die öffentliche Förderung aufgenommen zu werden. Nach bisherigen Informationen hätte sich das Unternehmen den dafür notwendigen Eigenanteil nicht leisten können.
Sono setzt nicht allein auf den Sion
Neben dem Vertrieb seines Autos hofft Sono noch auf weitere Geschäftszweige. Beispielsweise soll das sogenannte „Community Sharing“, bei dem Fahrzeughalter ihr Auto anderen Nutzer ihrer Wahl zur Verfügung stellen können, auf Umsätze in Höhe von bis zu 295 Millionen Euro bis 2025. Den Auftakt will Sono mit einer vierstelligen Zahl von ausgewählten Autobesitzern in Deutschland machen. 2022 soll die entsprechende App dann auch öffentlich verfügbar sein und der Dienst damit wohl breiter ausgerollt werden.
Stand: 08.12.2025
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Außerdem will Sono Motors die eigene Solar-Technologie praktisch als Zulieferer auch anderen Unternehmen anbieten. Erste Projekte dazu gibt es bereits beispielsweise mit MAN.