Dräxlmaier – 60 Jahre Automobilgeschichte

Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Die Dräxlmaier Group feiert 60. Geburtstag. Im Mai 1958 gründeten Lisa und Fritz Dräxlmaier sen. die Firma „Elisabeth Dräxlmaier“. Bis heute ist der Automobilzulieferer aus Vilsbiburg ein Familienunternehmen.

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Bordnetzfertigung in den frühen Jahren der Dräxlmaier Group.
Bordnetzfertigung in den frühen Jahren der Dräxlmaier Group.
(Bild: Dräxlmaier Group)

Es war die Zeit des deutschen Wirtschaftswunders und der Beginn der Erfolgsgeschichte des Automobils. Das Unternehmen Dräxlmaier entstand aus einer Freundschaft zwischen Lisa und Fritz Dräxlmaier mit Hans und Anderl Glas. Sie verband der Glaube an den Traum der individuellen Mobilität, den sich die Menschen mit einem Auto erfüllen könnten.

In den Dingolfinger Hans Glas Werken, ursprünglich eine Landmaschinenfabrik, entstand das Goggomobil. Die Leitungssätze für den Kleinwagen wurden vom neu gegründeten Unternehmen Dräxlmaier gefertigt. Wenig später wurde die zweite Produktsparte aufgebaut. Dräxlmaier lieferte nun auch die Türverkleidungen für den bis 1969 gebauten Kleinwagen. „Ich bewundere den in die Zukunft gerichteten Pioniergeist meiner Eltern, die fest daran glaubten, dass ihre Firma erfolgreich sein wird. Sie erkannten die kommende individuelle Mobilität frühzeitig als Geschäftsfeld“, so Unternehmenschef Fritz Dräxlmaier.

60 Jahre Automobilgeschichte – Bordnetzfertigung damals und heute.
60 Jahre Automobilgeschichte – Bordnetzfertigung damals und heute.
(Bild: Dräxlmaier Group)

Das Familienunternehmen hat seit seiner Gründung sein Profil stark verändert. Zu Beginn waren es 90 Mitarbeiter in der Produktion. Mit dem Dräxlmaier Technologiezentrum führte Fritz Dräxlmaier Ende der 1990er-Jahre alle vormals verteilten Abteilungen in Vilsbiburg zusammen. Um die kundenspezifische Lieferung von Produkten zu ermöglichen, wurden hochkomplexe Strukturen im gesamten Unternehmen aufgebaut.

Die Fertigung von 50.000 Leitungssätzen für das Goggomobil war der erste Auftrag von Dräxlmaier. Heute entwickelt und fertigt das Unternehmen komplexe Bordnetzsysteme, Elektrik- und Elektronikkomponenten, exklusives Interieur sowie Speichersysteme für über 100 Premium-Fahrzeugmodelle in einem internationalen Entwicklungs-, Produktions- und Logistiknetzwerk.

Am Standort Vilsbiburg sind die Zentralfunktionen und Teile der weltweiten Forschungs- und Entwicklungsabteilung angesiedelt. Dort werden Innovationen für die Zukunft der Automobilindustrie von hoch spezialisierten Experten und in Hightech-Labors entwickelt.

Große Loyalität mit dem Arbeitgeber

Die Entwicklung der Dräxlmaier Group vom jungen Familienbetrieb zum Top-100-Automobilzulieferer haben viele Mitarbeiter über Jahrzehnte begleitet. Die Beschäftigten in Deutschland und an den internationalen Standorten zeigen große Loyalität zu Dräxlmaier. Weltweit haben im Jahr 2017 rund 2.800 Mitarbeiter ihre Unternehmenszugehörigkeit zwischen zehn und vierzig Jahren gefeiert. Josef Peisl, der im März sein 35-jähriges Jubiläum feierte, blickt zurück: „Ich durfte mich oftmals in neue, innovative Themen einarbeiten. Das in mich gesetzte Vertrauen hat mich angespornt und zu Höchstleistungen motiviert. Menschlichkeit hat mich all die Jahre begleitet und war die Basis unserer Zusammenarbeit – auch wenn es darum ging, Veränderungen voranzutreiben.“

Die Mitarbeiter haben mit ihrem Engagement die Entwicklung der Automobilindustrie mitgestaltet. Dräxlmaier meldet jährlich über 150 Innovationen erfolgreich zum Patent an. Elisabeth Hable, die ebenfalls 35 Jahre im Unternehmen ist, erinnert sich: „Die 35 Jahre waren von einem ständigen Wandel und zugleich von Verlässlichkeit und Stabilität geprägt.“

Dräxlmaier hat sich in seiner 60-jährigen Geschichte seine Eigenständigkeit bewahrt und ist bis heute ein inhabergeführtes Familienunternehmen. „Bis heute sind wir von dem Geist beseelt, die automobile Zukunft mit großer Freude mitgestalten zu können. Mein Dank und meine Anerkennung gelten allen Mitarbeitern, die täglich ihr Bestes geben und uns dahin gebracht haben, wo wir heute als Unternehmen stehen“, so Fritz Dräxlmaier.

Den technologischen Wandel aktiv mitgestalten

Aktuell befindet sich die Automobilindustrie in einem historischen technologischen Umbruch. Der Wandel von der heutigen Fahrzeuggeneration zur nächsten wird größer sein als jener von der Kutsche zum Automobil. Die Dräxlmaier Group begreift diesen Wandel als Chance: „Wir sind davon überzeugt, dass die Megatrends der Branche, wie Elektromobilität, autonomes Fahren oder Connectivity, die Mobilität von morgen noch nachhaltiger machen werden“, so Fritz Dräxlmaier.

Den technologischen Wandel in der Automobilindustrie gestaltet die Dräxlmaier Group mit ihren Innovationen aktiv mit. So analysieren die Entwickler des Zulieferers, welche Anforderungen das autonome Fahren an die Energie- und Datenversorgung stellen, und erarbeiten auf dieser Grundlage Konzepte für das Bordnetz der Zukunft.

Auch das Interieur wird sich grundlegend wandeln. Hochwertige Materialien und die Anmutung des Interieurs werden eine höhere Bedeutung erlangen, wenn der Fahrer seine Aufmerksamkeit nicht mehr nur dem Fahrgeschehen widmen muss. Dabei wird Licht im Innenraum immer wichtiger. Ist es heute ein reines Ambientelicht, das Stimmung schafft, so wird es in Zukunft die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Fahrer unterstützen. Im Dynamic Light von Dräxlmaier laufen Farben dynamisch einen Lichtleiter entlang. Licht, das sich bewegt, wird vom Menschen besonders gut wahrgenommen – und eignet sich somit hervorragend für die Anzeige von wichtigen Hinweisen im Fahrzeug.

Einen weiteren großen Trend der Branche, die Elektromobilität, hat Dräxlmaier früh erkannt. Bereits 2009 hat das Unternehmen erste Prototypen entwickelt. Heute entwickelt und integriert es kundenspezifische Batteriegesamtsysteme und -komponenten, zum Beispiel für einen rein elektrisch angetriebenen Sportwagen mit 800-Volt-Technologie.

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