Zweiräder Für wen sich ein Pedelec lohnt

Quelle: dpa

Fahrräder mit Motorunterstützung gehören in der Stadt und auf dem Land längst zum Straßenbild. Aber für wen ist so ein Pedelec überhaupt etwas?

Ein wichtiges Kriterium beim Pedelec-Kauf ist die Akkureichweite.
Ein wichtiges Kriterium beim Pedelec-Kauf ist die Akkureichweite.
(Bild: www.pd-f.de/Kay Tkatzik)

Es ist noch nicht lange her, da galt für manche: Ein E-Bike ist doch was für Omas und Opas. Das ist passé. Längst gibt es neben den bequemen Tiefeinsteigern, die zu dem Image führten, kaum eine Fahrradgattung ohne Motor. E-Citybikes, E-Trekkingräder oder auch das E-Mountainbike gehören zu den beliebtesten. Wer sind typische Anwender und warum?

E-Bike, Pedelec und S-Pedelec – was ist was?

Erst einmal: Wer E-Bike sagt, meint in der Regel ein Pedelec. Das setzt sich aus „Pedal Electric Cycle“ zusammen. Die trotz Motor zu den Fahrrädern zählenden normalen Modelle unterstützen nämlich bis 25 km/h mit einem bis maximal 250 Watt starken Motor beim Treten.

Es gibt aber auch schnellere Flitzer, meist S-Pedelecs genannt. Sie sind aber bereits Kleinkrafträder und unterstützen bis 45 km/h. Laut dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) benötigt man unter anderem ein Versicherungskennzeichen, mindestens einen AM-Führerschein und muss mindestens 16 Jahre alt sein.

Die dritte Kategorie der E-Bikes kann man laut ADFC „mit Hilfe des Elektroantriebs durch einen Drehgriff oder Schaltknopf fahren, auch ohne dabei in die Pedale zu treten“. Sie gelten als Kleinkraftrad, wenn sie die Motorleistung von 500 Watt und eine Höchstgeschwindigkeit von maximal 20 km/h nicht überschreiten.

Auf den Akku kommt es an

Die Akkureichweite ist noch vor dem Preis ein wichtiges Kaufkriterium, sagt Merdian Osmanoski, Inhaber zweier Berliner Fahrradgeschäfte. Aber auf die Frage der durchschnittlichen Akkureichweite gibt es leider keine simple Antwort.

Wie weit eine volle Batterie trägt, steht in Relation zum Gewicht von Fahrer und Rad. Das liegt beim E-Bike im Durchschnitt bei 20 bis 25 Kilogramm. Manche Hersteller geben mittlerweile Akkureichweiten von über 100 Kilometern an. Laut ADFC sind solche Werte nur unter „idealen Bedingungen“ zu erreichen.

Wer kauft ein Pedelec?

Merdian Osmanoski sieht ganz unterschiedliche Käufergruppen in seinen Geschäften: „Wir haben ältere Kunden mit vielleicht Mitte, Ende 50, die ein E-Bike kaufen, weil sie mobil bleiben wollen.“ Der größere Aktionsradius ermöglicht auch weniger trainierten Radlern weitere Touren. Denn mit der Motorhilfe und genug Restakku schaffen sie es auch wieder mühelos nach Hause.

„Und dann gibt es eine andere große Gruppe, die ein E-Bike kaufen, weil sie nicht verschwitzt im Büro ankommen wollen“, so Osmanoski. Wer ein Pedelec für den Arbeitsweg nutzen will, hat gegenüber einem konventionellen Rad offensichtliche Vorteile: Auch wer auf dem Weg Steigungen meistern muss, kommt nicht erschöpft bei der Arbeit an. Und nach einem vielleicht auch körperlich anstrengenden Arbeitstag ist eine batterieunterstützte Heimfahrt müheloser und meistens auch schneller als allein mit Muskelkraft.

Will man das Rad am Arbeitsplatz oder unterwegs aufladen, sollte man beim Kauf darauf achten, dass die Batterie unkompliziert abnehmbar ist und so leicht an die Steckdose kommt. Attraktiv für Berufstätige können auch Leasing- oder Abomodelle für Diensträder sein.

E-Mountainbikes unterstützen in neuem Gelände

Der Pressedienst-Fahrrad (pd-f) nennt als Faustregel für ein gutes, solide ausgestattetes Pedelec Preise ab etwa 3.000 Euro. Laut dem Verband Deutscher Zweiradhandel wurden 2021 durchschnittlich 3.332 Euro für ein E-Bike ausgegeben. Tendenz steigend. 2019 waren es demnach durchschnittlich circa 3.100 Euro.

Eine weitere Käufergruppe, die Händler Osmanoski zu seinen Kunden zählt, sei etwa zwischen 30 und 35 Jahre alt und wolle sich mit ihren Pedelecs von der Masse abheben. „Die kaufen sich dann ein E-Mountainbike, der SUV unter den E-Bikes. Das soll richtig Power und Reichweite haben“, sagt der Fahrradhändler und nennt diese Käufer die „Supersportiven“.

E-Mountainbikes sind auch interessant, um sich an neue Trails zu wagen, die man ohne Batterieunterstützung wohl nicht schaffen würde.

Das Pedelec als Lastesel

Eine vergleichbare Überlegung gibt es bei E-Lastenrädern, die immer mehr gekauft werden. Sie können durch die elektrische Antriebsunterstützung auch schwere Lasten bewältigen. Die meisten schaffen eine Zuladung von 70 bis 100 Kilo – ohne Plackerei.

Laut pd-f kosten E-Lastenräder ab 5.000 Euro aufwärts. Ein solcher Preis für ein Qualitätsrad rechnet sich nur, wenn man das Rad fast täglich benutzt oder betrieblich einsetzt – vielleicht als Alternative zur Stadtfahrt mit dem Transporter.

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Was E-Bikes zur Gesundheit beitragen

Die Sportwissenschaftlerin Hedwig Boeck von der Medizinischen Hochschule Hannover hat 2020 Daten zu den Radfahrgewohnheiten von insgesamt 101 Teilnehmern einer Studie veröffentlicht. Verglichen wurde die Fahrrad- mit der Pedelecnutzung in 4 Betrieben im Raum Hannover über einen Zeitraum von 14 Tagen. Im Vergleich zu Fahrern konventioneller Räder stiegen die Pedelecnutzer öfter aufs Rad. Nämlich 5 Mal pro Woche, wohingegen Menschen mit nicht unterstützten Fahrrädern nur 3 Mal die Woche Rad fahren.

Um die Gesundheit zu fördern, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation laut Boeck pro Woche mindestens 150 Minuten Bewegung mit moderater Intensität. „Die Pedelec-Fahrer in unserer Studie lagen über diesem Wert. Die Radfahrer darunter.“

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