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Konjunkturaussichten: Steiniger Weg zur Erholung

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Sowohl die menschlichen als auch die wirtschaftlichen Kosten der Coronavirus-Pandemie sind enorm. Während einige Länder und Regionen dabei sind, die Krise zu überwinden, ziehen Ökonomen eine erste Bilanz zu den Auswirkungen der Covid-19-Krise auf die Weltwirtschaft.

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Im Jahr 2020 wird der Welthandel voraussichtlich real um 15 Prozent schrumpfen. Im Jahr 2021 könnte er sich um 8 Prozent und 2022 um weitere 4,1 Prozent erholen.
Im Jahr 2020 wird der Welthandel voraussichtlich real um 15 Prozent schrumpfen. Im Jahr 2021 könnte er sich um 8 Prozent und 2022 um weitere 4,1 Prozent erholen.
(Bild: Allianz)

Zu Beginn des Jahres 2020, lag Optimismus in der Luft. Die Ökonomen der Allianz prognostizierten, dass die Talfahrt für die Weltwirtschaft mit dem Ende der Handels- und Industrierezession vorbei sein dürfte. Sie hatten in diesem Jahr ein langsames, aber stetiges Weltwirtschaftswachstum von 3 Prozent vorhergesagt. Keine sechs Monate später sind alle Prognosen über den Haufen geworfen und die Wirtschaft befindet sich durch die Covid-19-Pandemie im freien Fall. Während einige Länder den Tiefpunkt der Krise bereits überwunden zu haben scheinen, kämpfen andere weiterhin noch darum den Ausbruch von Covid-19 einzudämmen.

Obwohl das Coronavirus bereits seit Monaten grassiert, können die Kosten - sowohl menschlicher als auch wirtschaftlicher Art – noch kaum kalkuliert werden. Trotz dieser großen Unsicherheit rechnen die Ökonomen damit, dass die Weltwirtschaft in diesem Jahr um deutliche 4,7 Prozent schrumpfen wird. Mit zunehmender Kontrolle der Situation sollte dann 2021 die Erholung einsetzen.

Lockdown Blues

Als das Coronavirus anfing sich auszubreiten, gingen viele Länder in den Lockdown-Modus, um die Ausbreitung einzudämmen - der Alltag kam zum Stillstand. Geschäfte und Läden mussten schließen, der Dienstleistungssektor und der Handel kamen zum Erliegen. Seit April ist die Weltwirtschaft jedoch wieder zu 70-80 Prozent ausgelastet. Eine komplette Ausschöpfung der Kapazitäten ist jedoch nach Ansicht der Allianz Ökonomen im Jahr 2020 nicht zu erwarten. "Wir gehen davon aus, dass diese Situation bis zum vierten Quartal 2020 andauern wird, wenn auch in geringerem Ausmaß, aufgrund einzelner Lockdowns zur Bekämpfung neuer Ausbrüche und verstärkten sanitären Restriktionen", schreiben sie in dem Bericht.

Eine Rückkehr der Weltwirtschaft auf das Vorkrisenniveau ist erst Ende 2021 möglich. Nächstes Jahr soll die Wirtschaft um 4,8 Prozent wachsen und damit gerade so viel zurückgewinnen, wie sie verloren hat, heißt es. Natürlich hängt viel davon ab, wie die gefürchtete "zweite Welle" abläuft und wie sie gehandhabt wird. Zu den Krisenherden gehören Brasilien, Mexiko, die USA, Indien, Indonesien, Großbritannien und Südafrika, Länder, die besonders von erneuten Ausbrüchen und voreiligen Neustarts bedroht sind, urteilen die die Ökonomen.

Europa muss unter Umständen länger mit der Situation kämpfen. In diesem Jahr wird die Wirtschaft in der Region voraussichtlich um ganze 9 Prozent schrumpfen. Für 2021 wird nur mit einer teilweisen Erholung von 6 Prozent gerechnet. Es überrascht nicht, dass die größten Nachzügler Italien, Spanien und Frankreich sein werden, die Länder in Europa, die am schlimmsten vom Virus betroffen sind.

Lahmer Handel

Für den Welthandel wird es bis zur vollständigen Erholung noch länger dauern. Den Ökonomen zufolge ist nicht zu erwarten, dass der Welthandel vor 2023 wieder das Vorkrisenniveau erreicht, da der globale Dienstleistungssektor noch eine Weile beeinträchtigt sein wird.

Im Jahr 2020 wird der Welthandel voraussichtlich real um 15 Prozent schrumpfen. Im Jahr 2021 könnte er sich um 8 Prozent und 2022 um weitere 4,1 Prozent erholen. Allerdings wird jedes Land und jede Branche die Folgen unterschiedlich empfinden. Dienstleistungen werden mehr Zeit benötigen, um sich zu erholen als der Güterhandel. So ist beispielsweise bei Reise- und Transportdienstleistungen vor 2023 kaum mit einer Rückkehr zum status quo ante zu rechnen; beim Güterhandel könnte dies schon bis Ende 2022 passieren. Die Ökonomen sehen den Energiesektor mit Exportverlusten in Höhe von 733 Milliarden Dollar am härtesten getroffen.

Zeit zum Heilen

Natürlich wird die Krise irgendwann vorbei sein. Ihr Erbe wird die Gesellschaft jedoch noch eine ganze Weile beschäftigen, wenn die vollen Auswirkungen der Pandemie allmählich sichtbar werden. Mittelfristig werden die Insolvenzen steigen, der Arbeitsmarkt unter Druck geraten, soziale und politische Risiken sich verschärfen und Produktionskapazitäten eingeschränkt. Die Finanzmärkte werden außerdem recht empfindlich auf (geld)politische Ankündigungen reagieren. Es sei also mit hoher Volatilität zu rechnen, warnen die Experten.

(ID:46756280)