Die Verkehrsprofile von 35 deutschen Städten im Vergleich

| Redakteur: Benjamin Kirchbeck

Die Verkehrsprofile von 35 deutschen Städten zeigen deutliche Unterschiede in der Nutzung von Pkw, ÖPNV, Fahrrad, Carsharing und Fußwegen. Vor allem die Größe einer Stadt ist in vielen Kategorien entscheidend.

Der Pkw-Besitz hat einen hohen Einfluss auf das Mobilitätsverhalten von Personen. In großen Städten gibt es prozentual mehr Haushalte ohne Pkw als in kleinen. Berlin ist die Hochburg: Hier kommt rund die Hälfte (51 Prozent) der Haushalte ohne Auto aus.
Der Pkw-Besitz hat einen hohen Einfluss auf das Mobilitätsverhalten von Personen. In großen Städten gibt es prozentual mehr Haushalte ohne Pkw als in kleinen. Berlin ist die Hochburg: Hier kommt rund die Hälfte (51 Prozent) der Haushalte ohne Auto aus.
(Bild: Clipdealer)

Viele deutsche Städte arbeiten daran, ihren Verkehr klimagerecht zu gestalten, aber der Weg ist noch weit. Die meisten können bislang nur in einer von fünf relevanten Kategorien überzeugen. Das ist das Ergebnis eines Städtevergleichs, den die Denkfabrik Agora Verkehrswende vorgelegt hat. Untersucht wurden Merkmale wie Pkw-Besitz, die Nutzung von Fahrrad, öffentlichen Verkehrsmitteln und Carsharing sowie der Anteil der zu Fuß zurückgelegten Wege in 35 Städten, von Kleinstädten mit unter 50.000 Einwohnern wie Ansbach und Brühl bis zu Metropolen wie München, Berlin und Hamburg. Mit der Untersuchung gibt Agora Verkehrswende ein Beispiel, wie der Stand der Verkehrswende in Städten gemessen und grafisch aufbereitet werden kann.

„Corona hat eine neue Ausgangslage geschaffen. Der Anteil des Radverkehrs ist gestiegen, der des ÖPNV drastisch gesunken. Eine zunehmende Verlagerung auf private Pkw droht die Städte um Jahre zurückzuwerfen. Im ÖPNV wird es großer Anstrengungen bedürfen, das Vertrauen der Fahrgäste zurückzugewinnen, den Status vor Corona wieder zu erreichen und den Anteil darüber hinaus weiter auszubauen“, sagt Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende.

Kommunale Verkehrspolitik als Erfolgsfaktor

Am besten schneidet Freiburg im Breisgau in der Untersuchung ab. Freiburg gehört bei der Nutzung von Fahrrad, Bus und Bahn, Fußwegen und Carsharing zu den Spitzenreitern. Weitere Städte, die positiv auffallen, sind Bremen, Karlsruhe, Heidelberg, Frankfurt am Main und Schwerin. Die Daten wurden jeweils vor Corona erhoben.

Berlin hat hingegen den höchsten Anteil an autofreien Haushalten (51 Prozent). Auch der öffentliche Verkehr wird in Berlin am häufigsten genutzt (26 Prozent des Verkehrsaufkommens). Frankfurt am Main ist die Fußgängerhauptstadt (33 Prozent des Verkehrsaufkommens). Bei der Dichte an Carsharing-Fahrzeugen hat Karlsruhe die Nase vorn (3,2 Fahrzeuge auf 1.000 Einwohner).

Auch wenn die Gründe für Mobilität letztlich gleich sind, gibt es erhebliche Unterschiede bei der Frage, wie Stadtbewohner ihre Wege zurücklegen. Ein Blick auf die Verteilung des Verkehrsaufkommens auf die verschiedenen Verkehrsmittel, der sogenannte Modal Split, zeigt: Je größer die Städte sind, desto höher fallen die Wegeanteile des Umweltverbundes aus und umso niedriger die des MIV.

Bewältigen die Menschen aus Metropolen knapp zwei Drittel ihrer Wege zu Fuß, mit dem ÖPNV oder dem Rad und ein gutes Drittel mit dem Auto, ist es bei Menschen aus Kleinstädten genau umgekehrt. Bereits die Großstädter legen die Hälfte der Wege mit dem Pkw zurück. Auch durchaus günstige Bedingungen können gegen die Dominanz des Autos nur wenig ausrichten und nicht verhindern, dass sich jenseits der Metropolen rasch der „MIV-Trichter“ öffnet: Je kleiner die Stadt, desto wichtiger ist der Pkw für die alltägliche Mobilität. Die komplette Auswertung inklusive aller Grafiken können Sie hier als PDF herunterladen.

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